Bäderbetriebe

Schwimmen in Berlin soll zu beliebten Zeiten teurer werden

Die Berliner Bäderbetriebe wollen ihre Preise künftig an die Nachfrage anpassen: Bei starkem Besucherandrang soll der Eintritt teurer werden, wenn wenig los ist, sollen die Tickets auch weniger kosten.

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlins Bäder wollen dem Beispiel von Fluggesellschaften oder der Deutschen Bahn folgen: Die Preise sollen künftig der Nachfrage angepasst werden. Vereinfacht gesagt soll der Eintritt für Berlins 63 öffentliche Schwimmbäder teurer werden, wenn viele Menschen baden wollen. Und sie sollen sinken zu Zeiten, in denen das Wasser bislang oftmals still und unbenutzt in den Becken steht.

Das soll der Kern einer neuen Tarifstruktur sein, mit der der neue Bäder-Chef Ole Bested Hensing das strukturelle Defizit der Anstalt öffentlichen Rechts senken will. 2,2 Millionen Euro zusätzlicher Erlös sind im noch nicht vom Aufsichtsrat genehmigten Wirtschaftsplan für 2014 über die neue Tarifstruktur vorgesehen, die wochentags die Besucherströme nach einem Basis- und einem Haupttarif besser verteilen soll.

Billiger werden könnte das Bad für die Berliner zwischen 11 und 14 Uhr, wenn viele Bäder eben leer sind. Auch Stammkunden, die sich langfristig an die Bäderbetriebe binden, sollen günstiger wegkommen. Mehr bezahlen müssten hingegen Gelegenheitsbader, die dann gehen, wenn alle gehen, nämlich nach Feierabend in den späten Nachmittagsstunden.

Hensing erntete große Kritik

Offiziell herrscht noch Stillschweigen bei den Bäderberieben zu den Plänen ihres neuen Chefs. Der Däne sah sich im Sommer heftiger Kritik ausgesetzt, als er ohne Rücksprache mit dem Kontrollgremium gegenüber der Presse über eine ganz neue Berliner Bäderlandschaft philosophiert hatte, mit fünf großen, attraktiven Kombi-Bädern mit Hallen- und Außenbereichen sowie Wellness-Angeboten. Im Gegenzug dazu wollte er jede dritte der 37 Schwimmhallen um die Ecke dicht machen. Sogleich meldeten Politiker aus dem Aufsichtsrat „große Bedenken“ an, CDU-Fraktionschef Florian Graf sagte, auch wenn es keine Denkverbote gebe, müsse man nicht „jede verrückte Idee“ mitmachen. Sein SPD-Kollege Raed Saleh erteilte der „umfassenden Schließung von Kiez-Bädern“ eine Absage.

Nun versucht Hensing eher auf die stille Tour, seinem Auftrag gerecht zu werden und die verstaubte Bäderlandschaft zu modernisieren. Denn eben dafür hatte Sportsenator Frank Henkel (CDU) als Aufsichtsratsvorsitzender den früheren Chef des Freizeitparks Tropical Islands in die Hauptstadt geholt.

Bäder brauchen Plus von zehn Prozent

Die durch die neue Tarifstruktur angestrebte Einnahmeerhöhung ist erheblich. Denn bisher nehmen die Bäderbetriebe nur 22 Millionen Euro pro Jahr wesentlich aus Eintrittsgeldern ein. 2,2 Millionen Euro mehr Erlös bedeuteten ein Plus von zehn Prozent. Aber damit will es der ambitionierte Skandinavier nicht bewenden lassen.

Weitere 3,2 Millionen Euro zusätzlicher Einnahmen erwarten die Bäderbetriebe aus längeren Öffnungszeiten, kürzeren wartungsbedingten Schließzeiten sowie durch Zuschläge für Freizeitbäder. Insgesamt sollen die Einnahmen ab 2014 um 5,4 Prozent steigern, das wären rund 25 Prozent mehr als bisher. In diesem Fall erwartet der landeseigene Betrieb für das kommende Jahr einen kleinen Gewinn von 400.000 Euro, wie Sportsenator Henkel jetzt dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses schrieb.

Der Grünen-Finanzexperte Jochen Esser ist bereit, sehr grundsätzlich über die Bäderstruktur in der Stadt zu sprechen. Es sei schon absurd, dass die viele Millionen Euro teure Sanierung der inzwischen meisten Bäder nicht dazu geführt habe, schwarze Zahlen zu erreichen und den Zuschussbedarf zu senken. Im Gegenteil. Wenn erst alle Bäder wieder am Netz seien, würden die Defizite sogar noch anwachsen.

Nußbaum rechnet mit sinkenden Umsätzen

Bisher geht Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) nach den Zahlen für das erste Halbjahr 2013 von sinkenden Umsätzen und einem Minus von mehr als 700.000 Euro für das laufende Jahr aus, geplant war ein Plus von 400.000. Die Erlöse aus dem Bäderbetrieb bleiben demnach um fast eine Million hinter den Erwartungen zurück. Inzwischen hat der heiße Sommer den Bädern aber doch noch mehr Gäste beschert, ein Minus werde es 2013 wohl nicht geben, hieß es. Aber die Abhängigkeit von der Witterung sei eben eines der Probleme, mit denen der kommunale Betrieb zu kämpfen habe.

Der Handlungsbedarf ist unabweisbar. Die Landespolitiker, die zuletzt die Zuschüsse für die Bäder um sechs Millionen Euro aufgestockt hatten, sind nicht bereit, mehr zu zahlen. „Mehr als 50 Millionen Euro gibt es nicht“, sagte der CDU-Sportpolitiker Peter Trapp. Man müsse auch mal ein paar neue Ideen reinbringen.

Weihnachtsmarkt im Strandbad Wannsee

Hensings Leute sind auch dabei, neue Einnahmequellen aufzutun. So soll im Strandbad Wannsee ein Weihnachtsmarkt veranstaltet werden, in Freibädern sollen künftig Camper ihr Zelt aufschlagen dürfen. Beliebte Bäder wie die Sprung- und Schwimmhalle an der Landsberger Allee oder das Stadtbad Mitte sollen länger geöffnet bleiben. Die Bäderbetriebe wollen Spiel- und Spaßbadetage veranstalten und Warmbade-Standorte mit 30 Grad warmem Wasser anbieten, für die die Badegäste einen Zuschlag entrichten sollen. Zudem soll das Kursangebot erweitert werden.

Aber spätestens beim letzten Punkt wird es wieder um die Struktur und die baulichen Zustände der Berliner Bäder gehen. Denn bisher können die Bäderbetriebe die hohe Nachfrage nach Kursen für Baby- oder Seniorenschwimmen eben nicht befriedigen, weil sich in vielen der betagten Schwimmhallen auch nach einer Sanierung die verschiedenen Becken nicht auf unterschiedliche Temperaturen aufheizen lassen. In Berlin fehlen nach Einschätzung des neuen Bäder-Chefs vor allem solche Standorte, an denen Hallen und Außenanlagen gemeinsam zu nutzen sind.

Andere Städte hätten solche Kombibäder errichtet und dafür auch alte Häuser abgerissen. Nun seien sie unabhängiger vom sommerlichen Saisongeschäft. Ole Bested Hensing muss nun zunächst am Donnerstag die Politiker im Beteiligungsausschuss des Landesparlaments und im November seinen Aufsichtsrat überzeugen, dass vielleicht doch hier und dort eine alte Schwimmhalle geschlossen werden muss, um andere ausbauen und modernisieren zu können.