Der Brandanschlag auf die 45 Jahre alte Ulla N. in der Nacht zu Sonntag war nicht die Folge eines Streits, der plötzlich eskaliert ist. Der Freund der Waldorf-Lehrerin ist vielmehr überaus heimtückisch vorgegangen. Denn Anlass für seine Tat in Charlottenburg war Eifersucht. Der 51 Jahre alte Jorge Q. hat gestanden, die Frau im Schlaf mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und danach angezündet zu haben. Das hätten die ersten Vernehmungen ergeben, sagte am Montag der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Es hieß, Täter und Opfer hätten unterschiedliche Vorstellungen von der Beziehung gehabt.
Der 51-Jährige hatte sich wenige Stunden nach dem folgenschweren Brand in der Haubachstraße am Sonntagmorgen der Polizei gestellt. Gegen den IT-Spezialist, der seit Jahren eine Fernbeziehung mit Ulla N. hatte, einem Richter vorgeführt werden. Der Tatvorwurf gegen den 51-Jährigen lautet auf Mord.
Der in München wohnhafte Jorge Q., ein italienischer Staatsbürger kubanischer Herkunft, war nach Informationen der Berliner Morgenpost an diesem Wochenende nicht wie sonst üblich zum Besuch bei seiner Freundin angereist. Er hatte sich einen Wohnungsschlüssel besorgt, war nach Mitternacht unangekündigt in den Seitenflügel des Mietshauses geschlichen und hatte sich dann Zugang zur Wohnung verschafft. Dort überschüttete der 51-Jährige seine offenbar völlig arglose Lebensgefährtin mit größeren Mengen eines Brandbeschleunigers. Mit einem Feuerzeug vollendete Jorge Q. dann die grausame Tat.
Schutzbehauptung des Täters
Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage des Tatverdächtigen, er habe die Frau entstellen, aber nicht töten wollen, als reine Schutzbehauptung. Die Ermittlungen der Mordkommission dauern trotz des Geständnisses weiter an. Wie diese Zeitung aus Ermittlerkreisen erfuhr, schwebte der 45-Jährigen eine offenere Beziehung vor als dem 51-Jährigen. Jorge Q. wollte die 45-jährige Frau ganz für sich allein haben. Alles andere konnte der 51-Jährige offenbar nicht akzeptieren. Diese offensichtliche Diskrepanz in den Vorstellungen dürfte Ulla N. schließlich das Leben gekostet haben.
Die Waldorf-Lehrerin hatte vermutlich keine Chance, das Attentat zu überleben. Am ganzen Körper brennend und laut schreiend rannte sie gegen 2 Uhr morgens in Panik aus der Wohnung in das Treppenhaus, erreichte aber vom dritten Obergeschoss kommend den Ausgang nicht mehr, sondern brach kurz zuvor auf dem Treppenabsatz im Hochparterre zusammen. Auch der verzweifelte Versuch des Nachbarn Dusko Momic, die Flammen mit einer Decke zu ersticken, war vergebens. Dem 51-jährigen Jorge Q. gelang inmitten des herrschenden Chaos aus Flammen und Rauch die Flucht.
„Hilfe, Hilfe, ich brenne“
Die Bewohner im Kiez rund um die Haubachstraße beschäftigt der brutale Mord an einer Frau durch ihren Lebensgefährten. Man kannte sich vom Sehen, grüßte einander. Die Ereignisse sind Thema in den kleinen Geschäften an der Wilmersdorfer Straße. Auch Marina Momic hat mit den grausigen Ereignissen aus der Tatnacht zu kämpfen. Die 20 Jahre alte Friseurin wohnt in einem kleinen Zimmer bei ihrem Vater direkt unter der Wohnung, in der in der Nacht zum Sonntag das grausame Verbrechen geschah.
„Ich bin gerade nach Hause gekommen und wollte mich in mein Bett legen, als ich das Getrampel aus der Wohnung über mir gehört habe“, sagt die junge Frau. Gedanken habe sie sich anfangs nicht gemacht, etwas später aber über den Lärm gewundert. „Sonst war es total ruhig in der Wohnung über mir“, berichtet die junge Frau. Wenig später habe jemand im Hausflur um Hilfe gerufen.
„‚Hilfe, Hilfe, ich brenne’, hatte ich gehört, und im Hausflur wurde es immer lauter “, sagt Marina Momic. Die Frauenstimme habe sich auch so angehört, als sei die um Hilfe rufende Person von jemanden gejagt worden. Aus Angst die Tür selber zu öffnen, um so nach dem Rechten zu sehen, habe sie ihren Vater mit den Worten „Papa, hier wird jemand ermordet“ geweckt. Der sei dann sofort in den Hausflur gerannt, sie hinterher. „Ich hatte fürchterliche Angst. Und dann noch dieses Bild, wie die Frau die letzten Stufen im Treppenhaus hinunter gestürzt ist“, sagt die Friseuse. „Eine brennende Fackel, der Kopf ohne Haare. Die sonst so groß wirkende Frau kam mir vor wie ein kleines Kind.“ Ein Bild, das sie nicht verdrängen kann.
„Gefühlte Ewigkeit“ bis zur Feuerwehr
Ihr Vater hatte ihr noch zugerufen, schnell eine Decke zu holen. Doch auch das hatte nicht geholfen. Vor ihren Augen ist die Frau zusammengebrochen und verbrannt. In voller Panik sei sie anschließend aus dem Haus raus auf die Straße gerannt und habe geschrien. Zurück konnte sie nicht, denn der Qualm aus der Brandwohnung hatte sich bereits im gesamten Hausflur ausgebreitet. An mehr könne sie sich nicht erinnern, nur dass dann nach einer „gefühlten Ewigkeit“ die Feuerwehr gekommen sei.
„Die letzten zwei Nächte habe ich auch nicht zu Hause geschlafen, das verkrafte ich nach diesem Erlebnis nicht“, sagt sie weiter. Zudem sei ihr Zimmer in der Wohnung durch das Löschwasser derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es von Grund auf saniert werden muss. „Die Tapeten haben sich von der Decke und den Wänden gelöst“, sagt sie. „Die Matratze ist durchnässt und die Kleider im Schrank sind pitschnass.“
Vor wenigen Tagen hatten sich Marina und Dusko Momic mit Ulla N. vor dem Haus unterhalten. Da ahnte niemand etwas von der bevorstehenden Tat.





