Der angekündigte Streik der angestellten Lehrer am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche in Berlin sorgt bei vielen Eltern für Verärgerung. Schon jetzt ist klar, dass der Ausstand an einigen Schulen zu massivem Unterrichtsausfall führen wird. An Schulen mit einem hohen Anteil an verbeamteten Lehrern wie etwa der Fritz-Karsen-Schule in Neukölln steht schon fest, dass der Streik auch in einigen Klassen zu Stundenausfall führen wird.
An der Gemeinschaftsschule Grüner Campus Malchow etwa ging ein Schreiben an die Eltern, dass Schüler aus den Lerngruppen 1 bis 12 die Erlaubnis erhalten, an beiden Streiktagen zu Hause zu bleiben. Für die Klassen vier bis neun gebe es einen Notfallplan, heißt es weiter. „Die Betreuung ist auf jeden Fall gesichert, aber die Schüler müssen damit rechnen, dass Unterricht in anderer als der normalen Form stattfindet“, sagt Schulleiter Tobias Barthel.
Michaela Reblin, Mutter eines Kindes an einem Charlottenburger Gymnasium, hat für den Streik wenig Verständnis. „Mein Sohn ist gerade in die zehnte Klasse gekommen, da ist jeder Unterrichtsausfall eine Katastrophe“, sagt sie. Besonders deshalb, weil an dem Charlottenburger Gymnasium ohnehin viel zu viel Unterricht ausfalle. „Es sollte nicht nur darum gehen, was die Lehrer bekommen, sondern auch mal danach gefragt werden, welche Qualität an Unterricht die Schüler bekomme“, sagt die Mutter.
Berliner Elternausschuss „nicht begeistert“ von Unterrichtsausfall
Der mehrfache Vater Sven Hänszke denkt ähnlich. „Man sollte den Streit nicht auf dem Rücken der Kinder austragen“, sagt er. Schließlich würden schon genug Stunden wegen Krankheit ausfallen. Am Ende müssten die Eltern zu Hause den fehlenden Stoff mit den Kindern nacharbeiten.
Der Vorstand des Landeselternausschusses schreibt am Montag in einer Stellungnahme: „Eltern sind zwar über Stundenausfall nicht begeistert, aber ein gewisses Verständnis für eine allgemeine Unzufriedenheit der Lehrer haben wir“.
Verständnis hat auch Michael Rudolph, Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau. Dennoch werde es wohl an seiner Schule keine Ausfallstunden geben. Die Schüler dürften nicht die Leidtragenden solcher Auseinandersetzungen sein, sagt der Schulleiter. Unterricht habe Priorität, Demonstrationen müssten eben außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden.
Vorsitzende der Lehrergewerkschaft verteidigt Streik
Der Landesschülerausschuss kritisiert, dass an vielen Schulen der Unterricht sowieso nicht richtig anlaufen konnte, weil Lehrerstellen nicht besetzt waren oder Lehrer gleich nach den Ferien krank waren. Die Schülervertreter fordern die Bildungsverwaltung auf, nicht nur den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten, sondern auch den Unterrichtsausfall realistisch zu erfassen, um das Problem beseitigen zu können.
Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doreen Siebernik, verteidigt die Streikmaßnahme. Die angestellten Lehrer hätten ein Recht auf eine tarifliche Eingruppierung. In den Tarifverhandlungen geht es auch darum, eine Angleichung der Gehälter von verbeamteten und angestellten Lehrern zu erreichen.
Angestellte Lehrer werden zwar sofort in die höchste Gehaltsgruppe eingruppiert, haben dann aber im Vergleich zu ihren beamteten Kollegen keine weiteren Aufstiegschancen. Der Finanzsenator sei in der Pflicht und müsse endlich Verhandlungen aufnehmen, sagt die GEW-Vorsitzende. Doch bisher verweigert Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos für SPD) jegliche Verhandlungen.
Finanzsenator Nußbaum verweigert Verhandlungen trotz Streik
Daran konnte nicht einmal der einwöchige Streik während der Prüfungswoche im Mai etwas ändern. Auch in einer aktuellen Stellungnahme an die Fraktionsvorsitzenden der Koalitionsparteien beruft er sich darauf, dass eine Eingruppierung der Lehrergehälter nur in der Tarifgemeinschaft der Länder möglich sei.
Anders als in den meisten anderen Bundesländern werden Lehrer in Berlin seit 2004 nicht mehr verbeamtet. Das gilt nur noch für Sachsen, wo die Lehrer auch als Angestellte arbeiten. In diesem Schuljahr sind etwa 9000 der 29.000 Lehrer angestellt. Der Anteil der Angestellten wächst in jedem Jahr. Die GEW geht davon aus, dass die Streikbeteiligung ähnlich hoch ausfallen wird, wie beim letzten Ausstand im Mai. Damals hatte etwa die Hälfte aller angestellten Lehrer gestreikt.





