60. Geburtstag

Hut ab und Glückauf für den Regierenden von Berlin

300 Gäste kamen zum Empfang der SPD-Fraktion und gratulierten Klaus Wowereit zu seinem 60. Geburtstag. Sigmar Gabriel und Raed Saleh würdigten die Verdienste des Regierenden Bürgermeisters.

Wie begeht man seinen 60. Geburtstag? Viele flüchten in den Urlaub, andere feiern beschaulich im kleinen Kreis engster Freunde. Beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit sah das am Dienstag so aus: Um Mitternacht erste Geschenke auspacken, Live-Interview im Radio um 6.40 Uhr, Besprechung mit den SPD-Senatoren um 8.30 Uhr, Senatssitzung um zehn, anschließend Verleihung des Verdienstordens an 15 Berliner. Um 14 Uhr, gewissermaßen zur Erholung, dann ein Empfang mit mehr als 300 Gästen im Abgeordnetenhaus, ausgerichtet von der SPD-Fraktion des Landesparlaments.

Im Festsaal des Preußischen Landtags kam eine machtvolle Repräsentanz dessen zusammen, was in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur dieser Stadt Rang und Namen hat – von Staatsopern-Intendant Jürgen Flimm bis zu den Chefs von BVG und Flughafen, Sigrid Nikutta und Hartmut Mehdorn. Vom Charité-Vorstandsvorsitzenden Karl Max Einhäupl bis zu Andreas Nachama, dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors. Die Senatoren waren da, natürlich, und viel SPD-Prominenz, allen voran Parteivorsitzender Sigmar Gabriel und Urgestein Egon Bahr.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte in seiner Ansprache, Wowereit habe Mut bewiesen und nach seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren einen Mentalitätswechsel in der Stadt eingeleitet. Er könne harte Einschnitte mit Charme vermitteln. Heute sei er der erfolgreichste amtierende Spitzenpolitiker der SPD in Deutschland. Saleh fuhr fort: „Wir sind stolz auf Dich. Die SPD-Fraktion ist stolz auf zwölf Jahre Regierungsverantwortung mit ihrem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.“ Er schenkte dem Jubilar einen blaue Melone. „Er hat in Berlin den Hut auf“, sagte Saleh dazu.

Für Sigmar Gabriel verkörpert der Regierende Bürgermeister die erste gesamtdeutsche Generation nach der Wende: „Du hast der Stadt ein neues Gesicht und ein ganz neues Bewusstsein gegeben.“ Wowereits „persönliche Erfolgsgeschichte“ habe viel damit zu tun, dass er lange Jahre als Kommunalpolitiker gearbeitet habe. „Dass Du die Stadt nicht nur von oben, sondern auch von unten, von den Kiezen, von der Straße beurteilen kannst. Diesen Blick auf den Lebensalltag der Berliner hast Du nie verloren. Das ist der eigentliche Grund für Deinen Erfolg“, betonte Gabriel.

Als „große Leistungen von Klaus“ hob der SPD-Chef auch den Mut des SPD-Regierungschefs hervor, 2001 gerade in Berlin das politische Experiment des Regierens mit der PDS gewagt zu haben. Damit habe Wowereit „für ganz Deutschland die ganz tiefen ideologischen Grabenkämpfe eingeebnet“.

Gabriel rühmte Wowereits Erfolge bei der Haushaltssanierung und sein Verhandlungsgeschick. Mit Blick auf die anstehenden Sondierungsgespräche mit der Union sagte er schmunzelnd, ob er nicht besser Wowereit in die Verhandlungskommission berufen hätte. „Du kannst hart verhandeln und dann alles mit Deinem Charme übertünchen. Eigentlich, Klaus, müsstest Du die Verhandlungen mit Angela Merkel führen. Aber ich will Dir ja nichts Böses. Du hast heute Geburtstag.“

Der Jubilar bekannte freimütig, er finde es schön, einmal so viel Gutes über sich und seine Arbeit zu hören. Er freue sich über die lobenden Reden und habe alle aufgezeichnet. „Die werden die Redner jetzt nicht mehr los.“ Er freue sich auch darauf, dass er künftig immer Post vom Seniorenamt seines Bezirks bekomme, sagte Wowereit. „Und die AG 60 plus in der SPD kann sich schon mal warm anziehen.“ Zum Schluss gönnte sich der Regierende Bürgermeister noch einen Wunsch: „Dass wir gemeinsam ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung aller Lebensentwürfe schaffen und dass wir lernen, stolz zu sein auf unsere Stadt und das, was wir gemeinsam erreicht haben.“