In Halle 23a präsentiert ein Hersteller seine Fernseher neben Stadionsitzschalen, die mit Fußballschals und Fußballkappen dekoriert sind. Die Devotionalien von Schalke 04, Hertha BSC und Bayer Leverkusen sind nicht zum Mitnehmen gedacht, manche Sitzschalen sind allerdings trotzdem leer. Bei einem Fernsehsender ein paar Stände weiter sind die Kugelschreiber an den Infotischchen mit elastischen Bändern an der Tischplatte befestigt. Und alle paar Stände werden große leere Tüten verteilt.

Mehr sieht man auf den ersten Blick nicht. Kommt man aber mit den Ausstellern der Ifa ins Gespräch oder bleibt man ein paar Minuten an einem Stand stehen, erlebt man es aus erster Hand: Unter den Messebesuchern sind viele Sammler unterwegs. Mit großen Tüten sind sie auf der Jagd nach Werbegeschenken. Ihr größter Feind ist die Antwort: „Wir haben hier nichts kostenlos. Nur Informationen.“

„Haben Sie Kugelschreiber?“

„Haben Sie Kugelschreiber?“ sei die Frage, die er am häufigsten höre, sagt ein Messeaussteller, der lieber nicht genannt werden möchte. Schon um elf Uhr morgens hätten am Freitag die ersten Messebesucher mit großen Tüten an seinem Stand nach Geschenken gefragt. „Da gibt es die, die nur die kleinen Give-aways wollen, und es gibt die Professionellen“, sagt der Mann im Anzug: „Die fragen, ob man am letzten Messetag die Chance hat, eines der Ausstellungsgeräte abzugreifen.“

Der Aussteller lacht. „Wir haben hier Kühlschränke und Fernseher im Wert von mehreren Tausend Euro. Bei uns ist es eher unwahrscheinlich, dass man was mitnehmen kann.“ Wo die Schnäppchenprofis aber durchaus Erfolg haben könnten, sei bei den Ständen, die kleine Artikel anbieten wie Kopfhörer, Epiliergeräte oder Smartphones.

Am Stand des Elektronikhändlers Euronics kann man sich mit DTM-Fahrern fotografieren lassen und Autogrammkarten mitnehmen. Der weibliche Teil einer Schulklasse ist hocherfreut, steht Schlange für die Fotos. Der männliche Teil sitzt vor einer Rennsimulation, die man sich kostenlos auf einer Website herunterladen kann. Außerdem gibt es Gummibärchen und die Option, seinen Namen auf einen kostenlosen Kugelschreiber gravieren zu lassen. Der Stand ist beliebt.

Bei dem taiwanischen Computerhersteller BenQ nebenan gibt es Minzdrops und Kugelschreiber. Sie liegen nicht aus, man muss danach fragen. „Fachbesuchern geben wir nach einem gelungen Gespräch auch gerne einen Thermobecher“, erklärt der Austeller die Zwei-Klassen-Werbegeschenk-Politik. Die Telekom verteilt auf Nachfrage kleine Häschen mit magentafarbenen Ohren. „Was das mit unserem Konzern zu tun haben soll, weiß ich auch nicht“, sagt der Herr am Stand, bevor er einem das Häschen auf den Arm setzt.

Katalog für zwei Euro

Nach ein paar Ständen kann der Jäger seine Beute kaum noch halten. Kugelschreiber, Häschen, Mints, Sonnenbrillen und Autogrammkarten. Es wird Zeit, nach den Tüten zu fragen. Nicht an jedem Stand kommt diese Nachfrage gut an. Die Gegenstände vor der Brust werden kritisch beäugt, ein Aussteller sagt direkt: „Wissen Sie, wir versuchen, genau diese Sammlermentalität nicht zu unterstützen.“ Am Infostand bei Loewe möchte ein Rentner einen Katalog mitnehmen.

„Der kostet 50 Cent, die gesamte Tüte mit Katalogen zwei Euro“, sagt die Dame hinter dem Tisch. „Aber ich bin doch ein armer Mann“, sagt der Rentner, die Dame zuckt mit den Schultern. Dann versucht sie, sich zu erklären: „Wir wollen verhindern, dass jeder Unmengen an Materialien mitnimmt. Wer wirklich an unseren Produkten interessiert ist, kann auch zwei Euro für die Kataloge aufwenden.“ Den Prospekterlös will das Unternehmen der Brustkrebsforschung spenden.

Beim Stand von Sony hat sich eine Gruppe von Schülern aus Zehlendorf versammelt. Vor drei Jahren habe es bei Sennheiser kostenlose Kopfhörer gegeben, mit denen man zu dritt hören kann, erzählen sie. „Die benutze ich immer noch“, sagt der 13-jährige Victor. „Und vor vier Jahren konnte man kostenlos Cola trinken, und wenn man seinen Becher abgegeben hat, hat man McDonald’s-Gutscheine bekommen. Das war toll“, sagt Victor.

Bei Panasonic haben er und seine Freunde dieses Jahr immerhin kostenlos Japanisch gegessen. „Das war gut“, sagt einer der Schüler und sieht irgendwie glücklich aus. Unter Sammlern gibt man einander Tipps. Wo gibt es dieses Jahr was? Der wichtigste Tipp aber gilt auf jeder Messe: „Lange mit den Ausstellern reden und vorgeben, am Produkt interessiert zu sein.“

Dann geht jeder wieder seines Wegs. Jagt Utensilien, die eigentlich keiner so wirklich braucht. Aber sie sind kostenlos – und darum geht es, inmitten von sündhaft teurer Technik.