Für die Denkmäler in Berlin soll es weniger Geld geben. Im Senatsentwurf des Berliner Doppelhaushalts 2014/15, der dem Abgeordnetenhaus zur ersten Lesung vorgelegt wurde, sind nach Angaben der Grünen-Fraktion die Mittel für den Denkmalschutz in Berlin drastisch gekürzt worden. Rund eine halbe Million Euro weniger pro Jahr soll dem Landesdenkmalamt demnach zur Verfügung stehen – ein Minus von etwa einem Sechstel. Dabei stehen Denkmäler als stumme Zeitzeugen im Moment wieder im Fokus: Bundesweit können Interessierte sie am ersten September-Wochenende beim Tag des offenen Denkmals besuchen.

In der Hauptstadt stehen dabei an zwei Tagen über 300 Denkmäler offen – darunter auch viele, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind, wie die ehemalige US-Abhörstation auf dem Teufelsberg in Charlottenburg und die Luftschutz-Musterstollenanlage in Kreuzberg.

In der Koalition besteht noch Handlungsbedarf

„Wir sind der Meinung, dass dieser Bereich damit unterfinanziert wäre. Die Aufgaben im Bereich Denkmalschutz werden eher mehr als weniger“, sagte die Fraktionsvorsitzende und Stadtentwicklungsexpertin der Grünen, Antje Kapek, im Hinblick auf die Sparpläne der rot-schwarzen Regierung. Sie kündigte an, bei der nächsten Lesung des Haushaltsplanes der Stadtentwicklungsverwaltung von Senator Michael Müller (SPD) mehr Geld zu beantragen. Das alte Niveau sei das Minimum.

In der Koalition macht man sich ebenfalls Gedanken, ob die Denkmalschützer ihre Arbeit auch mit dem abgesenkten Budget verrichten können. „Auch wir haben dazu noch Beratungsbedarf“, sagte der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. „Der Denkmalschutz ist uns wichtig. Was und wie viel wir aufstocken können, werden wir in den Haushaltsberatungen vereinbaren.“

Viele unbequeme Denkmale

Fachleute sehen gute Gründe dafür – vor allem kurz vor dem Tag des offenen Denkmals. Der steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“. Für Berlin passt das Motto 2013 besonders gut. „Hier gibt es viele unbequeme Denkmäler, die Zeitzeugen für die nicht so schönen Perioden der Geschichte sind“, sagte die Sprecherin des Landesdenkmalamts, Christine Wolf. „Berlin ist die Hauptstadt des unbequemen Denkmals.“ Beispiele gibt es genug: von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen über das Holocaust-Mahnmal bis zum Alexanderplatz, wo in jüngster Zeit heftige Debatten geführt wurden, ob dort DDR-Bauwerke unter Denkmalschutz zu stellen sind oder nicht.

Auf der Liste möglicher Kandidaten steht die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz ebenso wie das Haus der Presse, in dem heute der Berliner Verlag sitzt. Auch für das Haus des Reisens regen Gutachten den Denkmalstatus an.

„Identifikationspunkte in der gebauten Umwelt“

Wenn man die Denkmäler der DDR auslösche, vernichte man die Geschichte und irgendwann wisse niemand mehr, was gut und was schlecht gewesen sei, argumentierte deshalb auch die Vorsitzende des Vereins „Denk mal an Berlin“, Elisabeth Ziemer.

„Sie steigern die Lebens- und Wohnqualität, indem sie Identifikationspunkte in unserer gebauten Umwelt sind“, sagte der Kunsthistoriker der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für Berlin, Peter Schabe. Er bescheinigte den Berlinern einen selbstbewussten Umgang mit Denkmälern aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sie stellten sich der Geschichte und gingen offensiv und souverän damit um, sagte Schabe.

8000 Denkmalpositionen in Berlin

Aber es geht nicht nur um die DDR-Moderne, sondern generell um den Umgang mit den Zeugnissen der 70er Jahre, auch im Westen der Stadt. So fordern nicht wenige, auch das Internationale Congress Centrum (ICC) unter Schutz zu stellen. Das dürfte jedoch nicht geschehen, weil es für ein Denkmal mit den entsprechenden Auflagen noch schwieriger als ohnehin schon werden würde, ein tragfähiges Nutzungskonzept zu entwickeln. Dass Denkmalschutz Geld kostet, musste gerade die Charité erfahren. Vorstandchef Karl Max Einhäupl geht davon aus, dass eine Sanierung des Klinkums Steglitz deutlich teurer wird, nachdem die Fassade unter Schutz gestellt wurde.

Rund 8000 „Denkmalpositionen“, wie es im Amtsdeutsch heißt, sind beim Berliner Landesdenkmalamt registriert. Dabei kann eine Position aber aus mehreren Gebäuden bestehen. „Wie viele Baudenkmale das tatsächlich sind, kann niemand genau zählen“, sagte Christine Wolf. Und es werden immer mehr: In der Spandauer Zitadelle ist eine Ausstellung geplant, wo unter anderem der Kopf des Berliner Lenin-Denkmals zu sehen sein soll. 2015 soll das seit 2007 geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal am Schloßplatz fertig sein.

„Denkmäler sind ungeheuer wichtig für unser Geschichtsbewusstsein“, sagte Elisabeth Ziemer. „Erfahrungen weiterzugeben, ist ein schwieriger Prozess. Das hat mit Anfassen, Hören und Sehen zu tun. Wenn etwas von der Bildfläche verschwindet, verschwindet es irgendwann auch aus unserem Bewusstsein.“