Pro und Contra

Was für und was gegen Pfand-Boxen in Berliner Parks spricht

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Sabine Flatau

Foto: KRAUTHOEFER

In Charlottenburg-Wilmersdorf stehen nun Sammelkisten für Getränkeflaschen. Sie sollen Pfandsammler schützen und Müll vermeiden. Doch es gibt Bedenken. Ein Pro und ein Contra.

Im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf werden Sammelkisten für Pfandflaschen in bezirkseigenen Parks und Grünanlagen aufgestellt. Der erste Behälter ist am Mittwoch im Volkspark Wilmersdorf am Fennsee montiert worden.

Nicht direkt an Abfallkörben, aber in unmittelbarer Nähe. Die Sammelkisten stehen auf hölzernen Stützpfählen und sind fest montiert.

Außer im Volkspark sollen auch an der Schillerwiese im Lietzenseepark solche Boxen aufgestellt werden. Die Behälter sind von Ein-Euro-Jobbern angefertigt worden. Die BVV hatte das Projekt in Auftrag gegeben. Bezirksamt, Jobcenter und die gemeinnützige Gesellschaft Trias haben es realisiert.

Pro

Das Bild gehört schon zum Berliner Alltag: Bedürftige, die in Abfallkörben wühlen und Flaschen heraussuchen, die andere weggeworfen haben. Um mit dem Pfandgeld ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Das ist entwürdigend und gefährlich – meinen die Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Auf ihre Initiative hin werden in den kommenden Wochen 20 Sammelkisten für Pfandflaschen in bezirkseigenen Parks und Grünanlagen aufgestellt. „Die Behälter dienen dem Schutz der Pfandsammler, die die Flaschen nicht mehr in Mülleimern suchen müssen, ohne zu sehen, wohin sie greifen“, sagte Ansgar Gusy von der Grünen-Fraktion in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Zudem helfe das Projekt, Müll zu vermeiden und Pfandflaschen wiederzuverwenden. „Oft werden Flaschen neben Papierkörben abgestellt, kippen um und rollen weg“, so Alexander Kaas Elias, Grünen-Fraktionschef in der BVV. „Das kann man auf diese Weise auch verhindern.“

Die Sammelkisten für Pfandflaschen stehen neben Papierkörben. „Für dieses Modellprojekt haben wir Papierkörbe von zwei unserer Grünanlagen zur Verfügung gestellt“, sagte Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Die Papierkörbe der Berliner Stadtreinigung durften wir nicht benutzen.“ Die BSR sehe große Risiken bei solchen Sammelbehältern und habe ähnliche Ideen bisher immer abgelehnt. Das Projekt, das gemeinsam mit der gemeinnützigen Gesellschaft Trias realisiert wird, soll diese Bedenken ausräumen. Mit den Sammelboxen will das Amt auch deutlich machen, dass die Flaschen nicht wertloser Abfall sind, sondern wiederverwendet werden und dadurch wertvolle Ressourcen schützen.

Sammelboxen werden vorerst sechs Monate lang getestet

Auch Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) unterstützt das Vorhaben. „Bisher greifen die Menschen in die Mülleimer, um an die Pfandflaschen zu kommen. Aus humanitärer und hygienischer Sicht ist es besser, wenn die Flaschen gesondert gesammelt werden“, so der Stadtrat. „Und zwar da, wo ohnehin schon Müllbehälter sind.“ Er hoffe, dass sich das Projekt bewährt. „Wir wollten etwas Einfaches und Zweckmäßiges“, sagte der Stadtrat. „Nichts, was teuer oder ästhetisch anspruchsvoll ist.“ Dies sei mit Ein-Euro-Jobbern und einer gemeinnützigen Gesellschaft als Träger der Maßnahme gelungen. Neben dem installierten Probeexemplar gebe es bereits eine zweite Version des Sammelbehälters mit Metallrahmen, sagte Engelmann. „Sie ist etwas stabiler.“

Das Projekt ist ein Modellvorhaben und zunächst für sechs Monate angelegt. Damit die Parkbesucher auch wissen, warum die neuen Behälter aufgestellt werden, bekommen sie Hinweise und Handzettel von den Ein-Euro-Jobbern. Diese Beschäftigten werden außerdem beobachten, wie sich die Sammelbehälter füllen und leeren, und dazu einen Bericht anfertigen. Im Frühjahr 2014 sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Etwa 500 Euro an Materialkosten sind entstanden. Das Geld wird vom Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks zur Verfügung gestellt.

Contra

Die neuen Sammelbehälter für Pfandflaschen sind in den Berliner Bezirken umstritten. Zu den Skeptikern gehört Pankows Stadtrat für Bürgerservice, Torsten Kühne (CDU). Er sieht mehr Gefahren als Vorteile. Die erste: dass die Vermüllung im Umfeld der Behälter zunimmt. „Wenn Flaschen nicht mehr in die Kiste passen, stellt man sie daneben. Glasflaschen fallen vielleicht runter. Dann liegen Scherben umher.“

Auch aus Sicherheitsgründen hält Kühne das Projekt für riskant. „Flaschen sind nun mal gute Wurfgeschosse“, so der Stadtrat. „Die Vorstellung, dass so eine Kiste im Mauerpark steht, erfreut mich nicht.“ Dann sei es noch einfacher, bei Auseinandersetzungen die griffbereiten Flaschen zu benutzen. Außerdem sei die Frage: „Wollen es denn die Betreffenden selbst?“ Denn in die Kiste könnten auch andere greifen, um zum Automaten zu gehen und Pfand zu kassieren. „Und die, die wirklich bedürftig sind, gehen leer aus“, so Kühne.

BSR befürchtet zunehmende Vermüllung

Ähnliche Bedenken gibt es auch bei der Berliner Stadtreinigung. „Wir sehen gewisse Probleme für solche Sammelbehälter im öffentlichen Straßenland“, sagte BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Man befürchte zunehmende Vermüllung. Es sei auch zu befürchten, dass sich nicht nur Bedürftige die Pfandflaschen nehmen, sondern auch andere, die von den Behältern wissen, argumentiert sie ähnlich wie Kühne. „Aber wir wissen es nicht, bevor wir es nicht getestet haben.“ Deshalb sei das Unternehmen zur Kooperation mit interessierten Bezirken bereit. „Wir würden ein Pilotprojekt in einem Bezirk starten, aber nicht im Herbst oder Winter“, so die Sprecherin. „Wenn es kalt ist, werden Getränke nur noch selten draußen konsumiert, weil jeder schnell nach Hause will.“ Es solle ein Test sein in einem räumlich begrenzten Gebiet und nur für eine bestimmte Zeit. „Aber dann im Frühjahr und über den Sommer, wenn sich wirklich viele Leute im Freien aufhalten.“ Das Projekt solle vernünftig aufgelegt und wissenschaftlich begleitet werden. Diese Kriterien werden in Wilmersdorf nicht erfüllt. Man müsse sich auch überlegen, welche Sammelbehälter infrage kommen. Sie sollten an den Papierkörben befestigt werden, doch diese müssten auch noch leicht zu entleeren sein. „Das gibt es nicht von der Stange.“

Martin Lambert (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Ordnung, sieht noch ein weiteres Problem. „Es darf nicht dazu kommen, dass an solchen Flaschenbehältern auch andere Sachen abgelagert werden, um den Bedürftigen etwas Gutes zu tun. Manche halten das vielleicht für eine Sammelstelle, an der man auch einen Teppich oder einen Kühlschrank abstellen kann, wenn man ihn nicht mehr braucht.“ Für seinen Bezirk kommen solche Sammelbehälter nur unter einer Voraussetzung infrage. „Wir brauchen eine klare Aussage der Berliner Stadtreinigung, dass sie notfalls den Kühlschrank oder den Teppich abtransportiert.“ Doch dies könne nur im Rahmen eines Pilotprojekts geschehen, so BSR-Sprecherin Sabine Thümler. „Wenn wir feststellen, dass das Müllsammelstellen werden, dann machen wir es nicht. Das kann niemand bezahlen.“