Mitten in der Nacht wird Dusko Momic von seiner Tochter geweckt. Sie hatte gehört, wie sich zwei Menschen in der Wohnung über ihnen gestritten hatten. Es war sehr laut geworden. Der Vater sollte nach dem Rechten sehen. Als Dusko Momic vor der Tür seiner Nachbarin steht, hörte er zunächst nichts. Er will gerade wieder zurück in seine Wohnung gehen, als plötzlich die Tür aufgerissen wird.
Der 63-Jährige sieht etwas, das er vermutlich sein Leben lang nicht mehr vergessen wird.
„Plötzlich kam eine lebende Fackel die Treppe hinuntergestürzt. Sie schrie ganz entsetzlich. Und die Flammen schlugen zwei Meter hoch gegen die Decke. Ich konnte die Person gar nicht erkennen, so sehr brannte sie“, erinnert sich der 63-Jährige am Sonntagmittag an das schreckliche Szenario. Der brennende Körper sei auf den letzten Stufen noch gestürzt, bis zum darunter liegenden Treppenabsatz. Dusko Momic habe noch versucht, die Frau zu retten, er habe eine Decke geholt und diese über die Frau geworfen. Doch auch diese sei innerhalb kürzester Zeit verbrannt.
Opfer führte eine Fernbeziehung
Was sich vor den Augen des 63-Jährigen abgespielt hat, ist ein Verbrechen, das an Grausamkeit kaum zu überbieten ist: Eine 45 alte Frau ist in der Nacht zu Sonntag in einem Mehrfamilienhaus in Charlottenburg qualvoll verbrannt – angezündet von ihrem Lebensgefährten, bei lebendigem Leib. Vermutlich hatte der Mann die Lehrerin zuvor mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen. Die Frau war nach Angaben eines Nachbarn lichterloh brennend aus ihrer Wohnung im dritten Stock in der Haubachstraße geflüchtet und starb schließlich auf dem Treppenabsatz des ersten Stocks. Nachbarn hatten noch vergeblich versucht, die Flammen zu ersticken.
Die am Vormittag durchgeführte Obduktion durch Gerichtsmediziner ergab eindeutig, dass die Brandverletzungen zum Tod der 45-Jährigen geführt hatten. Die polizeilichen Ermittlungen wurden noch in der Nacht von der 2. Mordkommission übernommen. Bereits drei Stunden später meldete sich ein Tatverdächtiger freiwillig auf einem nahe gelegenen Polizeiabschnitt – der Lebensgefährte der Lehrerin.
Nachbarn berichten von Streit
Nach bisherigen Erkenntnissen hatten Anwohner kurz vor zwei Uhr die Polizei und die Feuerwehr gerufen. Als die Einsatzkräfte eintrafen, fanden sie die 45 Jahre alte Frau leblos vor. Die Feuerwehr konnte den Brand, der bereits das gesamte 25 Quadratmeter große Wohnzimmer im dritten Stock erfasst hatte, schnell löschen und verhindern, dass er sich weiter ausbreitete. Im oberen Teil des Treppenhauses kam es zu einer starken Rauchentwicklung. Ein Mitbewohner der dritten Etage konnte mit einem Drehleiterwagen der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Zwei weitere Hausbewohner erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden nach einer Erstbehandlung durch einen Notarzt in ein Krankenhaus gebracht.
Nachbarn des Altbauhauses berichteten am Sonntag von einem vorangegangenen nächtlichen Streit. Sie erzählen, dass das Opfer, das seit zehn Jahren in dem Haus an der Haubachstraße gewohnt hatte, offenbar bereits seit mehreren Jahren in einer Beziehung mit einem italienischen Staatsbürger kubanischer Herkunft gestanden hatte. Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei der 45-Jährigen um die Waldorf-Lehrerin Ulla N. Ihr Lebensgefährte soll nach Aussagen von Nachbar Dusko Momic ein IT-Spezialist aus München sein, der mit dem Opfer in der 70 Quadratmeter großen Wohnung gemeinsam gelebt hatte. Der Mann sei jedoch nur jedes zweite Wochenende nach Charlottenburg gekommen, um seine Freundin zu sehen. Kinder hatte das Paar vermutlich nicht.
51-Jähriger gesteht
Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, ist der mutmaßliche Täter nur wenige Stunden nach dem entsetzlichen Geschehen selbst zur Polizei gegangen. „Ein 51-Jähriger hat sich am Sonntagmorgen zur Polizeiwache begeben und sich gestellt. Er erklärte, die Frau getötet zu haben“, sagte ein Polizeisprecher. Der 51-jährige Mann wurde festgenommen. In einer Vernehmung durch Kriminalbeamte der Mordkommission hat der Tatverdächtige ein Geständnis abgelegt. Zu Einzelheiten über den Tathergang und die Hintergründe des Verbrechens machte die Polizei keine weiteren Angaben. Die Ermittlungen würden noch andauern. Der Tatverdächtige sollte laut Polizei entweder noch am Sonntagabend oder am Montag einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden. Es scheint jedoch festzustehen, dass es sich um eine Beziehungstat handeln dürfte. Ungeklärt ist indes noch, ob der 51-Jährige seine Lebensgefährtin in Mordabsicht tatsächlich mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen hat oder ob dies im Affekt geschehen ist.
Die Ergebnisse der weiteren Ermittlungen werden zeigen, ob sich der Lebensgefährte vor Gericht wegen schwerer Brandstiftung mit Todesfolge verantworten muss oder wegen Mordes.





