Die Vattenfall City-Nacht wird zum abendlichen Fünf- statt Zehn-Kilometer-Lauf ohne Wettkampf-Wertung. Das teilt der Veranstalter auf der Website zu dem Lauf mit. Es sei auch überlegt worden, die Veranstaltung ganz abzusagen, heißt es dort weiter. Wie der sportliche Leiter des Laufes, Mark Milde, berichtete, sagten daraufhin Stars wie die deutsche Marathon-Rekordhalterin Irina Mikitenko und die Lauf-Asse Falk Cierpinski und André Pollmächer ihre Teilnahme ab.

Der Veranstalter, SCC Running Events, beruft sich auf seine Fürsorgepflicht für die Teilnehmer: Am Wochenende werden Temperaturen von weit über 30 Grad erwartet. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Hitzewarnung herausgegeben. „Da wir diese traditionsreiche Veranstaltung mit ihrem speziellen Ambiente nicht absagen wollen, entziehen wir der Vattenfall City-Nacht infolge der Witterungsverhältnisse den Wettkampfcharakter und führen die Veranstaltung in einem geänderten Rahmen durch.“

Um 19.50 und um 20.30 Uhr startet jeweils ein Fünf-Kilometer-Lauf ohne Wettkampf-Wertung. Die Inlineskater starten um 19.15 Uhr. Aus Sicherheitsgründen sollen dennoch alle Teilnehmer ihre Zeitnahme-Chip tragen.

Die Entscheidung sei in Übereinstimmung mit den medizinischen Empfehlungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) getroffen worden, heißt es weiter. Den leitenden Arzt des SCC Events Medical Teams, Lars Brechtel, zitiert der Veranstalter mit den Worten: „Medizinisch gesehen steht der Bewältigung einer Fünf-Kilometer-Strecke in vernünftigem Tempo durch einen gesunden Sportler nichts im Wege.“ Das medizinische Team rät jedoch allen Läufern und Skatern mit gesundheitlichen Problemen, etwa Bluthochdruck, und denen, die sich bei Hitze unwohl fühlen, auf eine Teilnahme zu verzichten.

Wer ohne Zeitnahme nicht laufen möchte, kann in diesem Jahr aussetzen und bekommt einen Freistart für die Vattenfall City-Nacht im kommenden Jahr. Diese Option ist bis morgen, Samstag, 27. Juli, 18 Uhr, per E-Mail an folgende Mail wahrzunehmen: kulanz@scc-events.com

Die Hitze beschert den Berliner Bäder-Betrieben einen Traumsommer, sagte Sprecher Matthias Oloew. Im Juli seien bislang rund 743.000 Besucher in die insgesamt 14 Sommer- und zwei Freibäder gekommen – 120 Prozent mehr als im deutlich kälteren Juli 2012. Die meisten Besucher ziehen in diesem Juli bislang das Strandbad Wannsee (81.000 Gäste), das Kreuzberger Prinzenbad (66.000) und das Sommerbad Wilmersdorf (60.000) an.

Am Wochenende steht Berlin noch einmal eine Temperatursteigerung bevor. Die Werte könnten bis zum Sonntag auf knapp unter 40 Grad steigen, sagte die Meteorologin Eva Wille vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. „Sonntag ist der Höhepunkt der Erwärmung. Da können es durchaus 38 Grad und im Innenstadtbereich sogar 39 Grad werden.“

Sollte sich die Prognose des DWD bewahrheiten, könnte am Sonntag ein Berliner Hitzerekord aufgestellt werden. Im Jahr 1959 wurden laut DWD-Mitarbeiter Hans-Werner Voß in Tempelhof 38,1 Grad gemessen. Bereits in der Nacht zum Freitag gab es in Berlin eine sogenannte Tropennacht, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt.

Die Hitze macht bislang vor allem älteren Menschen zu schaffen. Das Deutsche Rote Kreuz müsse vermehrt Senioren betreuen, die bei dem Wetter Kreislaufprobleme bekämen, sagte der Berliner DRK-Sprecher Rüdiger Kunz. „Man sollte viel trinken und Obst wie Melone oder Weintrauben essen.“

Nach der möglichen Rekordhitze am Sonntag ist in der Nacht ein Gewitter möglich, sagte Eva Wille. „Je wärmer es wird, desto eher gibt es Gewitter.“ Anschließend sollen die Temperaturen zu Beginn der kommenden Woche etwas heruntergehen. Am Montag kühle sich die Luft auf etwa 27 Grad ab. Am Dienstag und Mittwoch seien knapp 25 Grad vorhergesagt – ehe es am nächsten Wochenende schon wieder Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke gebe.

sh mit dpa