Thilo Sarrazin hat mal wieder Ärger. Der frühere Berliner Finanzsenator, Bundesbanker und Beststeller-Autor sorgt an der Ostsee für Aufregung. Auf Usedom soll er für einen Umweltskandal gesorgt haben. Sarrazin soll für einen Hausbau sein Grundstück begradigen, einen Hügel abgetragen und eine Senke zugeschüttet haben. Die Ostsee-Zeitung berichtet über verärgerte Nachbarn und ein Bußgeldverfahren der Kreisverwaltung Greifswald-Vorpommern. „Thilo Sarrazin provoziert wieder“, heißt es da.
Sarrazin selbst ist sich keiner Verfehlungen bewusst. „Meine Frau und ich bauen auf Usedom ein Ferienhaus, der Rest ist Privatsache“, sagte Sarrazin der Berliner Morgenpost. Er habe für das Grundstück in der Gemeinde Stolpe am idyllischen Achterwasser der Ostseeinsel eine ordnungsgemäße Baugenehmigung. Kein Nachbar habe sich je beklagt. Er stehe mit allen Ämtern im notwendigen Kontakt.
Keine Ausnahmegenehmigung beantragt
In der Kreisverwaltung sieht man die Affäre einigermaßen gelassen. Wirkliche Probleme, die diese Bezeichnung verdienten, gebe es nicht, sagte der Sprecher des Landkreises, Achim Froitzheim. Sarrazin habe für den Bau tatsächlich alle erforderlichen Genehmigungen eingeholt. Lediglich für die Grundstücksgestaltung habe er versäumt, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Das Grundstück grenze an ein Landschaftsschutzgebiet. „Zum Einebnen der Grundstücksfläche, die einen Hügel und eine Senke umfasste, hätte er einen gesonderten Antrag stellen müssen“, sagte der Sprecher.
Deswegen habe der Umweltdezernent formal ein Bußgeldverfahren eröffnet. Sarrazin droht deswegen eine Strafe von 500 Euro. Zunächst einmal habe ihm die Behörde mit Sitz in Anklam aber ein Anhörungsbogen an seine Berliner Adresse zugeschickt. Darin darf Sarrazin zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Froitzheim hält es für möglich, dass dieses Schreiben den Ex-Senator noch nicht erreicht hat, er also zu Recht sagte, er wisse nichts von dem Verfahren. Wenn er sich an die Auflagen hält, könnte es sein, dass gar kein Bußgeld fällig wird. Er dürfe nur noch die begonnenen Arbeiten zu Ende führen und müsse den Eingriff ausgleichen. Das könne geschehen, indem Sarrazin auf seinem Grundstück oder in angrenzenden Gebieten Ersatzpflanzungen vornimmt.
Kreis spricht von Schönheitsfehler
Das ganze habe aus Sicht des Kreises eher den Charakter eines Schönheitsfehlers, sagte der Kreis-Sprecher, der betonte, den Naturschutz sehr ernst zu nehmen. Dies habe der Umweltdezernent dem Ex-Bundesbanker auch in äußerster Höflichkeit dargelegt. Böser Wille des Neu-Usedomers lasse sich nicht unterstellen, sagte Froitzheim. Einen Promi-Bonus gebe es nicht: „Wir behandeln alle Bürger gleich.“
Immerhin haben die nicht genehmigten Erdbewegungen auf Sarrazins Grundstück einer ortsansässigen Hobbyarchäologin erlaubt, Fischknochen, Tonscherben und Webegewichte aus der Bronzezeit zu bergen.





