Der Berliner Zoo hat gewonnen. Er konnte sein Markenrecht an Knut gegen die britische Firma „Knut IP Management“ verteidigen. Das EU-Gericht in Luxemburg gab den Berlinern Recht. Der Zoo hatte 2007 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Marke „Knut – der Eisbär“ angemeldet. Doch kurz zuvor hatte bereits die Londoner Firma zugegriffen. Sie wollte den Namen des Bären für die Vermarktung von T-Shirts, Schuhen oder Sportartikeln nutzen.
Dagegen legte der Zoo vor dem EU-Markenamt Widerspruch ein und begründete ihn mit der älteren Marke „Knud“ mit „d“. Sie war im Februar 2007 von einem Verlag aus Münster angemeldet worden, der Zoo hatte sich dafür die Lizenzrechte geholt. Der Zoo argumentierte unter anderem, dass die beiden Marken gleich klingen – und bekam Recht. Die britische Firma zog vor das EU-Gericht.
Am Montag bestätigten die Richter in Luxemburg die Entscheidung des EU-Markenamtes. Die Londoner Firma darf die Marke „Knut – der Eisbär“ nicht nutzen. Es bestehe Verwechslungsgefahr mit der Marke „Knud“, die Namen seien zu ähnlich. Zudem sollten beide Marken vergleichbare Güter wie Sportartikel und Spielzeug bewerben. Der Berliner Zoo reagierte erleichtert auf die Entscheidung. „Wir sind froh“, sagte Sprecherin Claudia Bienek.
Im Dezember 2006 war der knuddelige Knut im Berliner Zoo geboren worden. Mit seinen niedlichen Knopfaugen und dem strahlend weißen Fell hatte er Herzen in aller Welt erobert – und ließ auch die Finanzverantwortlichen jubeln. Allein 2007 bescherte Knut dem Zoo einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro. Bis zu seinem Tod im März 2011 hatten mehr als elf Millionen Menschen den Publikumsliebling besucht.
Einen neuen Nachwuchs-Star gibt es in Berlin unterdessen nicht, dafür aber sehr viele verschiedene neue Jungtiere, an denen Zoo- und Tierparkbesucher auch ihre Freude haben. Schon im April kamen im Berliner Zoo zwei kleine Warzenschweinchen zur Welt. Schon nach zwei Wochen zeigten sie sich auch dem Publikum.
Vier junge Seelöwen
Timo und Pablo, Gitana und Luna – vier junge Seelöwen sind im Zoo im Juni zur Welt gekommen. In den ersten Wochen blieben sie hinter den Kulissen – einerseits, um sich ja nicht zu verkühlen, andererseits, um eine enge Bindung zu ihren Müttern aufzubauen, damit alle sich in einer größeren Herde wiederfinden können. „Noch sind die jungen Seelöwen auf die Milch der Mütter angewiesen, ihre erste feste Nahrung nehmen sie erst mit knapp einem halben Jahr auf“, erklärte Kurator Heiner Klös. Die Jungtiere sind Halbgeschwister, Vater ist einzig der Haremschef Enzo. „Robben gehören zu den beliebtesten Tieren in Zoologischen Gärten“, so Klös weiter, „ihre Beweglichkeit und Lernfähigkeit verblüfft immer wieder.“
Ein bolivianisches Nachtäffchen
Ob es ein Junge oder Mädchen ist – man weiß es nicht. Sicher ist: Die Bolivianischen Nachtaffen im Nachttierhaus des Zoos haben Nachwuchs. „Noch müssen wir das Tier genderneutral vorstellen“, sagte Zoo-Kurator Ragnar Kühne. Die Tierpfleger haben das Jungtier mit dem dichten, weichen Fell noch nicht per Hand untersucht, um ihm unnötigen Stress zu ersparen. So selbstständig das rundköpfige Äffchen schon wirkt, weil es im Geäst des monddunklen Geheges herumklettert, so rasch flüchtet es auf den Rücken seines Vaters, sobald es erschrickt. Doch Gefahr droht kaum: Die Weißborstengürteltiere, mit denen die Nachtaffen sich sonst das Gehege teilen, wurden kurzzeitig verbannt. „Vor ihnen wäre ein wehrloser, zu Boden gefallener Miniaffe seines Lebens nicht ganz sicher“, erklärte Kühne. Nachtaffen sind fruchtfressende Baumbewohner, sie leben in Kleinfamilien. Im Berliner Zoo haben sie seit 2009 regelmäßig Nachwuchs. Bolivianische Nachtaffen kann man deutschlandweit sonst nur im Zoo von Saarbrücken beobachten. „Sie zählen in ihrer südamerikanischen Heimat nicht zu den bedrohten Tieren. Allerdings wird man die rein nachtaktiven Primaten mit den großen lichtstarken Augen als Tourist nur schwer zu Gesicht bekommen“, so Kühne weiter.
