Wohnungsmarkt

Was Studenten in Berlin erleben, wenn sie eine Wohnung suchen

Berlin erfreut sich nicht nur allgemein, sondern auch als Universitätsstadt immer größerer Beliebtheit. Die Suche nach günstigem Wohnraum für Studenten ist dadurch deutlich schwieriger geworden.

Arne Kelm sitzt an einer langen Holztafel. Mitte Oktober wird er sein Master-Studium an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft beginnen. "Construction and Real Estate Management" heißt der Studiengang, auf Deutsch Bauplanung und Immobilienmanagement, eingeschrieben ist er bereits. Der 24-Jährige möchte später mal Häuser und Wohnungen bauen. Die Kreuzberger Wohnung, in der er gerade wartet, ist ganz nach seinem Geschmack: ein großes Wohnzimmer, großzügige Fensterfläche, mehrere Balkone – seine ist es jedoch nicht.

"Wer jetzt, nachdem er die WG gesehen hat, immer noch Interesse hat, trägt sich in diese Liste ein", sagt eine hellblonde Frau um die 40. Arne greift nach dem Papier, aber eine dunkelhaarige Studentin neben ihm ist schneller: "Ich brauche so dringend etwas Neues", sagt sie, während sie ihren Namen notiert: "Die haben mir die Miete für mein Zimmer erhöht. Ich zahle jetzt 540 Euro. Das geht einfach nicht." Arne nickt, er hat noch gar kein Zimmer in Berlin.

Auswahlrunde mit Abendessen

Seinen Namen trägt er auf der Liste an zweiter Stelle ein. "Heißt das eigentlich, dass wir die Ersten sind, die die WG sehen?", fragt er. Die Frau mit den blonden Haaren lächelt milde. "Auf dieser Liste tragen sich die Interessenten von heute ein. Gestern waren aber auch schon Bewerber da, und morgen kommt der nächste Schwung."

Die Liste bräuchten sie im Übrigen, da alle sechs WG-Mitglieder ihre Favoriten in der nächsten Auswahlrunde zu einem gemeinsamen Abendessen einladen wollen. "Das ist gar nicht so leicht, unter Hunderten von Bewerbern den Richtigen zu finden. Immerhin müssen sich noch sechs Leute einig sein, dass der Bewerber zu ihnen passt", sagt die Frau und atmet leicht gestresst aus. "Aber wir haben ein Veto-Recht eingeführt. Wenn alle einen Bewerber mögen, nur man selbst nicht, kann man ihn damit ohne Angaben von Gründen ablehnen." Arne und seine dunkelhaarige Mitbewerberin gucken das WG-Mitglied mit großen Augen an. Mitleid kann sie von den wohnungsuchenden Studenten nicht erwarten.

Mehr Studienplätze, mehr Bewerber

Berlin erfreut sich nicht nur allgemein, sondern auch als Universitätsstadt immer größerer Beliebtheit. Für das weltweite "QS World" Hochschulranking hat eine Kommission aus internationalen Wissenschaftlern anhand von Faktoren wie allgemeine Lebensqualität, Lebenshaltungskosten, Anteil von internationalen Studenten und den prozentualen Studentenanteil der Einwohnerschaft Berlin 2013 zur besten und beliebtesten Studentenstadt Deutschlands gewählt. Vor Hamburg, München, Köln oder Heidelberg.

Passend dazu steigt die Zahl derer, die an einer Berliner Hochschule studieren wollen, kontinuierlich. Allein für dieses Wintersemester haben sich insgesamt mehr als 106.000 Menschen an der Technischen, der Freien und der Humboldt-Universität beworben – Immatrikulationen für zulassungsfreie Fächer sowie Bewerbungen an privaten Hoch- und Fachhochschulen nicht eingerechnet. Die Anzahl der Bewerbungen geht dabei weit über das zur Verfügung stehende Angebot hinaus.

Facebook hilft bei der Suche

An der HU würden diesen Winter beispielsweise gerne rund 48.500 Bewerber ein Bachelor- oder Masterstudium aufnehmen, Plätze gibt es aber nur etwa 7000 bis 7500. Die Gesamtzahl der Berliner Studienplätze steigt im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls leicht an. Unschwer ist abzusehen: Die Suche nach günstigem Wohnraum für Studenten wird in den kommenden Jahren nicht leichter werden. Theda Kiepe aus Naumburg sucht nun seit mehr als einem Monat eine Wohnung in Berlin. "Ich habe mich erst relativ spät für mein Studium entschieden.

