Berlin steht ein heißes Wochenende bevor. Die Temperaturen am Wochenende brechen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) alle bisherigen Rekorde, die die Experten für das laufende Jahr aufgezeichnet haben. Am Wochenende bekommt Deutschland Fieber.

Auch über Berlin und Brandenburg bricht am Wochenende die Hitzewelle herein. Zwar unterscheiden sich die Vorhersagen der verschiedenen Wetterdienste in Nuancen, wenn es um exakte Angaben der Höchsttemperaturen geht. Doch egal ob nun 35 oder 38 Grad, in einem sind sich alle einig: Da rollte eine Hitzewelle auf Berlin zu.

Der Meteorologe Thomas Endrulat vom DWD verortet deren Höhepunkt am Sonntag. „In Berlin dürften die Temperaturen auf 38 Grad steigen“, sagt der 51-jährige Wetterexperte aus Potsdam. Unter direkter Sonneneinstrahlung liegen die Temperaturen sogar erfahrungsgemäß noch einmal zehn bis 15 Grad höher. „Berlin liegt gewissermaßen mittendrin. In der Innenstadt steigt die Hitze etwa auch aufgrund der Häuserfassaden“, sagt Endrulat.

Gefahr für die Gesundheit steigt

Am Freitag dürfte die Temperatur laut DWD 31 Grad betragen (Wetterdienst Wetterkontor: 30 Grad), am Sonnabend klettert sie auf 32 bis 33 Grad. „Um die Bevölkerung vor den Gefahren der extremen Hitze zu warnen, haben wir einen Hitze-Warn-Clip aufgenommen, der die Risiken erklärt und im Internet zu sehen ist“, sagt der Sprecher des Wetterdienstes Uwe Kirsche der Berliner Morgenpost.

Der Dienst rechnet auch mit einigen Sommergewittern, vor allem zum Abend hin. Durch die extreme Zufuhr von warmer Luft würden diese aber kaum abkühlende Wirkung haben.

Die Hitze der vergangen Tage macht sich schon jetzt in vielen Berliner Arztpraxen bemerkbar. Das beobachtet auch der Mobaiter Arzt Werner Schüler-Maué, Experte für Bluthochdruck, Diabetes und Luftnot. „Vor allem ältere Patienten schaffen bei den Temperaturen kaum den Weg in die Praxis“, sagt der Internist, der seine Praxis in Moabit betreibt. Nur ältere Patienten, die unter akuten Beschwerden leiden, würden daher in seine Praxis kommen.

Tropische Nächte stehen bevor

„Gefährlich wird es zum Beispiel, wenn der Patient etwa wegen einer Herzschwäche Blutdruckmedikamente nimmt“, weiß Schüler-Maué. Die Tabletten führten dazu, dass der Körper austrockne. Zudem erweitere die Wärme von sich aus bereits die Blutgefäße und senke somit den Blutdruck. „Das führt bei den Betroffenen im Extremfall dazu, dass die Menschen kollabieren.“

Dabei könne schon mit einfachen Dingen die körperliche Belastung erheblich reduziert werden, sagt der Internist. „Zunächst einmal sollte sehr genau darauf geachtet werden, dass die Wohnung tagsüber gelüftet wird. Auch nachts sollte das Fenster offen bleiben“, sagt Schüler-Maué. Nach Angaben der Meteorologen müssen sich die Menschen jetzt auf „tropische Nächte“ einstellen. „Wir sprechen von tropischen Nächten, wenn die Temperaturen auch nachts über 20 Grad liegen“, sagt Meteorologe Endrulat.

Die extreme Hitze rühre daher, dass die Hochdrucklage nun noch einmal zusätzlich mit warmer Luft versorgt werde, die direkt aus der Mittelmeerregion nach Deutschland ziehe. „Das führt auch zu der Schwüle“, sagt der Wetterexperte.

Abkühlung kommt zum Wochenanfang

Angesichts der drückenden Temperaturen muss Kellnerin Leonie Neumann während der Mittagsstunden derzeit weniger Gäste bedienen als sonst üblich. Sie arbeitet in einem Biergarten, der direkt an der Spree liegt. „Bis zum Nachmittag ist es momentan deutlich ruhiger als sonst“, sagt die Kellnerin. Viele der rund 300 Plätze bleiben leer, bis es am frühen Abend langsam abkühlt. „Auch auf die Wahl der Gäste hat das Wetter starke Auswirkungen: Die Leute essen weniger, trinken vor allem nichtalkoholische Getränke“, sagt Neumann.

Auch im Berliner Umland bleibt es hochsommmerlich. In der Uckermark zum Beispiel werden am Sonntag 35 Grad erwartet, am selben Tag müssen die Menschen in der Lausitz mit 36 Grad rechnen. In Brandenburg steigt damit die Gefahr von Waldbränden. Erst Anfang der Woche hatte es zu auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Teltow-Fläming gebrannt. In ganz Brandenburg gilt weiterhin die höchste Waldbrandstufe.

Entspannung erwarten die Meteorologen für den Wochenbeginn: „Den großen Knick erwarten wir für den Montag. Da dürften die Temperaturen wieder auf 29 Grad sinken“, sagt Endrulat. Trotzdem bleibt es in der kommenden Wochen weiter sommerlich. Das freut Kellnerin Leonie Neumann: „Dann kommen wieder viele Gäste in den Biergarten oder machen es sich auf den Liegen am Wasser bequem.“