In fast jedem dritten Betrieb, der mit Lebensmitteln zu tun hat, sind im vergangenen Jahr bei Kontrollen Mängel festgestellt worden. Hauptsächlich waren es Hygienemängel, die von den Lebensmittelkontrolleuren beanstandet wurden. Rund 23.400 der insgesamt rund 53.300 Betriebe wurden untersucht. 6713 Betriebe, fast 29 Prozent, verstießen gegen Vorschriften. 2011 war die Quote der Beanstandungen etwa gleich hoch.
Obwohl die Hygieneanforderungen im Umgang mit Lebensmitteln strenger geworden sind, nimmt die Zahl der schweren Verstöße allerdings ab. Diese positive Bilanz hat am Montag Verbraucherschutz-Senator Thomas Heilmann (CDU) gezogen. Verantwortlich dafür macht Heilmann hauptsächlich das Qualitätsmanagement insbesondere der großen Unternehmen, das zunehmend besser geworden sei.
12.000 Verstöße gegen Vorschriften
In mehr als 6000 Fällen mussten die Lebensmittelkontrolleure diese allgemeine Hygiene bemängeln. Das war rund die Hälfte der insgesamt 12.000 beanstandeten Verstöße. Ludger van der Ahe, Lebensmittelkontrolleur in Mitte, weiß, dass die schlecht zu reinigenden Ecken wie ein Spalt zwischen Arbeitsgeräten oder auch unter Tischen den Kontrolleuren immer wieder Grund zur Beanstandung geben.
Allerdings haben Berlins Lebensmittelüberwacher im vergangenen Jahr mit 44.466 nur gut die Hälfte (52 Prozent) der nötigen Kontrollen in den Betrieben geschafft. „Das hat etwas mit den Personalmengen zu tun, die in den Bezirken nicht ausreichend sind“, sagte Heilmann bei der Vorstellung des Berichts zur Lebensmittelsicherheit. Zwischen 15 bis 30 Kontrolleure gebe es pro Bezirk. Am schlechtesten sei Friedrichshain-Kreuzberg ausgestattet.
Vor anderthalb Jahren wurde ein Betrieb gänzlich geschlossen
Zehn Kontrolleure mehr pro Bezirk wären laut Heilmann wünschenswert. Er betonte aber, dass dort, wo die Gesundheitsrisiken am höchsten seien, kontrolliert werde. Fleisch zubereitende Betriebe würden mindestens einmal im Vierteljahr aufgesucht, auf dem Großmarkt würden sie sogar fast täglich kontrolliert.
Wirklich sorgen müssen sich die Verbraucher nach Auskunft der Lebensmittelüberwacher nicht. Nach Auskunft van der Ahes ist der überwiegende Teil der Gastronomiebetriebe beispielsweise in Mitte in Ordnung. Bei den Ausreißern, bei denen die Kontrolleure die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, fehle es den Betreibern oft am Bewusstsein für Hygiene, unabhängig davon, ob es sich um ein schickes Restaurant oder um einen Imbiss handele. Das seien aber seltene Fälle. Bereits anderthalb Jahre sei es her, dass in Mitte ein Betrieb wegen mangelnder Hygiene habe geschlossen werden müssen.
Die Verkäufer müssen ihre Handschuhe öfter wechseln
3638 Verstöße wurden zudem beim Umgang mit Lebensmitteln festgestellt. Dafür machen die Kontrolleure mangelnde Information verantwortlich, für die die Betriebsleiter sorgen müssen. Das betrifft auch die Wurstverkäuferin, die mit ihren bloßen Fingern statt mit Handschuhen oder Zange die Ware anfasst. Doch wie oft muss die Verkäuferin die Handschuhe wechseln? „Auf jeden Fall, sobald sie Geld angefasst hat. Und aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn sie nach jedem Kunden die Einweghandschuhe wechselt“, sagte van der Ahe.
Beschwerden gebe es aber selten. In fast 2100 Fällen stellten die Kontrolleure zudem fest, dass die Kennzeichnung und Aufmachung des Lebensmittels nicht korrekt war. Das wird sich auch bei den Zahlen für 2013 mit dem Pferdefleischskandal auswirken. Im Landeslabor Berlin-Brandenburg werden die Proben untersucht. Etwa 19.000 sind es jährlich aus Berliner Betrieben, 12.000 kommen aus Brandenburg. Im Landeslabor arbeiten 490 Mitarbeiter, 17 Stellen sind laut Heilmann zusätzlich besetzt worden, 13 weitere sollen noch folgen.