31 Zwergflamingos
Sie sind gesellig und zänkisch. Und sie werden immer mehr. Der Grund heißt Platzmangel, erklärte Kurator Kühne: „Je mehr Zwergflamingos auf engem Raum beisammen stehen, desto eher gelingt ihre Zucht.“ Im Berliner Zoo haben die 31 Zwergflamingos, die in einer recht kleinen Voliere an der Fasanerie leben, im zweiten Jahr in Folge Nachwuchs. Kühne: „Jahrelang hatten dieselben Tiere an anderer, geräumigerer Stelle gestanden, aber nie einen Bruterfolg. Erst als sie in die direkte Nachbarschaft von Anden- und Jamesflamingos zogen, ließen sie sich zur Brut animieren.“ 2012 wuchsen drei Jungvögel auf, nun ist einer dazu gekommen.
Das am 3. August geschlüpfte Küken stolziert im grauen Dunenkleid unbeholfen seinen Eltern hinterher und bettelt um Nahrung. „Diese besteht aus einem blutfarbigen Kropfsekret, in dem sich Pigmentanteile befinde, die später die rosa Färbung des Erwachsenengefieders bewirken. Der Farbstoff wird zunächst in der Leber des Kükens gespeichert“, erklärt Kühne. Auch der Schnabel ist verschieden: anfangs rosa, später schwarz und noch relativ gerade. Beim Heranwachsen knickt er in der Mitte nach unten ab. „Dadurch wird der kleine Flamingo in die Lage versetzt, wie die Altvögel Nahrungsorganismen aus dem Wasser zu filtern: kleine Krebse und Kieselalgen, die ebenfalls Farbträger sind“, so Kühne weiter.
Vierlingswurf beim Wüstenluchs
Gleich vierfachen Nachwuchs vermeldete Kurator Christian Kern aus dem Tierpark bei den Südafrikanischen Karakalen oder Wüstenluchsen. Die Eltern Sarek und Amanda kamen 2004 direkt aus Südafrika in den Tierpark und haben seitdem fast regelmäßig Junge, die Mutter „Amanda“ zuverlässig aufzieht. Dafür wurde Sarek in eine Nachbarbox ausquartiert. „Die vier Jungtiere – zwei Männchen und zwei Weibchen – entwickeln sich prächtig“, berichtete Kern, und nennt sie „niedlich“ – wegen des rotbraunen Fells, der strahlend blauen Augen und der schwarzen Rückseite der Ohren mit den charakteristischen Ohrpinseln. Die im Tierpark gezeigte Unterart aus Südafrika ist intensiv zimtrot gefärbt. Die Nachwuchs-Karakale werden bald mit ihrer Mutter in dem größten Außenkäfig der Kleinkatzen-Anlage gegenüber dem Alfred-Brehm-Haus zu sehen sein.
Soldatenkiebitze im Zoo
Umzug schärft die Sinne: Kaum hatten die Soldatenkiebitze die Australienfreiflughalle im neuen Vogelhaus bezogen, zeigten sie eine „erhöhte Territorialität“. „Das ließ auf ein anstehendes Brutgeschäft schließen“, erklärte Zoo-Kurator Heiner Klös. Innerhalb weniger Tage suchten beide Vögel kleine Steinchen und Kiesel zusammen und bauten daraus am Ufer des kleinen Teiches ein typisches Nest. „Dann legten sie im Abstand von jeweils zwei Tagen drei gesprenkelte Eier, die zwischen den Steinchen gut getarnt kaum auffielen“, so Klös weiter. Es dauerte einige Zeit. Dann war das Ergebnis für die Tierpfleger zu sehen.
Aus zwei Eiern wurde etwas: Der erste Jungvogel schlüpfte am 28. Juli, der zweite am 1. August. Als Nestflüchter laufen die Jungvögel bereits kurz nach dem Schlupf – sorgsam von ihren Eltern behütet – umher und sind von aufmerksamen Besuchern gut zu beobachten. Soldaten- oder Lappenkiebitze leben an Fluss- und Seeufern Australiens, Neuguineas und Neuseelands.



