Neues Konzept

Schließung von Berliner Bädern und Schwimmhallen gestoppt

Der neue Chef der Berliner Bäderbetriebe hat im August für Unruhe bei Schwimmvereinen gesorgt - mit dem Vorschlägen zur Schließung von Schwimmhallen und Sommerbädern. Nun sollen sie erhalten bleiben.

Foto: Matthias Balk / dpa

Der Vorschlag der Berliner Bäderbetriebe, im Rahmen ihres Zukunftskonzeptes Schwimmhallen zu schließen, ist vom Tisch. „Davon war und ist nicht die Rede“, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Freitag nach der Sitzung des Aufsichtsrates. Henkel ist Chef des Aufsichtsrats. Bei dem Treffen hatte Ole Bested Hensing, der Vorsitzende der Bäderbetriebe, das neue Konzept vorgestellt. „Wir haben es zur Kenntnis genommen und Hinweise gegeben, die eingearbeitet werden“, sagte Henkel. Der Vorstand der Bäderbetriebe sei beauftragt worden, das Papier in Abstimmung mit der Senatsverwaltung weiterzuentwickeln und dann erneut vorzulegen. „Das wird vier Monate in Anspruch nehmen.“ In dieser Zeit werden sich auch das Abgeordnetenhaus und der Wirtschaftsausschuss der Bäderbetriebe damit beschäftigen.

Im August hatten die Vorschläge von Bested Hensing für große Unruhe bei Schwimmvereinen und Politikern gesorgt. Er hatte bei einem Ortstermin mitgeteilt, dass fünf große, attraktive Standorte in Berlin vorgesehen seien. Sie sollen kombinierte Sommer- und Hallenbäder sein, mit Wellness-Angeboten und Gastronomie. Im Gegenzug sei beabsichtigt, 14 Schwimmhallen und Sommerbäder aufzugeben, weil sie dringend saniert werden müssten und der Betrieb zu teuer ist. Die Kosten für die neuen Standorte bezifferte Bested Hensing mit jeweils 18 bis 35 Millionen Euro. Mit diesem Konzept will Bested Hensing die Wirtschaftlichkeit der Bäderbetriebe erhöhen. Die jährlichen Verluste ließen sich um bis zu 15 Millionen Euro verringern, sagte er im August. Die Auslastung könne steigen.

Henkel: „Das geht auch anders“

„Wir haben den Vorstand ausdrücklich ermuntert querzudenken“, sagte Henkel am Freitag. „Aber die Bäderbetriebe sind ein Unternehmen der Daseinsvorsorge.“ Man müsse nicht Bäder schließen, um die Attraktivität an anderen Standorten zu erhöhen. „Das geht auch anders, mit Überlegungen zu einer Strukturreform. Das ist das erklärte Ziel.“ Die Versorgung der Berliner mit öffentlichen Bädern solle langfristig sichergestellt werden, sagte Henkel. „Das Ziel ist nicht nur, ein attraktives Angebot für die Berliner Bevölkerung zu machen, sondern vor allem, die Bedingungen für den Schwimmunterricht der Schulen, für Wettkämpfe und für Vereinsschwimmen nachhaltig zu sichern und zu verbessern.“

Als einer der fünf künftigen großen Standorte, die Bested Hensing vorschlägt, könnte auch der Tierpark in Friedrichsfelde infrage kommen. Dabei sollen Synergien genutzt werden, weil die Abläufe für ein Freizeitbad von der Kasse bis zur Reinigung ähnlich sind wie im Tierpark. Diese Idee sei „sehr charmant“, sagte Innensenator Henkel. „Die Frage ist, ob man sie umsetzen kann.“

Das neue Papier der Bäderbetriebe solle auch eine Fortschreibung des Konzeptes von 2008 sein, sagte Henkel. Vor fünf Jahren hatte der Senat beschlossen, 50 Millionen Euro für die Sanierung von Bädern zur Verfügung zu stellen. Schwerpunkt sollte sein, alle 37 städtischen Schwimmhallen zu erhalten.

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