Bauarbeiten

Das wird Berlins neue Tram-Station am Hauptbahnhof

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Markus Falkner

Foto: BVG

Im August 2015 sollen die Straßenbahnen der Linien M6, M8 und M10 zum Hauptbahnhof fahren. Sie halten an einer neuen Station. Eine Simulation zeigt, wie der neue Bahnhof aussehen soll.

Aktuell liegt das Projekt hinter dem Zeitplan. Aber im August 2015 sollen die Trams der Linien M6, M8 und M10 endlich zum Hauptbahnhof fahren. Staatssekretär Christian Gaebler ist aber „zuversichtlich“, dass die verlorene Zeit noch aufgeholt werden kann. Die Baumaßnahmen umfassen Tram-, Straßen- und Leitungsbau und kosten insgesamt etwa 66 Millionen Euro.

Autofahrern in Mitte droht deshalb die nächste Großbaustelle. Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Freitag mitteilten, wird die Chausseestraße an der Kreuzung mit der Invalidenstraße von Ende August an für etwa ein Jahr voll gesperrt. Die Sperrung hängt zusammen mit dem seit Ende 2011 laufenden Großprojekt zur Straßenbahnanbindung zwischen Nordbahnhof und Hauptbahnhof.

Ursprünglich sollte die Straßenbahn zum Hauptbahnhof schon 2006 fahren. Wegen der Verzögerungen starteten die Arbeiten aber erst Ende 2011. Und die Probleme waren damit noch nicht erledigt. Im Untergrund fanden sich zahlreiche ungeahnte Überraschungen: Leitungen, die in keinem Plan verzeichnet waren, ein Durchfluss der Panke, den niemand kannte, Kanalisationsrohre, die die Stasi im ehemaligen Grenzgebiet großzügig mit Beton verfüllt hatte, um Fluchten zu verhindern. Auch konnten einige Baufirmen bei den komplizierten Leitungsarbeiten für Wasser, Gas, Strom und Telekommunikation ihre Termine nicht halten.

Dauerstau auf der Invalidenstraße

Mühselig quält sich die Schlange der Autos im Feierabendverkehr am Freitag über die Invalidenstraße. Seit fast zwei Jahren ist die wichtige Verkehrsachse im Bezirk Mitte nun schon eine Baustelle. Vor dem Bundeswirtschaftsministerium planiert eine Walze frischen Asphalt. Auf dem Mittelstreifen liegen schon die Gleise für die Straßenbahn, die ab 2015 den Nordbahnhof mit dem Hauptbahnhof verbinden soll. Ein Stück weiter endet der Schienenstrang abrupt. Nur in der städtebaulichen Einöde nordwestlich des Hauptbahnhofs sind die Tramgleise in der künftigen Wendeschleife schon fertig. Nur die Oberleitungen fehlen noch, um keine Metalldiebe anzulocken. Immerhin mehr als 60 Prozent der Arbeiten für die neue Straßenbahnstrecke seien erledigt, sagt BVG-Infrastrukturchef Ralf Baumann. Bis Jahresende sollen es 75 Prozent sein.

Die Autofahrer im Dauerstau auf der Invalidenstraße und den Umleitungsstrecken tröstet das nicht. Und auf sie wartet in wenigen Tagen gleich das nächste Nadelöhr im Zusammenhang mit der Großbaustelle. Vom 30. August an wird die Chausseestraße an der Kreuzung zur Invalidenstraße für etwa ein Jahr voll gesperrt. Bevor auf der Kreuzung die neuen Tram-Gleise verlegt werden können, muss der Tunnel der U-Bahnlinie U6 abgedichtet werden. Im Norden zwischen Zinnowitzer Straße und Invalidenstraße, im Süden zwischen Schlegelstraße und Invalidenstraße wird die Straße zur Sackgasse. Autofahrer müssen in beiden Richtungen eine Umfahrungsstrecke nutzen.

Tram M6 wird verkürzt

Bereits vom 26. September an wird im Vorfeld der Bauarbeiten die Straßenbahnlinie M6 verkürzt. Sie endet dann am Hackeschen Markt. Damit zumindest der West-Ost-Verkehr noch fließen kann, teilt die BVG die Arbeiten in zwei Abschnitte. Zunächst wird der Tunnel auf der Südseite der Kreuzung abgedichtet, anschließend das Bauwerk auf der Nordseite. So bleibt immer eine Hälfte der Invalidenstraße für den Autoverkehr frei.

Die Probleme sind trotzdem vorprogrammiert. „Das ist eine ganz schwierige Situation – für den Durchgangsverkehr genauso wie für die Anlieger“, sagt Jörg Becker, Verkehrsexperte des ADAC Berlin-Brandenburg. Die Arbeiten am Tunnel seien zwar unbestritten nötig, doch bei der Vielzahl der Baustellen werde es für den Autoverkehr immer enger in Mitte. „Selbst eine weiträumige Umfahrung kann man kaum noch guten Gewissens empfehlen“, so Becker. „Wer kann sollte den ganzen Bereich am besten meiden.“ Der ADAC-Experte hofft, dass auf der neuen Umleitungsstrecke – etwa durch veränderte Ampelschaltungen – alles getan wird, um den Verkehr ohne Stauchaos fließen zu lassen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze