Wohnungsbau

Tempelhofer Feld - Bezirke und Senat streiten um Bebauung

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Isabell Jürgens

Foto: Amin Akhtar

Nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung sollen auf dem Tempelhofer Feld maximal 1000 Wohnungen entstehen. Der Senat plant auf dem früheren Flughafenareal hingegen 4700 Wohnungen.

Um die Wohnbebauung auf dem Tempelhofer Feld bahnt sich ein Konflikt zwischen Bezirk und Senat an. Auf dem einstigen Flughafenareal sollen nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) lediglich ein Baufeld mit 500 bis 1000 Wohnungen am Tempelhofer Damm entstehen. Der Senat plant dagegen auf insgesamt drei Baufeldern 4700 Wohnungen – davon allein 1700 auf dem Baufeld am Tempelhofer Damm.

Hintergrund des Streits ist ein BVV–Beschluss, der in Tempelhof-Schöneberg 19 größere Wohnungsbauareale ausweist, auf denen in den kommenden zwei bis zehn Jahren insgesamt 3500 Wohnungen entstehen könnten. „Dabei haben wir auch Flächenpotenziale als ungeeignet eingestuft, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in ihrem Neubauprogramm explizit nennt“, so der Grüne Fraktionsvorsitzende Jörn Oltmann am Dienstag. Stattdessen habe man aber eigene Vorschläge eingebracht. „Sowohl die Bebauung am Columbiadamm als auch die Bebauung entlang der S-Bahn-Trasse sehen wir im Bezirk sehr kritisch, auch wenn es im Masterplan des Senats zu Tempelhof drin steht“, ergänzte die grüne Baustadträtin Sibyll Klotz.

Grüne fordern Bebauung „mit Augenmaß“

„Wir sind nicht generell gegen eine Bebauung – allerdings mit Augenmaß“, betonte Klotz. Die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ hatte dagegen angekündigt, ihre Unterschriftensammlung für das Volksbegehren zum Erhalt der Freiflächen auf dem ehemaligen Flughafenareal am 14. September zu starten. Die Initiative will erreichen, dass das Tempelhofer Feld frei von jeglicher Bebauung bleibt.

Auch ohne die massive Bebauung des Tempelhofer Feldes habe der Bezirk zahlreiche geeignete Bauflächen, so die Baustadträtin. Diese reichten von der Bautzener Straße Ecke Yorckstraße an der Grenze zu Kreuzberg über die Schöneberger Linse am Tempelhofer Weg, den Güterbahnhof Wilmersdorf in Friedenau, die General-Pape-Straße bis zu Baufeldern in den Ortsteilen Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade.

Preiswerte Wohnungen geplant

„Wir sind bereits mit Investoren im Gespräch, um sicherzustellen, dass auch preiswerte Mietwohnungen entstehen“, so Klotz weiter. Als Beispiel nannte sie die Bautzener Straße, wo mit dem Eigentümer des Areal gerade die Verhandlungen über den Bau von 250 Wohnungen laufen, von denen 20 Prozent für Menschen mit Wohnberechtigungsschein geschaffen werden sollen.

Tempelhof-Schöneberg ist nicht der einzige Bezirk, der dem „Stadtentwicklungsplan (Step) Wohnen“, der nach Auskunft von Bausenator Michael Müller (SPD) Ende dieses Jahres verabschiedet werden soll, eigene Pläne entgegenstellt. So hatte auch Pankow zehn Flächen, die der Senat als geeignete Neubauflächen identifiziert hat, als ungeeignet verworfen. „Das betrifft zumeist Kleingärten, die wir erhalten wollen“, so der grüne Baustadtrat Jens-Holger Kirchner.