In einigen Berliner Fußball-Kneipen wird es wohl ab dem 1. September vorerst keine Bundesliga-Übertragung geben. Dann laufen die Verträge vieler Gastwirte mit dem Bezahlsender Sky, der die Ligaspiele live überträgt, aus. Am Montag trafen sich erneut etwa 30 Bar-Betreiber in der Neuköllner Kneipe „Gasthaus Valentin“, um ihr weiteres Vorgehen wegen der Preiserhöhungen von Sky zu besprechen.
Bisher hatte Sky die Gebührenordnung danach berechnet, wie groß ein Lokal ist. Ab nächsten Monat bezieht der Sender Faktoren wie die Wirtschaftskraft und Attraktivität der jeweiligen Umgebung der Kneipen ein. Für zahlreiche Gaststätten bedeutet dies eine starke Preissteigerung. Der Wirt des „Valentin“, Joachim Mühle, sagte, dass er statt bisher 270 Euro rund 480 Euro zahlen müsste, also fast 80 Prozent mehr. Mühle hat deshalb wie die 30 anderen Kneipiers seinen Sky-Vertrag gekündigt.
Live-Streams, Karaoke und Radiosprecher
Kreativ wollen die im „Valentin“ versammelten Wirte am 1. September gegen die neue Gebührenordnung protestieren, sagt Wirt Mühle. In verschiedenen Bars sei geplant, dass eine Vielzahl von Gästen auf privaten Laptops die Bundesliga per Live-Stream im Internet verfolgen. Klaus Becker, Sprecher der 17 offiziellen Hertha-Fantreffs der Stadt, wirbt für Karaoke als Protestform. In den Hertha-Treffs sollen Gäste abwechselnd das anwesende Publikum als Radio-Kommentatoren über das Bundesliga-Geschehen informieren.
Besonders erzürnt die Gastwirte die „undurchsichtige Preisgestaltung“, sagt Mühle. Der Bezahlsender schließe individuelle Verträge mit den Kneipiers ab. Dabei gebe es deutliche Preisunterschiede. In Verhandlungen hätten einzelne Gastwirte es erreicht, für zwei Monate die Gebühren erlassen zu bekommen. Andere wiederum bekämen nur einen Freimonat. Die Gastwirte hoffen, durch ihren Widerstand bessere Konditionen mit Sky aushandeln zu können.
Sky-Pressesprecherin Britta Krämer verteidigt die neue Gebührenordnung. Sie sagt: „Das alte Preissystem war nicht so fair wie das neue.“ So gäbe es künftig in wirtschaftlich schlechter gestellten Nachbarschaften Preisnachlässe. Für Gastwirte, denen die neue Preisgestaltung Probleme bereite, gebe es Gesprächsangebote. Sky begründet die neue Gebührenerhöhung damit, dass die Wirte durch die Live-Übertragung Umsatzsteigerungen erzielen.
JS




