Bebauungspläne

Am Humboldthafen entstehen 250 Wohnungen direkt am Wasser

Ab Ende 2014 sollen zwei Grundstücke am Humboldthafen bebaut werden. Neben Wohnungen sollen dort Büros und Einzelhandelsflächen entstehen. Der Architekt Hadi Teherani soll das Projekt verwirklichen.

Foto: gam nie / dpa

Prominenter könnte die Lage nicht sein: direkt am Wasser, direkt am Hauptbahnhof, direkt in Berlins Mitte. Die Hamburger LIP (Ludger Inholte Projektentwicklung) und die Münchner ABG (Allgemeine Bauträgergesellschaft) wollen ab Ende 2014 zwei Grundstücke am Humboldthafen bebauen. Entstehen sollen auf der Brache rund 250 Wohnungen sowie Büros und Einzelhandels- und Gastronomiefläche. Rund 35 Millionen Euro – 1000 Euro pro Quadratmeter der 35.000 Quadratmeter Fläche, die dort entstehen sollen – haben die Investoren nach eigener Auskunft für das Grundstück gezahlt. Begrenzt wird es von der Invalidenstraße und seitlich vom Friedrich-List-Ufer und der Rahel-Hirsch-Straße sowie dem Humboldthafen – alles nur einen Steinwurf vom Berliner Hauptbahnhof entfernt. Wie viel die Bauherren investieren müssen, steht noch nicht fest, weil die Pläne noch ausgearbeitet werden müssen. Sie rechnen mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.

Verkauft worden war das Grundstück vom Land mit der Auflage, einen Architekturwettbewerb auszuloben. 17 Büros wurden dazu eingeladen. 13 davon reichten ihre Entwürfe schließlich ein. „Dass sich nicht alle beteiligten, ist ein Zeichen dafür, dass die Aufgabe anspruchsvoll war“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bei der Vorstellung der Pläne. Die Lage sei stark von Lärm belastet, außerdem hätten die Architekten eine Lösung für einen möglichst hohen Wohnanteil finden müssen. Er liegt bei dem Siegerentwurf bei rund 60 Prozent.

Zehn Stunden lang wurde diskutiert, ehe eine Entscheidung fiel

Der Rest verteilt sich auf Büros, Einzelhandel und Gastronomie. In Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Bezirk Mitte, Gutachtern und Architekten kürten die Fachjuroren am vergangenen Mittwoch den Siegerentwurf des Hamburger Architekten Hadi Teherani. Zehn Stunden dauerten die Architektur-Diskussionen über die eingereichten Vorschläge, bis nach drei Abstimmungsrundgängen dann die Entscheidung fiel.

Von dem Ergebnis zeigten sich die Senatsbaudirektorin ebenso angetan wie auch die Bauherren Ludger Inholte, Inhaber und Gründer von LIP (Sitz Hamburg), und Rainer Sticken, Chef der ABG (Sitz München). Während sich im Erdgeschoss Einzelhandel ansiedeln soll und an der Invalidenstraße Büros geplant sind, sollen die Wohnungen dort entstehen, wo weniger Lärm ist: am Wasser und an den Seiten. Der Blick auf das Wasser werde bei jeder Wohnung gewährleistet sein, sagte Senatsbaudirektorin Lüscher, an den Seiten durch herausragende Erker.

Im Erdgeschoss sollen Geschäfte und Restaurants entstehen

Um die Urbanität im Viertel zu stärken, sind im Erdgeschoss Geschäfte und Restaurants geplant. An der denkmalgeschützten Uferkante, die bereits saniert wurde, sollen auch Cafés entstehen. Außerdem hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Uferbereich Wert darauf gelegt, dass die neuen Gebäude einen Arkadengang haben. Der Uferbereich wie auch die Wege und Plätze zwischen den neuen Gebäuden werden öffentlich zugänglich sein. „Die geplanten Gebäude sind vorbildlich für städtisches Wohnen“, lobte Regula Lüscher das Vorhaben. Sie sei sehr glücklich über die Juryentscheidung. Beide Blöcke würden in derselben Architektur umgesetzt, mit einer Natursteinfassade in einem leicht rötlichen Ton, die sehr gut zu der neuen Ufermauer passe.

In früheren Zeiten war das Gelände eine kaiserliche Grünfläche, bebaut war sie nie. Später wurde sie dann als gewerbliche Hafenfläche genutzt. Die Bäume müssen bis auf ein paar Ausnahmen weichen. Stehen bleiben werden aber eine Handvoll Bäume an der Uferkante sowie ein besonders wertvolles Exemplar. Dabei handelt es sich um eine etwa 200 Jahre alte Linde, die nach Auskunft der Bauherren schon zu Zeiten des prominenten Gartenkünstlers Peter Josef Lenné dort stand. Die Linde wird einen der beiden Gebäude-Innenhöfe schmücken.

Bauherren in Berlin bereits aktiv

Umgesetzt wird das Projekt als Joint-Venture von ABG und LIP. Bei den Wohnungen soll es einen Mix aus kleinen und großen geben. Die meisten sollen Mietwohnungen sein. Über das Preisniveau könne noch nichts gesagt werden, so die Investoren. „Die Baupreise haben stark angezogen. Die Kauf- und Mietpreise sollen aber bezahlbar und dem Markt angemessen sein“, sagte Ludger Inholte, dessen Firma bundesweit Immobilienprojekte umsetzt und seit mehr als 20 Jahren auch in Berlin tätig ist. So hat er das Büro- und Geschäftshaus „F 100“ an der Friedrichstraße gebaut sowie vier Hotels, wie das Abba an der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf.

Auch die 1967 gegründete Münchner ABG hat in Berlin bereits prominente Neubauprojekte realisiert. So stammt das Büro- und Geschäftshaus am Pariser Platz 4a gegenüber dem Adlon von ihr, ebenso das Bürohaus an der Friedrichstraße 108/110, in dem das Bundesgesundheitsministerium seinen Sitz hat.

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