Die Berliner Charité ist am Montag für ihren Einsatz in der Organspende ausgezeichnet worden. Die Charité habe im vergangenen Jahr entgegen dem Bundestrend die Zahl der Transplantationen gesteigert, sagte der zuständige Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Detlef Bösebeck. 2012 entnahmen die Mediziner in den drei Transplantationszentren der Universitätsklinik 26 Organspenden, im Jahr zuvor waren es 22. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und die DSO ehrten Deutschland größtes Universitätsklinikum mit einer Skulptur.

Einer der Gründe für den positiven Trend sei, dass die Ablehnungsrate in der Charité niedriger war, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. „Offensichtlich haben es unsere Mitarbeiter geschafft, besonders einfühlsam mit Angehörigen zu sprechen und die richtigen Fragen zu stellen“, ergänzte er. Oft lehnten Angehörige eine Organentnahme nur aus Verunsicherung ab. Hier helfe es, sie richtig aufzuklären. Nach bekannt gewordenen Manipulationsvorwürfen waren Ärzte an verschiedenen Kliniken in Verruf geraten.

Charité fordert mehr Transparenz bei Vergabeverfahren

In Deutschland brauchen mehr als 11.000 Menschen dringend ein Organ, die Zahl der Spender ist allerdings rückläufig. Detlef Bösebeck machte dafür auch die Manipulationen von Wartelisten für Organspenden verantwortlich. Nach Skandalen an verschiedenen Kliniken sei die Zahl der Transplantationen um 20 Prozent zurückgegangen. Auch Ulrich Frei kritisierte den Zustand. „Nierenpatienten warten jetzt fast zehn Jahre auf eine Niere. Leberpatienten warten nicht so lange, die sterben einfach.“

Noch vor zwei Jahren sei die Organverteilung überhaupt kein „Problemthema“ gewesen. Frei forderte mehr Transparenz bei den Vergabeverfahren. „Nur so finden wir den Weg zurück zum Vertrauen“. Auch wenn die Charité im vergangenen Jahr mehr Spender gefunden hat, ist in Berlin die Zahl der Organspenden insgesamt rückläufig. Bekamen 2010 kranke Patienten noch 221 Nieren, Herzen, Lungen und andere Organe, waren es 2012 nur noch 176 Organe. Im ersten Halbjahr 2013 registrierte die DSO für Berlin 82 entnommene und transplantierte Organe.

dpa/ap