Für Hunderte Berliner Schüler ist am Mittwoch wieder der Unterricht ausgefallen. Die angestellten Lehrer der Hauptstadt sind erneut zum Warnstreik aufgerufen. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft GEW und der Polizei beteiligten sich rund 3000 angestellte Pädagogen an dem Ausstand.
Erstmals bekommen die Streikenden nun auch Unterstützung von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte auf einer Kundgebung in Berlin die uneingeschränkte Unterstützung der Gewerkschaft zu. Er sagte, die Tarifgemeinschaft der Länder habe versucht, Ver.di zu erpressen und einen Keil zwischen Dienstleistungsgewerkschaft und GEW zu treiben. Konkret habe die Tarifgemeinschaft gesagt, sie werde nur über eine tarifliche Regelung für Theaterschaffende - die Ver.di vorantreiben möchte - verhandeln, wenn es gemeinsames Ziel bleibe, eine einheitliche Eingruppierung der angestellten Lehrer auf Bundesebene zu erreichen.
Bislang sind allerdings alle Versuche, im Rahmen der Tarifgemeinschaft der Länder eine einheitliche Einigung auf Bundesebene zu erreiche, gescheitert. Ver.di sieht hier kein Fortkommen mehr und stellt sich daher nun auf die Seite der GEW, die eine Neueingruppierung der Angestellten auf Landesebene erreichen möchte.
Hauptforderung ist die gleiche Bezahlung von angestellten und verbeamteten Lehrern. Zudem soll es Regelungen für Arbeitszeit im Alter geben. In Berlin werden junge Lehrer seit dem Jahr 2004 nicht mehr verbeamtet. Inzwischen gibt es unter den 29.000 Lehrern in der Hauptstadt mehr als 9000 Angestellte. Nach GEW-Berechnungen bekommen diese in 40 Dienstjahren bis zu 230.000 Euro netto weniger als ihre Kollegen.
Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hält sich jedoch nicht für zuständig. Verhandlungen über Gehälter und die tarifliche Eingruppierung der Pädagogen sei Sache der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), hatte er zuletzt immer betont. Berlin könne keinen Alleingang unternehmen.
Notbetreuung an den Schulen
Am Streiktag sind alle Schulen in Berlin mehr oder weniger betroffen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik. An einigen Schulen werde es nur eine Notbetreuung geben.
An der Peter-Ustinov-Schule (ISS) in Charlottenburg streiken sechs angestellte Lehrer. Darunter auch Zeynep Arikan, die seit einem Jahr an der Sekundarschule Mathe, Wirtschaft, Arbeit und Technik und das Wahlfach Navi unterrichtet. „Wir fordern hauptsächlich Tarifverträge. Diese Ungerechtigkeit soll abgeschafft werden“, sagte Arikan kurz bevor sie sich um 7.30 Uhr vor der Schule positionierte. „Es ist nicht fair, dass angestellte Lehrer wie eine 2. Klasse behandelt werden“.
„Aber wir fühlen uns von den Kollegen, die heute arbeiten gehen, nicht ausgegrenzt“, sagt Rainhard Wagner von der August-Sander-Schule (OSZ) in Friedrichshain-Kreuzberg. Seit circa 15 Jahren unterrichtet Wagner an der Berufsschule Englisch und Sozialkunde. Heute ist seine Klasse zu Hause geblieben. „Ich habe meinen Schülern gestern gesagt dass ich streike und, dass ich bezweifelte ob die Schule die Kapazität hatte alle protestierenden Lehrer zu vertreten“. Insgesamt unterrichten 60 Lehrkräfte an der August-Sander-Schule. Davon sind 30 in der Lehrergewerkschaft GEW und 24 streiken.
„Ich fühle mich verhöhnt“
An der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule in Britz gibt es 96 Lehrer, von denen 28 angestellt sind. 18 von ihnen streiken am Mitwoch, der Unterricht wird vertreten oder fällt aus. Die Kinder sind aber betreut. Grundschullehrerin Nina Brandenburg (34) gehört zu den Streikenden. Sie sagt, es gehe ihr nicht um die Verbeamtung. Sie wolle einfach nur einen Tarifvertrag und nach Tarif bezahlt werden. Viele Lehrer sagen, sie fühlten sich von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betrogen. Diese hatte im Frühjahr Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs angekündigt. Allerdings sei der Beruf nicht attraktiver geworden, sondern eher das Gegenteil. „Ich fühle mich verhöhnt“, sagt Brandenburg. So gebe es keine Alterskonten mehr, und es gebe mehr Präsenztage.
Elternvertreter Christian Puik sagt, er sei auf Seiten der Lehrer. Er finde es ungerecht, wenn für gleiche Arbeit unterschiedlicher Lohn bezahlt werde. „Seit Jahrhunderten k#ämpfen die Menschen darum, gleich bezahlt zu werden“, sagte er weiter. „Das ist doch verständlich.“ Natürlich sei es für berufstätige Eltern schwierig, wenn die Kinder nicht betreut würden. Allerdings sei das ja an der Fritz-Karsen-Schule sichergestellt, weshalb die Eltern auf der Seite der Lehrer seien.
Auch an der Reineke-Fuchs-Schule in Reinickendorf streiken vier Lehrer. Doch an der Grundschule werden Schüler trotz ausfallendem Unterricht von Erziehern und anderen Pädagogen betreut. Kristine Lindner ist eine der angestellten Lehrer, die heute das Unterrichten verweigert. "Wir fühlen uns von Herrn Nußbaum veräppelt", sagt Linder. Die GEW möchte mit der Aktion den Finanzsenator dazu bringen, Verhandlungen über einen eigenen Berliner Tarifvertrag für die angestellten Lehrer aufzunehmen.
mit dpa





