„Compact“-Interview

Neue Aufregung um Sarrazin – „Tunten können tüchtig sein“

Mitten im Wahlkampf sorgt SPD-Mitglied Sarrazin erneut für Wirbel - diesmal mit Aussagen zur Homoehe. Berlins SPD-Chef Stöß sieht Sarrazin mittlerweile „bei der NPD besser aufgehoben“.

Foto: Amin Akhtar

Ausgerechnet kurz vor den Bundestagswahlen meldet sich Berlins ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wieder einmal skandalträchtig zu Wort: Dieses Mal geht es nicht um „Kopftuchmädchen“, sondern gegen die Homo-Ehe. In einem Interview mit dem Magazin „Compact“ sagt der 68-jährige Ex-Bundesbanker: „Man muss staatliche Familienpolitik und private Lebensführung unterscheiden. Die Schwulenehe gehört zu letzteren.“

Schwul-lesbische Lebenspartnerschaften seien vom Gesetzgeber ausdrücklich als ebenso legitim zugelassen wie die klassische Ehe. „Allerdings ist es fraglich, ob man dafür auch den Begriff „Ehe“ verwenden sollte, der ist ja traditionell der Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau vorbehalten“, sagt Sarrazin. „Das ist ungefähr so, als würde man ein Faultier als „Löwe“ bezeichnen.“

Auf die provokante Frage des Interviewers nach gezielter Staatsförderung für „Jungs im rosa Kleidchen“ antwortet Sarrazin: „Vorsicht, auch die Tunte kann sehr tüchtig sein!“

Auftritt bei Konferenz mit Eva Herman geplant

Am 23. November will Sarrazin in Leipzig bei einer „Compact“-Konferenz auftreten. Das Thema: „Werden Europas Völker abgeschafft?“ Angekündigt ist auch die wegen ihrer missverständlichen Äußerungen zum NS-Mutterbild in die Kritik geratene frühere Tagesschau-Sprecherin Eva Herman.

Berlins SPD-Chef Jan Stöß empfahl Sarrazin nach seinem jüngsten Ausfall, lieber in die rechtsextreme NPD zu wechseln. „Herr Sarrazin wird offenbar nur noch von Hass und Menschenfeindlichkeit getrieben“, sagt er. „Er wäre mit seinen homophoben und rassistischen Äußerungen bei der NPD besser aufgehoben als in der Sozialdemokratie.“

Grünen-Chefin Ramona Popp verweist auf ein Wahlplakat der Repulikaner (REP). Die Partei wirbt für ihre ausländerfeindliche Politik mit: „Sarrazin hat Recht – wir schon längst“. Popp: „Die SPD muss sich fragen lassen, ob Sarrazin mit seinen Thesen jenseits von Gut und Böse in ihren Reihen noch gut aufgehoben ist.“

2011 sollte er aus der Partei ausgeschlossen werden, doch man einigte sich gütlich, auf Basis einer Erklärung. Darin betonte er, künftig bei öffentlichen Veranstaltungen darauf zu achten, „durch Diskussionsbeiträge nicht sein Bekenntnis zu den sozialdemokratischen Grundsätzen in Frage zu stellen oder in Frage stellen zu lassen“.

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