In Schmargendorf ist bei Grabungsarbeiten eine 500-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Bauarbeiter hatten den brisanten Fund am Donnerstag gegen 12 Uhr bei Ausschachtungsarbeiten auf einem Baugrundstück an der Hubertusallee entdeckt. Zunächst hatte der Bombenfund Anwohner in Aufregung versetzt. Doch als bekannt wurde, dass die Entschärfung nicht sofort erfolge, gab sich die Mehrzahl der Anwohner entspannt. Der Blindgänger soll am kommenden Montag Woche entschärft werden.

Evakuierung im 400-Meter-Radius

Sämtliche Anwohner in einem Umkreis von 400 Metern sollen dann vor Beginn der Entschärfung evakuiert werden, kündigte Polizeisprecher Thomas Neuendorf an. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehe von der Fliegerbombe russischer Bauart keine Gefahr aus, begründete der Sprecher diese Entscheidung. Damit das so bleibt, wird die Baustelle abgesperrt und der Fundort bis zur Entschärfung am Montag rund um die Uhr von Polizeibeamten bewacht.

Die Polizei war gegen 12.30 Uhr über den Bombenfund informiert worden. Ein Teil der Hubertusallee südlich der Herthastraße wurde umgehend für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Die Berliner Verkehrsbetriebe leiteten die Buslinien 110, X10 und M29 vorübergehend um. Nachdem Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes die Fliegerbombe in Augenschein genommen hatten, gab es eine erste Entwarnung. Die Polizeifeuerwerker hatten festgestellt, dass die Bombe mit einem mechanischen Aufschlagzünder ausgestattet ist. So wie der Blindgänger derzeit im Erdreich liegt, bestehe keine unmittelbare Gefahr für Anwohner. Die Verantwortlichen haben deshalb entschieden, die Entschärfung um vier Tage zu verlegen, um eine Evakuierung gründlich zu planen.

Seniorenresidenzen werden evakuiert

In dem vorgesehenen Sperrkreis befinden sich mehrere Seniorenresidenzen, ein Wohnheim für Demenzkranke sowie die Grunewald-Grundschule. Durch den Beginn der Herbstferien am Wochenende werden wenigstens keine Schüler und Lehrer von der Evakuierung betroffen sein. Sämtliche Anwohner würden von der Polizei über Einzelheiten der Räumung rechtzeitig unterrichtet, hieß es am Donnerstag weiter.

Die Mehrzahl der Nachbarn nahm den Bombenfund recht gelassen hin. Anwohnerin Demit Saatci hatte nach einem Spaziergang durch den Kiez von dem Bombenfund erfahren. „Dass ich für die Zeit der Bombenentschärfung für ein paar Stunden das Haus verlassen muss, ist nicht weiter tragisch. Da wir rechtzeitig davon erfahren haben, werde ich mir für den Tag etwas vornehmen, vielleicht einen Bummel am Kurfürstendamm“, sagte die Freiberuflerin. Die 70-jährige Renate Lehmann aus der Herthastraße machte sich Gedanken um ihren kleinen Hund, den sie normalerweise nicht aus der Wohnung lässt. Sie wusste nicht, ob sie das Tier mitnehmen könne, und fragte sich, für wie viele Stunden sie das Haus wohl verlassen müsse. Ihren Sportklub ganz in der Nähe wird sie am Montag wohl nicht besuchen können.

Eine der Einrichtungen, die am Montag in jedem Fall geschlossen bleiben wird, ist der vom Bezirksamt betriebene Seniorenklub an der Herthastraße. Mitarbeiterin Julia Trinh sagte, sie sei unbesorgt und vertraue den Experten, dass die Entschärfung reibungslos verlaufen werde. Die 21-Jährige machte sich aber Sorgen darüber, wie die vielen älteren Anwohner aus ihren Wohnungen gebracht würden. Bei diesen Aufgaben kann die Polizei auf die Mithilfe der Berliner Feuerwehr bauen. Wie bei früheren Bombenfunden werden zahlreiche Einsatzkräfte zur Räumung eingeteilt. Für Kranke und Gehbehinderte werden Transportfahrzeuge bereitgestellt.

Im Krieg eine Flakstellung

Nachbar Herbert Siegmund hatte die Arbeiten an den Mehrfamilienhaus in der Hubertusallee mehrfach beobachtet. Zur Sicherung der Baugrube seien Stahlträger für Spundwände in den Boden getrieben worden. Einer dieser Träger sei nur wenige Zentimeter neben der Bombe in den Boden getrieben worden. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn man den Zünder getroffen hätte“, sagte der Pensionär. Er wusste zu berichten, dass auf dem Areal im Krieg eine Flakstellung lag, die auch Ziel von Fliegerangriffen geworden war. Am Montag, wenn die Bombe entschärft wird und er sein Haus verlassen muss, hofft Herbert Siegmund auf einen Unterschlupf im Wärmebus der Feuerwehr.

Erst vor wenigen Tagen war in Potsdam eine 250-Kilogramm-Bombe entschärft worden. Weite Teile der Innenstadt blieben über Stunden gesperrt. Rund 9000 Menschen mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen.