Raed Saleh lässt nicht locker. Obwohl dem SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus nach seiner Forderung für eine Kita-Pflicht für alle Dreijährigen eine Welle der Kritik entgegenschlug, verfolgt der Sozialdemokrat sein Ziel weiter, eine verbindliche vorschulische Bildung in der Stadt zu etablieren.

Seit Wochen wirbt er bei Elternvertretern, Kita-Trägern und Erziehungsexperten für seine Vorstellungen. Im Arbeitskreis Bildung der SPD-Fraktion bekommt der Vorsitzende bereits Unterstützung, die Fachpolitiker arbeiten an einem Konzept, das sie dem Koalitionspartner CDU vorlegen können.

Union will verpflichtende Sprachtests

Auch die Union hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, Kinder mit Sprach- oder Entwicklungsdefiziten schon vor der offiziellen Schulpflicht verbindlich in die Kitas zu holen. Die SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres ist der Ansicht, dass mit der Einladung zu verpflichtenden Sprachtests ein Jahr vor Einschulung und der bei Bedarf ebenfalls verpflichtenden Förderung ohnehin so etwas wie eine Kita-Pflicht bestehe.

Um die Diskussion über die engen politischen Zirkel hinaus zu weiten, hat Saleh für den 23. Oktober Fachleute, Verbände, Politiker und Praktiker zu einer Dialogveranstaltung in das Berliner Abgeordnetenhaus geladen. Ziel ist es laut Einladungstext, einen „Konsens in der Berliner Kita-Politik gemeinsam zu erarbeiten“. Es gehe darum „durch bessere Instrumente dafür Sorge zu tragen, dass alle Kinder die Kita besuchen“.

„Wir legen unseren Kita-Dialog langfristig an und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen“, sagte Saleh. Mit dieser Strategie will er sich auch von anderen Sozialdemokraten wie Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (beide SPD) absetzen, die vergleichbare Vorschläge für eine Kita-Pflicht nach wenigen Tagen Debatte wieder einschlafen ließen. Saleh ist hartnäckig.

Jedes Jahr bleiben Kinder zurück

Er versichert, er habe schon viele Gespräche geführt, und meistens seien die Interessenvertreter und die SPD-Fraktion in ihren Ansichten nicht weit voneinander entfernt. Raed Saleh: „Mein Eindruck ist, dass die Stadtgesellschaft sich bei dem Ziel einig ist: Wir dürfen kein Kind zurücklassen.“ Über die Instrumente könne man sich einigen.

Berlin sei schon sehr erfolgreich beim Thema Kita-Besuch. Trotzdem blieben jedes Jahr einige Tausend Kinder zurück, die ohne ausreichende Sprachkenntnisse eingeschult würden. „Das will ich nicht akzeptieren“, sagte Raed Saleh. Es gehe darum, dass ganz besonders die Kinder aus bildungsfernen Schichten eine Kindertagesstätte besuchen. „Für die Eltern, die ihr Kind schon heute zur Kita schicken, soll sich nichts ändern“, versicherte der SPD-Fraktionschef.