Protest

Hunderte demonstrieren gegen Bebauung des Spreeufers

300 Teilnehmer haben in Friedrichshain für die Umsetzung des Bürgerentscheides demonstriert. Damals gab es ein klares Votum für öffentliche Uferflächen und gegen Hochhäuser. Das Gegenteil ist passiert.

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlin wird mal wieder ein lustiges Bild abgeben. Menschen mit bunten T-Shirts und bunten Sonnenbrillen. Techno am Nachmittag für alle, die noch oder wieder Bier trinken können. Und engagierte Aktivisten mit einer sympathischen Botschaft gegen Verdrängung. So dürften die Fotos aussehen, die Touristen an der East-Side-Gallery am Sonnabend aufgenommen haben von der Demonstration zum 5. Jahrestag des Bürgerentscheides "Spreeufer für Alle!"

Etwa 300 Teilnehmer waren zum Treffpunkt gekommen, um gegen neue Baupläne am Spreeufer zu demonstrieren, aber auch um das einzufordern, wofür 87 Prozent der Menschen im Bezirk gestimmt hatten: Keine Hochhäuser und öffentlichen Zugang zum Ufer. 300 Teilnehmer. Das ist eine Zahl bei der man nicht weiß, ob der Kampf zu Ende ist. Oder ob er wieder anfängt. Der Senat hält an seinen Plänen fest.

Ströbele: "Man hat uns betrogen"

Unterwegs zur Oberbaumbrücke kommt der Zug an vielen steinernen Zeugnisse vorbei, dass der Bürgerwillen nicht umgesetzt wurde. Christian Ströbele (Grüne) spricht auf einem Wagen, als der Zug unter dem Stern des Mercedes-Hochhauses entlang zur O2-World geht. Er sagt: "Wir sehen das Mercedes-Land, und wir sehen das O2-Land." Auch könne man in Friedrichshain nicht mehr an der Spree entlanggehen. "So haben wir uns das nicht vorgestellt", sagt Ströbele. Er spricht von Betrug. "Das hier sollte unser Land sein."

Vielleicht hätten mehr Menschen demonstriert, wenn nicht am selben Tag die NPD versucht hätte, im Stadtgebiet zu provozieren, dort musste ja auch Demonstranten hin. Aber der Ruf der Initiative "Media Spree versenken" hat etwas gelitten im Zuge der Proteste gegen den Abriss eines Mauerstückes der East-Side-Gallery. Zwar protestierten Tausende. Doch später berichtete die "Taz", das jenes Loch in der Mauer bereits in einer Broschüre von "Mediaspree versenken" auftauchte - als Anschluss für die Brommybrücke, die laut Initiative für Fußgänger und Radfahrer wieder aufgebaut werden soll. Das hatte damals niemanden gestört.

Doch die Demo macht deutlich: Rund im die Spree in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es noch viele Projekte, gegen die Protest aus Sicht der Demonstranten noch rechtzeitig kommen könnte: Die Bebauungspläne für die Brache an der Curvystraße. Die besetzten Häuser an der Köpenicker Straße. Der Erhalt der Beachbar "Yaam", der noch nicht gesichert ist. Die geplante und teure Erweiterung der Autobahn 100. Die Bauprojekte am Postbahnhof.

Der Organisator von Megaspree, Robert Muschinski sagt, man habe lernen müssen, dass Proteste auf Bezirksebene wenig Erfolg hätten. Damals hätte der Bezirk hohe Entschädigungen an Investoren zahlen müssen, um Pläne zu stoppen. Muschinski: "Nun kämpfen wir für einen Paradigmenwechsel im Senat."

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