Bei Verbrechen sind die Fronten gemeinhin klar. Hier die Täter, da die Opfer. Für den Prozess, der am Mittwoch vor dem Landgericht Moabit begann, gilt das jedoch nicht. Auf der Anklagebank saß ein Taxifahrer als mutmaßlicher Täter, der zuvor zum Opfer geworden war. Und seine Opfer, zwei junge Frauen, waren ursprünglich die Täter. Schon kurz nach der Verlesung der Anklage wurde das Verfahren wieder ausgesetzt. Ein neuer Termin ist noch nicht bekannt.

Was die Staatsanwalt zur Anklage gebracht hat, wirkt ausgesprochen skurril und seltsam verworren. Am 17. September 2011 fuhr der Taxifahrer Dagistan A. zwei junge Frauen nach Wannsee. Als er in der Nähe des S-Bahnhofes anhielt, soll ihn eine der Frauen mit einem Messer bedroht und zur Herausgabe von Geld aufgefordert haben. Der Überfall sei erfolglos geblieben, da der 48-Jährige laut um Hilfe geschrien habe und die Täterinnen daraufhin die Flucht ergriffen hätten, heißt es in der Anklageschrift.

Fahrtpreis von 50 bis 200 Euro

Und dann, als alles vorbei schien, soll A. den Spieß umgedreht haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft verfolgte und überwältigte der Taxifahrer die Täterinnen und forderte nun seinerseits zunächst einen überhöhten Fahrpreis von 50 Euro und schließlich gar 200 Euro. Bei Nichtzahlung soll er den Frauen gedroht haben, 30 Kollegen hinzuzurufen, die die beiden vergewaltigen würden. „Mit denen werdet ihr Sex haben, bis ihr tot seid“, soll der 48-Jährige gedroht haben.

Von der Drohung eingeschüchtert, ließen sich die Fahrgäste den Ermittlungen zufolge zur Wohnung von einer der Frauen fahren. Während die ihre EC-Karte holte, soll sich der Taxifahrer im Wagen an der anderen Frau vergangen haben. Da mit der Karte kein Geld abgehoben werden konnte, soll eine Geldübergabe für den nächsten Tag vereinbart worden sein. Da wartete auf den Taxifahrer allerdings die Polizei. Was wirklich an der ominösen Geschichte dran ist ist, muss ein neuer Prozess klären.

hhn