Zu viele Spielhallen und zu viele leer stehende Geschäfte, in die weitere Spielhallen einziehen könnten: In der Spandauer Neustadt ist das städtebauliche Gleichgewicht in Gefahr. So sieht es das Bezirksamt Spandau. Einer Erhebung von 2012 zufolge sind fast 33 Prozent der Gewerbeimmobilien in der Neustadt ungenutzt. Die Behörde will diese Entwicklung stoppen und greift auf einem ganz besonderen Grundstück ein.
Auf dem Gelände der einstigen Alexander Barracks am Askanierring 92–108A sowie an der Streitstraße 82–84 sollen keine Vergnügungsstätten und kein Einzelhandel möglich sein. Denn wenn sich Geschäfte und Discounter auf diesem Gelände ansiedelten, würden sie das nahe gelegene Carossa-Quartier gefährden, so die Argumentation. Das Quartier liegt 300 Meter entfernt, ebenfalls an der Streitstraße, und ist das Ortsteilzentrum der Wasserstadt Oberhavel. Dort sollen sich Geschäfte konzentrieren, und es sollen möglichst keine Kunden abgezogen werden.
Deshalb stellt das Bezirksamt Spandau nun einen Bebauungsplan für das sechs Hektar große Grundstück an Streitstraße und Askanierring auf, der diese Rahmenbedingungen festschreibt: kein Einzelhandel, keine Vergnügungsstätten. Nur Gewerbe oder Sport und Kultur sollen möglich sein. Denn es gibt einen Interessenten, der einen großen Lebensmittel-Discounter auf dem Areal bauen möchte. Das wäre nach bisherigem Recht zulässig.
Kontaminiertes Areal – Gebäude unter Denkmalschutz
Der Entwurf für den Plan liegt bis zum 28. August im Rathaus Spandau, Zimmer 260, aus. Anwohner können im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung ihre Anregungen geben. Die Bauvoranfrage des Interessenten für den Lebensmittelmarkt hat die Spandauer Behörde vorerst zurückgestellt.
Das Areal gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Sie hatte eine Teilfläche an der Streitstraße im vergangenen Jahr zum Verkauf ausgeschrieben. In den kommenden Jahren will die Bima weitere Flächen der Alexander Barracks anbieten. Derzeit sind dort kleine Kfz-Gewerbebetriebe wie Reparaturwerkstätten, Gebrauchtwagenhandel, eine Sattlerei und eine Autovermietung ansässig, außerdem ein Vereinshaus, Garagen und Büros.
Die dreigeschossigen Gebäuderiegel auf dem Grundstück stehen unter Denkmalschutz. Sie stammen aus den 20er-Jahren und wurden als Lagerhallen für das Heereszeugamt errichtet. Besonderes Kennzeichen sind die befahrbaren Rampen, die ins erste Geschoss der Häuser führen. Das Gelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den britischen Alliierten genutzt. 1994 ging es an den Bund zurück.
Die bisherigen Nutzer haben Bestandsschutz. Wohnungsbau scheidet vorerst aus. Der Untergrund ist kontaminiert, weil auf dem Kasernengelände Fahrzeuge repariert und betankt wurden. Nach Einschätzung des Umwelt- und Naturschutzamtes können die bisherigen Mieter jedoch weiter arbeiten. Auch in Zukunft dürfen sich Gewerbebetriebe auf dem Gelände ansiedeln.



