Viel Lärm um nichts? Von wegen! Das Berliner „Forum StadtSpree“ verbucht erste Erfolge im Miteinander von Clubs und Anwohnern: Die Nutzer eines Grundstückes an der Spree sollen sich künftig bereit erklären, mehr Lärm zu tolerieren. So hat die Baugenossenschaft Schöningh, die das Areal Spreefeld an der Köpenicker Straße in Mitte bebauen will, bereits die Absicht erklärt, bei dem Thema Lärm den Clubs entgegenkommen zu wollen.
„Es wird juristisch geprüft, ob man im Grundbuch und in den Mietverträgen entsprechende Formulierungen zu eigenen Lasten einträgt, die über den bestehenden Immissionsschutz hinausgehen und so den Club-Betreibern etwas mehr Handlungsspielraum gewähren“, bestätigte Stefan Richter von der Stiftung Zukunft Berlin. Denkbar sei beispielsweise, dass die Anwohner sich bereit erklären, Lärm zeitlich etwas länger zu tolerieren, als sie es laut Lärmschutzgesetz müssten.
„Dass um 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist möglicherweise einer Großstadt nicht angemessen“, sagte auch Hans Panhoff (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg. Darüber müsse man in der Stadtgesellschaft neu nachdenken.
In der Vergangenheit hatten Anwohner sich juristisch gegen den Lärm von Clubs und Diskotheken in der Stadt gewehrt. So musste der Knaack Club an der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg wegen Anwohnerklagen schließen, das SO36 an der Oranienstraße in Kreuzberg musste eine Lärmschutzwand bauen, um Anwohner vor Lärm zu schützen.
„Der Spreeraum ist für alle da“, lautet die Devise
Die Annäherung von Baugenossenschaft und Club-Betreibern war am Montag am Rande Thema der Abschlusskonferenz des Forums StadtSpree im Radialsystem an der Holzmarktstraße in Friedrichshain. „Der Spreeraum ist für alle da“, lautete dort die Devise. Nutzer, Investoren und Bewohner mit ihren oft gegensätzlichen Interessen sollen künftig im Dialog klären, was wo und wie im Spreeraum-Areal passiert.
Das Leitbild meint aber auch, dass alle betroffenen Akteure ein Recht auf Nutzung des Spreeraums haben. Klingt ambitioniert, vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um das Neubauprojekt Living Levels aber auch sehr theoretisch.
Bewegung gibt es auch beim Thema Spreeuferweg. So möchte die Genossenschaft Holzmarkt den kleinen Uferweg vom Radialsystem aus über das benachbarte Grundstück der Berliner Wasserbetriebe bis hin zum Holzmarkt-Projekt verlängern. Der Erwerb des 7,5 Meter breiten Uferstreifens sei bereits mit den Wasserbetrieben verabredet. „Dem Bezirk fehlt das Geld, der Holzmarkt verpflichtet sich zur Pflege des Uferwegs und profitiert ja letztlich auch von der Verbindung zum Ostbahnhof“, sagte Stefan Richter.
Verbindliche Ziele und Herangehensweisen festgelegt
Das wird eine „Gratwanderung“, sagte denn auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) zu den im Forum beschlossenen freiwilligen Vereinbarungen. Schließlich liegen die unterschiedlichen Nutzungsinteressen von Wohnen, Arbeit, Erholung, Kultur und Club zuweilen stark auseinander.
Die unterschiedlichsten Nutzungen sollten laut Müller auf einem solch herausragenden Stadtraum wie dem Gebiet an der Spree künftig im Miteinander dank Kompromissen machbar sein. Es müsse im Spreeraum in Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte möglich sein zu investieren, Wohnraum zu schaffen und zugleich bisheriger und künftiger kultureller Nutzung Räume zu bieten, so Müller.
Als größter Erfolg des Forums StadtSpree wurde einhellig verbucht, dass sich die Akteure an einen Tisch gesetzt und verbindliche Ziele und Herangehensweisen festgelegt haben. „Der Spreeraum ist für alle da“ sei dabei das oberste und erste von insgesamt sechs Leitzielen, die Stefan Richter von der Stiftung Zukunft Berlin als Ergebnis des Forums StadtSpree präsentierte.
Darüber hinaus soll sich der Spreeraum künftig nicht nur vom Wasser, sondern auch von der Stadtseite her attraktiv präsentieren, indem beispielsweise ansprechende Zugänge zum Ufer geschaffen werden. Jedes Grundstück soll hinsichtlich „seiner Begabung“ betrachtet werden, worunter man nach den Worten von Richter das Herausfinden der „optimalen Möglichkeiten des jeweiligen Grundstücks“ verstehe.
Ökologisch nachhaltig
Zudem stehen auch die Chancen der Nachbarschaft als Leitziel Nummer vier auf der Agenda sowie die ökologische Nachhaltigkeit. „Es geht darum, Stadtgrün zu erhalten und im Falle von Neubauten auf die Einhaltung von Öko-Standards zu achten“, sagte Richter. Darüber hinaus haben sich alle Teilnehmer des Stadtforums auf das Prinzip Partizipation auf Augenhöhe geeinigt. Ausgehend von diesen Leitzielen sollen jetzt Arbeitsgruppen gebildet werden, die sich den Themenbereichen Lärm, Uferwege und Wasser widmen werden. Das Ziel ist ein friedliches Miteinander an der Spree.





