Verwaltungen

Berliner Senat sucht Nachwuchs nun mit Karriereportal

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Christina Brüning

Foto: Jens Kalaene / dpa

Die Bewerberzahlen im öffentlichen Dienst gehen in Berlin deutlich zurück. Ein neues Online-Karriereportal soll nun helfen, vor allem junge Menschen für eine Ausbildung in der Verwaltung zu gewinnen.

Ausbildungsplätze beim Land Berlin sind schwer zu finden. Nicht, weil es so wenig davon gäbe. Doch im Internet, wo sich vermutlich inzwischen jeder Schüler zuerst auf die Suche nach einer Berufsperspektive macht, sind qualifizierte Informationen über Berlin als Arbeitgeber bislang Mangelware. Senatsverwaltungen, Behörden und Bezirke verstecken ihre Jobangebote häufig irgendwo auf ihren Internetseiten. Wird man fündig, werden in vielen Fällen Merkblätter als PDF zum Download angeboten.

Gegen diese veraltete Bewerbersuche soll jetzt angegangen werden. Das Jobangebot, die Werbung für das Land Berlin als Arbeitgeber sollen sich ändern. Was Bremen, Niedersachsen oder Hamburg bereits tun, will Berlin jetzt auch. Mitte Oktober soll erstmals ein Karriereportal online gehen, mit dem Berlin aktiv um Nachwuchskräfte werben will. Das ist nicht in erster Linie ein Zeichen dafür, wie modern die Berliner Verwaltung ist. Sondern vor allem ein Zeichen drohender Personalnot.

Die Zahlen sind deutlich: Jeder fünfte Landesbedienstete geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand, 20.000 Arbeitskräfte sind das. Nach Jahren des Stellenabbaus versucht die Regierungskoalition aktuell, gerade noch das Ruder herumzureißen, um die angepeilte Marke von 100.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst nicht bald deutlich zu unterschreiten. Eine Ausbildungsoffensive wurde angekündigt.

Verwaltung droht auszubluten

Doch es reicht schon lange nicht mehr, Ausbildungsplätze einfach bereitzustellen, in Zeiten des demografischen Wandels müssen diese offensiv vermarktet werden. Denn die Bewerberzahlen gehen bereits deutlich zurück. Sogar die Berliner Polizei, bisher eine Behörde ohne Nachwuchssorgen, meldete in diesem Jahr einen Bewerberrückgang von bis zu 35 Prozent. Gewerkschaftsvertreter mahnen bereits lange, Berlin müsse mehr für die Nachwuchswerbung tun, sonst drohe die Verwaltung langsam auszubluten.

„Viele Leute denken immer noch, in den Behörden gibt es keine Jobs“, sagt Andrea Orhan von der Einstellungs- und Ausbildungsbehörde der Innenverwaltung, bei der das Projekt federführend betreut wird. Auf Ausbildungsbörsen müsse sie Schülern immer wieder erklären, wie begehrt ihre Bewerbung beim Land Berlin sei.

Orhan hat die vergangenen eineinhalb Jahre daran mitgearbeitet, dass am 16. Oktober das neue Karriereportal offiziell vorgestellt werden kann, zunächst in einer ersten Rohversion. „Wir werden das Portal nach und nach weiter ausbauen, aber der Bedarf ist gerade so groß, dass wir mit einer ersten, einfachen Version jetzt schon starten wollen.“

Behörden sollen zielgruppengerecht werben

Erstmals sollen alle Verwaltungen, alle Behörden und Bezirke übersichtlich unter einer Adresse im Internet ihre Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten für Schüler und Studienabsolventen beschreiben. „Zielgruppengerecht“, sagt Orhan. Das Karriereportal soll später jedoch nicht nur für Nachwuchskräfte, sondern auch um alle anderen Stellenangebote – auch für Berufserfahrene – erweitert werden. Das neue IT-gestützte Bewerbungs- und Einstellungsmanagement soll für alle Behörden standardisiert und einheitlich sein.

Als zweiten Schritt plant die Innenverwaltung, auf dem Karriereportal die Stellenangebote nicht nur auszuschreiben, auch die Bewerbungen sollen künftig gleich online geschrieben werden können. Anstatt Bewerbungsmappen einzuschicken, sollen die Interessenten künftig einen digitalen Bewerbungsbogen ausfüllen und ihre Zeugnisse in digitaler Form hochladen.

Die papierlose Bewerbung, in der Wirtschaftswelt bereits seit einigen Jahren etabliert, soll den Arbeitsaufwand verringern. Nicht nur für die Bewerber, auch für die Behördenseite. Mit einem einheitlichen Computersystem für Bewerbungen falle die Auswertung leichter, es könnten Gewichtungen vorgenommen und Termine besser gemanagt werden, erklärt Orhan. Ein erster Test der Online-Bewerbung bei einigen Behörden hat laut Innenverwaltung eine Zeitersparnis von bis zu 50 Prozent ergeben. So soll auch dem Senatsauftrag Rechnung getragen werden, die Arbeit der Verwaltung effizienter zu machen.

Eignungstest online

Ebenfalls seit 2012 wird ein weiterer Baustein des Karriereportals erprobt. In der Innenverwaltung und beim Bezirksamt Neukölln werden seit Herbst 2012 die Bewerbungen der potenziellen Auszubildenden nicht mehr nach Schulnoten ausgewertet, weil diese allein zu wenig aussagekräftig seien. „Wesentlich besser geeignet sind Eignungstests“, sagt Joachim Eckert, Projektleiter des Karriereportals. Die ersten Erfahrungen damit seien so gut, dass das Projekt im Herbst ausgeweitet werde. Die erste Stufe des Eignungstests soll künftig online absolviert werden. Erreicht ein Bewerber eine bestimmte Punktzahl, wird er zu einem schriftlichen Test unter Aufsicht eingeladen, danach zum Vorstellungsgespräch.

Das neue Karriereportal soll an die Internetseite Berlin.de angedockt werden. „Die neue Visitenkarte soll das Interesse am Land Berlin als Arbeitgeber steigern“, sagt Eckert. Bis Ende 2016 soll das Projekt „E-Recruiting“ abgeschlossen und der Internetauftritt mit allen Funktionen fertig sein. 500.000 Euro hat Innensenator Frank Henkel (CDU) im Haushalt jeweils für die kommenden Jahre für das Projekt angemeldet.