Ich hätte eigentlich nur eine Woche Zeit gehabt, um eine Wohnung zu finden, da das nicht geht, wollte ich zunächst zur Zwischenmiete wohnen." Als die Studentin der Musikpädagogik die Preise für ein Zimmer zur Zwischenmiete entdeckt, ist sie abgeschreckt: "Die wollen alle 300 oder sogar 400 Euro für zwei Wochen haben", sagt die 20-Jährige. "Das wollte ich nicht ausgeben." Über Facebook fragt sie ihre Freunde nach Hinweisen. Mit Erfolg. Eine Freundin aus Köpenick nimmt die Erstsemesterstudentin bei sich auf.

WG-Zimmer für 500 Euro

Nach dem ersten Kulturschock Berlin – "Ist schon etwas anderes als Naumburg" – begibt sie sich neben ihrem Dual-Studium auf Wohnungssuche. Fündig wird sie nicht. "Viele Angebote sind schlicht zu teuer. Eine WG in Charlottenburg wollte, dass ich 500 Euro für ein Zimmer zahle." Theda schüttelt den Kopf: "Ich kann nur bis zu 300 Euro Warmmiete bezahlen." Die jungen Studenten suchen hauptsächlich online. Bei vielen Wohnungen, die Theda gefallen, verlangen Hausverwaltungen auch eine Provision, obwohl gar kein Makler eingeschaltet ist. "Ich verstehe gar nicht wofür. Und drei Monatskaltmieten sind dann einfach mal weg." Die Studentin sucht nicht mehr allein. Mit ihrer Freundin Sophia Wulf möchte sie nun eine neue WG gründen.

"Wir haben in Berlin seit zwei, drei Jahren die Situation, dass der freie Wohnungsmarkt durch die Verknappung von bezahlbarem Wohnraum für Studenten zu einer Herausforderung wird", sagt Jürgen Morgenstern, Sprecher des Berliner Studentenwerks. "Bis vor ein paar Jahren war die Lage in Berlin noch entspannt. Nun haben wir aber ähnliche Zustände wie in Hamburg oder München."

Laut der Studie "Fachkraft 2020" des studentischen Zeitarbeitsvermittlers Studitemps und der Universität Maastricht zahlen Studierende in Berlin durchschnittlich 330 Euro Warmmiete im Monat. Mehr Durchschnittswarmmiete zahlen nur Studenten in Bayern (337 Euro) und Hamburg (377 Euro). Am günstigsten hingegen wohnen deutsche Studenten in Thüringen. Die Durchschnittswarmmiete der befragten Studenten betrug hier 248 Euro.

Lange Warteliste

"Da es auf dem freien Wohnungsmarkt nun schwieriger wird, gibt es ein gesteigertes Interesse an Wohnheimplätzen", sagt Jürgen Morgenstern. Beim Berliner Studentenwerk warteten aktuell rund 1600 Studenten auf einen Wohnheimplatz. "Wir haben eine ganze Reihe internationaler Studenten auf der Warteliste, aber auch Studenten aus anderen Bundesländern und viele Berliner, die von zu Hause ausziehen wollen, etwa weil sie sich mit einem Geschwisterkind ein Zimmer teilen."

Die Versorgungsquote, die besagt, wie viele Studenten einen Wohnheimplatz bekommen, beträgt in Berlin lediglich 6,65 Prozent. "Nur Bremen hat eine noch schlechtere Versorgungsquote", sagt Jürgen Morgenstern. Der deutsche Durchschnitt liege hingegen bei 10,6 Prozent.

Im Frühjahr hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zugesagt, dass in den kommenden Jahren 5000 öffentlich geförderte neue Wohnheimplätze mit dem Studentenwerk Berlin geschaffen werden sollen. Die Grundstücke sollen dabei vom Land zur Verfügung gestellt werden. "Wir haben uns jetzt rund 30 Grundstücke angesehen, die aber nicht alle für das studentische Wohnen geeignet sind", sagt Morgenstern: "Wir müssen dort auch viele Wohnplätze schaffen können. Sonst ist der Bau nicht wirtschaftlich." Etwa sechs Grundstücke seien noch in der engeren Auswahl. "In den nächsten Wochen und Monaten werden wir wissen, was wir wann bauen können", sagt Morgenstern.

Leben zu sechst

Nicht alle Studenten haben es jedoch schwer bei der Wohnungssuche. Der Berliner Student Thomas Janizewski, 26, hatte nach einer Anzeige auf einem Internetportal mehrere Zimmer besichtigt und bei einem schließlich Glück. Ebenso erging es Giuliano Spano, 20, er suchte im Internet und fand schnell eine Wohnung für 400 Euro. Lena aus Flensburg beginnt dieses Jahr ihr Studium der Deutschen Philologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität.

Nach drei Wochen Suche fand die 19-Jährige ein 13 Quadratmeter großes Zimmer in einer Sechser-WG im Studentendorf Schlachtensee. "Ich habe im Internet eine Anzeige geschaltet, in der ich mich beschrieben und auch vermerkt habe, dass ich keine reine Zweck-WG möchte." Als eine Mitbewohnerin der Sechser-WG kurzfristig ausziehen musste, kontaktierte die WG Lena in Flensburg. Die stieg in den Zug, sah sich die Wohnung an und wurde genommen. Nach einer Woche vor Ort, entschied Lena sich jedoch weiterzusuchen.

Merkwürdige Anrufe nach Inserat

"Ich habe hier 13 Quadratmeter, ich hätte gern ein größeres Zimmer und auch eine WG mit wenigeren und jüngeren Mitbewohnern. Hier sind schon beinahe alle mit dem Bachelor fertig." Zehn Minuten von dem Studentendorf entfernt fand Lena ein passendes Zimmer in einer Zehlendorfer-WG, einen Tag später konnte sie den Vertrag unterschreiben. Jetzt sucht sie wieder einen Nachmieter für ihr Zimmer in der Studentendorf-WG: "Ich werde da wieder über die Gesuche gehen", sagt sie. "Das finde ich fair.

Theda Kiepe und ihre Freundin Sophia Wulf hatten nicht so viel Glück mit den online geschalteten Gesuchen. "Die Anrufe, die ich bekommen habe, waren allesamt ein wenig merkwürdig. Eine 40-Jährige suchte vor allem deswegen eine Mitbewohnerin, damit sich jemand um ihre Katze und das Katzenklo kümmert, wenn sie auf Reisen ist. Ein anderer wollte Telefonsex."

Anzeigentext komplett lesen

Arne Kelm aus Bergisch Gladbach hat kein Gesuch geschaltet. Er hat Online-Anzeigen beantwortet. "Ich habe mit Sicherheit 60 personalisierte Mails geschrieben und nur ungefähr 15 Antworten bekommen", sagt Kelm. "Die Leute, die mich angerufen haben, habe ich nach ihren Kriterien gefragt, und die meisten haben mir gesagt, dass sie zu junge Leute – also zwischen 18 und 21 Jahren – und zu alte Leute – also über 30 Jahren – gleich ausfiltern."

Kelm empfiehlt, unbedingt den Anzeigentext komplett zu lesen und in der Antwortmail auch auf den Inhalt einzugehen. "In einer Anzeige stand im letzten Satz, man sollte bei seiner Antwort in den Betreff "An den Mensch des Hauses" schreiben, mache man das nicht, würde gar nicht erst geantwortet", sagt Kelm. Neben Lesekontrollen verlangten viele Studenten auch ein Foto oder einen Link zum Facebookprofil.

Auch die Kreuzberger WG mit dem Auswahlabendessen fand er online. Nach der Besichtigung weiß er: Die WG gefällt ihm zwar architektonisch, einziehen würde er da aber nicht. "Die zahlen jeden Monat 39 Euro Haushaltsgeld, von dem jeder kaufen kann, was er will. So etwas sagt mir nicht zu", sagt Kelm. Er ist auf der Suche nach entspanntem Zusammenwohnen, ohne großes Reglement.

