Großbrand

Vom Festsaal Kreuzberg stehen nur noch die Mauern

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Christina Brüning

Der Festsaal Kreuzberg ist völlig ausgebrannt. Rund 300 Feuerwehrleute kämpften zehn Stunden lang gegen die besonders schwer zu löschenden Flammen. Die Ursache ist unklar. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Auch Stunden später riecht es an der Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg nach Rauch. Am Sonntagvormittag ist die Fahrbahn zwischen Mariannenstraße und Kottbusser Tor noch abgesperrt, ein gutes Dutzend Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Polizei steht hier.

Vor der Hausnummer 130 sind Bürgersteig und Fahrbahn trotz Sommerhitze nass. Löschwasser. In der Nacht zu Sonntag ist der „Festsaal Kreuzberg“ völlig ausgebrannt. Von der beliebten Stätte im Kreuzberger Nachtleben stehen nur noch die offenbar äußerst hitzebeständigen Außenmauern.

„Sondermeldung“, steht schon am Morgen auf der Internetseite des Festsaales. „Mit bleischwerem Herzen melden wir, dass der Festsaal Kreuzberg am 21.07.2013 morgens um 6.30 Uhr dem am Vorabend um ca 21.00 Uhr ausgebrochenem Brand erlegen ist.“ Nach neun Jahren Konzerten, Hochzeiten, Lesungen und Partys sei mit dem Programm nun erst einmal Schluss, schreiben die Betreiber. Mehr ist von den Verantwortlichen an diesem Tage nicht zu hören.

Bis zu 800 Grad herrschten im Saal

Erst um kurz nach 7 Uhr am Sonntagmorgen konnte die Feuerwehr den Großbrand unter Kontrolle bekommen. Rund 300 Feuerwehrleute hatten die ganze Nacht hindurch gegen das besonders schwer zu löschende Feuer gekämpft. Bis 11 Uhr am Sonntag dauerten die Arbeiten, suchten die Beamten in dem völlig verkohlten Veranstaltungsraum noch nach Glutnestern, die noch einmal aufloderten. Erst gegen Mittag wurde auch die Fahrbahn vor dem Festsaal wieder freigegeben.

„Die Lage war schwierig und sehr kräftezehrend“, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling am Sonntagvormittag. Die Kollegen seien schnell vor Ort gewesen, als um 21.05 Uhr der Notruf einging. Doch ebenso schnell mussten sie auch feststellen, dass sie gar nicht richtig in den Saal gelangen konnten.

„Das Gebäude ist ein massiver Betonklotz ohne Fenster oder Dachluken“, erklärte Gerling. Nur eine Öffnung für die Getränkeanlieferung auf der Rückseite gebe es – und die beiden Vordertüren. „Weder konnte der heiße Rauch raus noch wir hinein“, sagte Gerling. Präzises Löschen war so unmöglich. In kürzester Zeit sei es in dem rund 300 Quadratmeter großen Bau 600 bis 800 Grad heiß gewesen. „Nach fünf Stunden haben wir immer noch 400 Grad gemessen.“ Dadurch wurden die Arbeiten kompliziert und dauerten viel länger, als zunächst am Samstagabend angenommen.

Im Inneren ist alles schwarz

Die Feuerwehrleute konnten immer nur ganz kurz den Flachbau betreten, den dort aufgebauten Wasserwerfer neu justieren und mussten dann sofort wieder ins Freie. Zusätzlich zur Hitze des Feuers habe der heiße Wasserdampf des Löschwassers die Arbeit erschwert. „Das war immens anstrengend“, so Gerling. 75 Mitarbeiter seien kontinuierlich bei der Arbeit gewesen. Wegen der starken Beanspruchung wurden sie kontinuierlich getauscht, sodass insgesamt rund 300 Feuerwehrleute beteiligt waren. Für den regulären Wachdienst, der sich um alle weiteren Vorfälle kümmerte, musste die Freiwillige Feuerwehr in den Dienst geholt werden.

Am Sonntagvormittag sitzen noch einige der erschöpften Feuerwehrmänner hinter ihren Einsatzfahrzeugen. Neben ihnen kistenweise leere Wasserflaschen und ein fast leeres Tablett belegter Brötchen.

Die Türen des Festsaales stehen weit geöffnet – im Inneren ist alles schwarz. Ein paar verkohlte Metallstühle liegen auf einem Haufen vor der Tür in der Wasserlache. Die Kriminalpolizei ist vor Ort und forscht nach der Brandursache.

Einige Teile der Decke im Festsaal sind eingestürzt und werden auf Glutnester abgesucht. Die Außenwände des kleinen Hauses, das hinter einer Mauer etwas abseits der Straße liegt, sind trotz der starken Rauchentwicklung noch erstaunlich unversehrt, der Putz noch weiß. Nur an den Öffnungen ist der Ruß sichtbar.

In der Nacht war die Rauchentwicklung so stark, dass der U-Bahnhof Kottbusser Tor gesperrt werden musste, weil der Qualm dorthin zog. Die Züge der U1 und U8 konnten die halbe Nacht über dort nicht halten. Auch unter den Schaulustigen, die sich in einer Kreuzberger Samstagnacht reichlich an der Absperrung eingefunden hatten, soll es Fälle von Atemwegsbeschwerden gegeben haben, hieß es bei der Feuerwehr.

Keiner war im Gebäude

Auf die Nachbargebäude haben die Flammen nicht übergegriffen. „Die Brandschutzmauern haben gut gehalten“, sagte Gerling. Bei der Kfz-Werkstatt auf dem Nachbargelände musste am Sonntag lediglich die Halle gut gelüftet werden. Auch dort hatte sich der Qualm ausgebreitet.

Leicht verletzt wurde ein Feuerwehrmann, der ins Krankenhaus gebracht wurde. Ansonsten war bei dem Brand niemand mehr im Gebäude, als das Feuer ausbrach, sollen nur die Betreiber vor Ort gewesen sein. „Die haben Glück gehabt“, sagte der Feuerwehrsprecher. Am Abend war ein HipHop-Konzert im Festsaal geplant, es hätte zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers beginnen sollen.

Zu den Ursachen des verheerenden Brandes konnte die Polizei am Sonntag noch keine Angaben machen. Das Gebäude wurde für die weiteren Ermittlungen beschlagnahmt und versiegelt.