Pro: Investition ins Wohl der Berliner
Bauen nur im Winter, freier Zugang im Frühjahr und Sommer. Das wäre ein bemerkenswerter Kompromiss, den die streitenden Parteien in Sachen Großbaustelle Mauerpark nicht einfach verwerfen sollten. Für manch einen ist der Mauerpark Inbegriff vermüllter Wiesen. Doch er ist mehr. „Leben findet in Zwischenräumen statt, nicht in hochorganisierten Strukturen“, steht am Eingang. Der Park ist ein solcher Zwischenraum. Eben typisch Berlin. Tausende fühlen sich hier jedes Wochenende so wohl, wie sonst möglicherweise nirgends in der Stadt. Es sind längst nicht nur Touristen – zumal Prenzlauer Berg nicht gerade viele große Grünflächen bietet. Das zusätzliche Geld für die Baupausen wäre also nicht verschenkt, es würde sehr gut investiert – in das Wohl der Berliner, wenn so Frühlings- und Sommergenuss im Park erhalten blieben. Die Wasserpreise werden deswegen nicht gleich steigen.
Natürlich rufen die Wasserbetriebe nicht sofort „Ja!“, wenn sie mehr Geld ausgeben sollen. Doch sie zeigen sich ja bereits kompromissbereit. Jetzt sollten die Anwohnerinitiativen auf sie zu gehen – damit Berlin die Chance auf eine baufreie Schönwetterzeit im Mauerpark nicht entgeht.
Contra: Was kümmert uns das Geld
Nach dem Motto „Die haben’s ja“ will der Bezirk die Wasserbetriebe dazu zwingen, mal eben drei Millionen Euro mehr auszugeben, damit im Mauerpark im Frühjahr und Sommer gegrillt, gespielt und gesonnt werden kann, ohne durch Bauarbeiter gestört zu werden. Wäre ja noch verständlich, wenn der gesamte Park jahrelang zur Buddelkiste würde. Aber mitnichten! Stören würden allein die beiden Baugruben. Der Rest wird per Schildvortrieb erledigt. Dennoch soll viel teurer und länger nur im Winter gebaut werden dürfen. Ein Kotau vor einer Vergnügungsszene, über den man sich wundern muss, auch empören kann. Denn die Mehrkosten sollen flugs den mehrheitlich dem Land gehörenden Wassserbetrieben aufgebürdet werden. Damit letztlich allen Berlinern. Denen müssen die Wasserbetriebe noch in diesem Jahr 60 Millionen Euro für zu hoch berechnete Gebühren zurückzahlen. Das führt Berlins Wasserlieferanten nicht in den Ruin. Aber eine Drei-Millionen-Rechnung vom Bezirk als Preis für eine Baugenehmigung ist dreist. Und kündet bundesweit erneut davon, wie leichtfertig Berlin noch immer mit Geld umgeht: Was kümmert uns der 63 Milliarden hohe Schuldturm.
Sonja Haase