Private Wohnheime

Da das Geschäft mit dem Studentenwohnen in Berlin lukrativ ist, drängen immer mehr private Wohnheime auf den Markt. Noch im Oktober dieses Jahres soll eine Studentensiedlung aus insgesamt 411 Frachtcontainern in Treptow eröffnen. Im August wurde der Grundstein für ein neues Studentendorf in Adlershof gelegt. 377 Apartments sollen im Oktober nächsten Jahres bezugsfertig sein. Träger des Projektes ist auch die Genossenschaft, die das Studentendorf Schlachtensee betreibt. Im neuen "Quartier 216", einem Plattenbau an der Frankfurter Allee in Lichtenberg, sind in diesem Jahr 430 Wohneinheiten entstanden.

Für Kelm kommt ein Zimmer oder ein Apartment in so einem Bau erst einmal nicht infrage, sagt er. "Ich bin bei meiner Suche auch zweimal auf Unternehmen gestoßen, die Wohnungen zu WGs umfunktionieren und die Zimmer dann einzeln vermieten", berichtet er. "In Friedrichshain an der Petersburger Straße gibt es zum Beispiel eine solche Wohnung.

Vermieter entscheidet nach Gutdünken

Die Zimmer sind alle abschließbar, man teilt sich das Bad und die Küche, aber wer dort mit einem einzieht, entscheidet der Vermieter." Der Herr, der ihn bei der Besichtigung in Empfang genommen habe, sei ein moderner "Makler": Für neun Euro die Stunde zeigt er interessierten Studenten ein Musterzimmer. In dem Fall 15 Quadratmeter für 360 Euro Warmmiete.

"Das Zimmer, das ich hätte mieten können, wäre etwas kleiner gewesen, nämlich nur elf Quadratmeter." Kelm zuckt mit den Schultern. Als ihn der Vermieter gleich am nächsten Tag anrief und ihm sagte, dass er das Zimmer haben könne, einfach so, ohne weiteres Kennenlernen, geriet Kelm einen Moment in Versuchung: "Es ist schon ein verlockender Gedanke, die Suche einfach hinter sich zu lassen. Aber mit Fremden zusammenzuwohnen, die man vorher nicht gesehen hat, und die Tatsache, dass der Vermieter nach seinem Dünken neue Mieter in die Wohnung holen kann, das hat mich dann doch abgeschreckt."

Betrüger angelockt

Nicht nur private Anbieter, sondern auch Betrüger wollen Profit aus dem Berliner Wohnungsnotstand schlagen. Theda Kiepe und Sophia Wulf sind bei ihrer Suche auf mehrere Angebote gestoßen, die einfach zu gut aussahen, als dass sie hätten wahr sein können. "Wir wollen für eine Dreier-WG insgesamt nicht mehr als 900 Euro Warmmiete ausgeben", sagt Theda: "Und wenn man dann auf Immobilienscout nach Angeboten filtert, findet man plötzlich Sechs-Zimmerwohnungen, mitten in Berlin in den schönsten Trendbezirken, mit großem Badezimmer, modern eingerichtet, keine Kaution, keine Provision – dann denkt man sich schon gleich: Alles klar, das kann nicht echt sein."

Arne Kelm ist bei seiner Suche fast auf einen Betrugsversuch hereingefallen: "Das war eine Anzeige mit superschönen Fotos, der Vermieter hatte seinen Skype-Account als Kontakt angeben, ich schrieb ihn an, und ziemlich schnell sagt er dann: "Alles klar, du kannst die Wohnung haben." Allerdings gab es einen Haken, der "Vermieter" gab an, mit seiner Familie beruflich nach London gezogen zu sein, die Schlüssel habe er bei sich.

Belege für Geldtransfer

Er müsse sie Kelm schicken. "Das könne er aber nicht einfach so machen. Als Beweis meiner Seriosität sollte ich ihm die Daten meines Personalausweises zuschicken und meinem Vater mit Western Union 500 Euro überweisen. Ich habe das zwar nicht verstanden, warum ich meinem Vater Geld überweisen soll, aber ich habe mir gedacht: Na gut, warum nicht?"

Da Kelm nicht weiß, wie Western Union funktioniert, überweist er seinem Vater das Geld mit Online-Banking. "Der Vermieter wollte nach der Transaktion einen Beleg sehen, als ich meinen Beleg gezeigt habe, hat er sich aufgeregt: Nein, ich hatte doch gesagt, du sollst Western Union benutzen, warum hast du das nicht gemacht?"

Bei dem kontolosen Geldtransfer von Western Union können die Betrüger mit einem gefälschten Pass – manchmal auch ohne – Geldüberweisungen, deren Daten sie kennen, in einer Western-Union-Filiale abheben. "Mittlerweile denke ich mir auch, dass das ziemlich dumm von mir war, dass ich mich da fast drauf eingelassen habe", sagt Kelm. "Aber wenn man den x-ten Tag hintereinander sucht, jeden Morgen zig Menschen anschreibt, kaum was zurückbekommt und Absagen sammelt, dann sehnt man sich einfach nur danach, dass es schnell vorbei ist, dass man endlich etwas hat."

Frustration und Hoffnung

Ein Gefühl, das Sophia Wulf nachvollziehen kann. "Man betritt immer wieder eine neue Wohnung, entwickelt vor Ort immer wieder diese Vorstellungen: Was würde ich aus diesem Zimmer machen? Und dann muss man sich auch schon wieder verabschieden", sagt Wulf: " Und auch wenn man sich an einem Tag schon fünf Wohnungen angesehen hat, muss man bei den Portalen abends gleich wieder nach neuen Angeboten gucken. Das frustriert." Die 21-Jährige hat zuvor in Jena gewohnt.

Dort, sagt sie, sei die Anzahl der Studenten verglichen mit der Gesamtbevölkerung sehr hoch. "Jeder vierte ist in Jena Student. Und die Wohnungssuche ist dort auch keinesfalls leicht. Trotzdem möchten die Vermieter nicht so viele Unterlagen wie Schufa-Auskunft oder die letzten drei Gehaltsnachweise meines Vater sehen." In Jena hatte Wulf innerhalb einer Woche eine Wohnung gefunden.

Nach vier Tagen intensiver Suche in Berlin bekommt Arne Kelm aus Bergisch Gladbach eine Einladung zum Frühstück in Lichtenberg. Der WG-Bewohner möchte, dass Kelm ihm Brötchen mitbringt. Mit dem von der Mutter geliehenen Auto fährt Kelm nach Lichtenberg. "Wir haben mit Sicherheit eine Stunde zusammen gefrühstückt", sagt er später: "Und uns echt ganz gut verstanden. Wir interessieren uns beide für Fußball und Pokern."

"Was ist dein Lieblingsessen?"

Der angehende "Construction and Real Estate Management"-Student hat ein gutes Gefühl. "Aber das ist auch so einer, der das mit den Wohnungsbesichtigungen gern macht", sagt Kelm. "Der mag das, sich fremde Leute nach Hause einzuladen und dann erst einmal eine Runde zu quatschen." Kaum ist Kelm in Lichtenberg aus der Tür, erhält er einen Anruf von dem WG-Bewohner. Keine Zusage, keine Absage, soweit ist er noch nicht. Nein, der Lichtenberger hat noch eine weitere Frage für Kelm: Was ist dein Lieblingsessen? Kelm ist verdutzt. "Die Frage habe ich jedem Bewerber gestellt. Bei dir hatte ich sie vergessen", erklärt der Lichtenberger. Kelm hofft, dass er sich für ihn entscheidet. Hofft, dass ihm sein Lieblingsessen keinen Minuspunkt einbringt.

Sophia Wulf und Theda Kiepe suchen unterdessen weiter. "Jede Wohnung, die wir uns angucken, würden wir auch tendenziell nehmen", sagen sie. In einer Charlottenburger Wohnung wären sie beinahe genommen worden, dann aber habe Sophia Wulf erwähnt, dass sie Geige spielt, damit hatten sich die beiden jungen Studentinnen wieder disqualifiziert. "Ich habe das Gefühl, dass Studenten in Berlin nicht unbedingt die beliebtesten Mieter sind. Hausverwaltungen und Vermieter mögen Familien mit einem festen Einkommen wesentlich mehr", sagt Sophia Wulf. Bei ihrem aktuellen Favoriten – 70 Quadratmeter, 596 Euro warm in Wedding – sind gerade die Nebeninteressenten abgesprungen. "Jetzt brauchen wir nur noch einen Wohnberechtigungsschein", sagt Theda Kiepe: "Hoffentlich bekommen wir den."

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