Kritik an Blaszkiewitz

Neuer Eisbär - Tierschützer befürchten Inzucht im Tierpark Berlin

Neue Kritik an Zoo-Chef Blaszkiewitz: Tierschützer befürchten einen Inzuchtskandal im Berliner Tierpark. Das neue Eisbär-Jungtier könnte ein Bruder von „Tonja“ sein, mit dem es verpaart werden soll.

Foto: Ramil Sitdikov / dpa

Er soll die neue Attraktion im Berliner Tierpark werden: der neue, noch namenlose Eisbär aus Moskau. An diesem Freitag wird er offiziell vorgestellt, aber schon jetzt stoßen die Zuchtpläne der Zoo-Leitung mit dem Neuzugang auf Kritik.

Der Berliner Tierschutzverein und der Deutsche Tierschutzbund sorgen sich um mögliche Inzucht. Nach ihren Befürchtungen könnte es sich bei dem neuen Eisbären um einen Bruder der bereits im Tierpark lebenden Bärin Tonja handeln. „Wir können es noch nicht genau sagen, es ist aber unsere Befürchtung“, sagte James Brückner, Fachreferent für Arten und Naturschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Mit Tonja soll der neue Eisbär nach Plänen der Tierpark-Leitung für Nachwuchs sorgen, wenn beide geschlechtsreif sind. Ursprünglich war der in Berlin unvergessene Eisbär Knut, der auch bundesweit Berühmtheit erlangte, als Partner für Tonja vorgesehen. Doch Knut starb 2011 an einer Virusinfektion.

Laut Brückner gibt es im Moskauer Zoo nur zwei Eisbären-Paare, die Nachwuchs zeugen: die Eltern von Tonja und ein weiteres. Die Mutter von Tonja habe 2011 noch drei weitere Jungtiere zur Welt gebracht. Eines davon soll nun der neue, noch keine zwei Jahre alte Bär in Berlin sein.

Blaszkiewitz äußert sich nicht

Bären-Inzucht wäre aus Sucht von Brückner nicht Neues, „weil Herr Blaszkiewitz das bei anderen Tieren schon öfter gemacht hat.“ Der Chef von Zoo und Tierpark in Berlin, Bernhard Blaszkiewitz, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Pressestelle verwies auf die offizielle Vorstellung des Neuzugangs am Freitag am Eisbärengehege. Auch der zuständige Kurator für Säugetiere, Florian Sicks, wollte sich zu diesem Thema nicht äußern.

„Die geplante Verpaarung von Eisbären-Geschwistern würde den Artenschutz konterkarieren und gegen das Tierschutzgesetz verstoßen“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling. „Diese tierquälerische Amtsführung des Zoochefs schadet nicht nur den Tieren, sondern auch dem Ruf der Hauptstadtzoos und muss ein Ende haben.“ Vom Senat verlangte Hämmerling, dem Tierpark entsprechende Auflagen für finanzielle Zuwendungen zu machen.

Tierschützer fordern schon seit längerem, keine Eisbären mehr in Zoos zu halten. „Offenbar soll ein neuer kleiner Knut her. Der Stress, dem die Tiere ausgesetzt sind, scheint den Beteiligten gleichgültig zu sein“, sagte der Präsident des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung, Wolfgang Apel.

Auch die Tierrechtsorganisation PETA übte ebenso Kritik wie der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder: „Die Haltung von Eisbären in Zoos ist ein Auslaufmodell und muss genauso wie jedwede Zuchtversuche schnellstmöglich beendet werden.“