Die Mitteilungen klingen vielversprechend. Immer wieder werden vornehmlich Senioren per Telefon von Rechtsanwälten oder Notaren informiert, dass bei einem Gewinnspiel der Hauptpreis an sie gefallen ist. Der Preis, in der Regel eine beachtliche Geldsumme oder ein hochwertiges Auto, könne aber nur ausgezahlt oder überführt werden, wenn der Gewinner zuvor Gebühren, anfallende Steuern oder Ähnliches zahle. Wer sich drauf einlässt, zahlt in Einzelfällen viel Geld, bekommt aber nichts. Die Gewinner existieren ebenso wie die Gewinnspiele nicht. Und die vermeintlichen Anwälte sind einfach nur Mitarbeiter von Callcentern, die sich auf Betrugsmaschen jedweder Art spezialisiert haben.
Auf der Suche nach immer neuen Opfern kennen die Betrüger kein Pardon. Und dabei verfolgen sie immer nur ein Ziel: ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Seit mehr als zwei Jahren versuchen Betrüger gezielt durch scheinheilige Gewinnversprechen an das schwer verdiente Geld und die Ersparnisse vor allem älterer Bürger zu gelangen.
Ermittler gehen von hoher Dunkelziffer aus
Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) sind seit 2010 mehr als 37.000 Menschen Opfer der Gewinnspielmasche geworden, Tendenz von Jahr zu Jahr steigend. Den dabei entstandenen Schaden beziffert das BKA in einer am Freitag veröffentlichten Warnung mit 23 Millionen Euro. Die Betrugsermittler gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Vermutlich seien bereits mehr als 100.000 Menschen in Deutschland dem Betrug zum Opfer gefallen, heißt es in der Mitteilung des BKA.
Eine der Banden, die jahrelang Senioren um ihr Geld betrogen, agierte in der Vergangenheit von einer Zentrale in Charlottenburg aus. Fünf als Drahtzieher des betrügerischen Geschäftes überführte Berliner mussten sich im vergangenen Jahr vor Gericht verantworten. Der Haupttäter wurde zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, seine Komplizen kamen mit Bewährungsstrafen davon. Aktuell agieren viele Banden dem BKA zufolge von der Türkei aus.
Betrüger sprechen sehr gut deutsch
Nach Information der Berliner Morgenpost haben bislang zwölf Berliner und Berlinerinnen Anzeige erstattet. Sie wurden um insgesamt 115.000 Euro geprellt. Die Betrüger sprechen sehr gut deutsch, sind zudem am Telefon sehr redegewandt und skrupellos. Um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen, manipulieren die Betrüger gezielt die eigene Rufnummer, die im Telefondisplay des Opfers erscheint. Dort wird die Rufnummer einer deutschen Stadt angezeigt, obgleich sich der Täter bei dem Anruf in der Türkei befindet.
In jedem Fall soll der Gewinner die anfallenden Gebühren beziehungsweise Überführungskosten selber tragen. Für die Bezahlung geben die Täter ihren Opfern verschiedene Möglichkeiten vor. So soll beispielsweise die Nutzung von Bargeldtransferdienstleistern oder den Versand der Geldbeträge per Post als Brief oder Päckchen erfolgen. Hat man sich einmal auf diese Masche eingelassen und eine Zahlung vorgenommen, müssen die Opfer mit weiteren Erpressungsversuchen rechnen.
Umgehend Anzeige erstatten
Denn im nächsten Schritt gilt das Geld als verloren. Dann geben sich als Notare oder Anwälte ausweisende Betrüger vor, das verlorene Geld natürlich gegen eine Bearbeitungsgebühr wiederbeschaffen zu können. Oder sie gehen noch dreister vor und behaupten, dass man sich mit dem Geldtransfer beispielsweise auf ein Konto in die Türkei strafbar gemacht habe und nun Interpol und die Steuerfahndung ermittelt. Die Polizei warnt daher vor derartigen Betrügereien und gibt folgende Empfehlung: Schenken Sie telefonischen Gewinn-Versprechungen keinen Glauben. Leisten Sie keinerlei Vorauszahlungen auf versprochene Gewinne. Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen am Telefon nicht unter Druck setzen. Erstatten sie umgehend bei der Polizei Anzeige.





