Wieder haben Kriminelle in Berlin versucht, einen Geldautomaten zu sprengen. Die Fälle häufen sich mittlerweile.

Unbekannte versuchten am Dienstagmorgen in der Nähe des Virchow-Klinkums in Wedding, einen Geldautomaten zu knacken. Ihnen gelang es jedoch nicht, an die Geldkassette des Automaten am Augustenburger Platz zu kommen. Die Täter flüchteten ohne Beute, das Gerät wurde schwer beschädigt.

Erst am frühen Sonntagmorgen hatten rabiate Täter in einer Filiale der Deutschen Bank am Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg zwei Automaten gesprengt. Dort zerbarsten die Glasscheiben, Trümmer lagen weit verstreut auf dem Gehweg, Tastaturen wurden aus dem Gerät gerissen. Geld werden Bankkunden in der nächsten Zeit hier nicht mehr abheben können.

Allein in Berlin sprengten Diebe in diesem Jahr laut Polizei schon 14 Automaten – beziehungsweise versuchten, auf diese Weise an Beute zu gelangen. „Ein Zusammenhang der Taten wird geprüft“, sagt ein Sprecher. Bundesweit gab es laut Bundeskriminalamt (BKA) im gesamten vergangenen Jahr neun Sprengungen und 17 Versuche. Für 2010 weist die Statistik sogar 31 Taten und 49 erfolglose Sprengungen auf.

Hohe Kosten für Banken

Auch wenn ein Geldautomat nicht in die Luft fliegt und Bares in die Taschen der Diebe wandert, sind die Kosten für die Banken „erheblich“, wie eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Michaela Roth, erläutert. „Es ist nicht nur das erbeutete Geld, sondern auch der bauliche Sachschaden.“ Konkrete Zahlen nennt Roth nicht. Im aktuellen Fall am Mehringdamm mitten in Kreuzberg können Kunden die Filiale laut einer Bank-Sprecherin erst einmal nicht benutzen.

Wenn Automaten gesprengt würden, entscheide das Geldinstitut, ob und wie die Sicherheit verstärkt werde, sagt Roth. „Es gibt ein breites Spektrum.“ So könne zum Beispiel ein Wachmann in eine Filiale gebeten werden. Weitere Details will sie nicht nennen. „Zu sicherheitsrelevanten Themen können wir uns nicht äußern“, sagt auch die Sprecherin der Deutschen Bank.

Bundesweit zahlreiche Fälle

„Es gab solche Fälle schon in jedem Bundesland“, berichtet eine BKA-Sprecherin. Gehäuft traten Automaten-Sprengungen demnach in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf. Das Phänomen sei seit 2005 in Deutschland bekannt. Bis dahin hätten die Ermittler von Fällen etwa in Italien und Spanien gewusst. Die bislang für Deutschland ermittelten Verdächtigen stammen der BKA-Sprecherin zufolge aus Osteuropa. „Wir gehen aber davon aus, dass mehrere Tätergruppen aktiv sind.“

Die maskierten Diebe der Kreuzberger Bankfiliale, die an einer belebten und verkehrsreichen Straße liegt, machten sich am Sonntag mit einem schwarzen Fluchtauto davon – Kennzeichen: B-EX 1095. Diese Kombination ist laut Polizei allerdings schon für ein anderes Auto vergeben. Wahrscheinlich hatten die Täter auch Geld als Beute dabei.

Ungefährlich ist so eine Sprengung nicht, auch nicht für Unbeteiligte. Trümmerteile, die nach der Explosion am Mehringdamm umherflogen, beschädigten ein am Tatort vorüberfahrendes Auto. Auch waren Passanten in der Nähe, die ein lauter Knall aufgeschreckt hat – die aber glücklicherweise unverletzt blieben.

dpa/BM