Waterfront Living

Hotel an der East Side Gallery wird zwei Etagen höher

Das Hotel an der East Side Gallery soll deutlich höher werden als geplant. Das Bezirksamt will das verhindern, doch der Senat könnte zustimmen. Grund dafür ist ein Kompromiss mit den Investoren.

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Hotel an der East Side Gallery kann voraussichtlich um zwei Etagen höher gebaut werden als ursprünglich geplant. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) habe den israelischen Investoren in Aussicht gestellt, dass ihre Änderungswünsche für das Gebäude Waterfront Living genehmigt werden sollen, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) am Donnerstag. Dies gehe aus einem Schreiben des Senators an die Investoren hervor, das ihm vorliege, so Schulz. In dem Schreiben sei auch davon die Rede, dass die Investoren ihrerseits dem Land entgegengekommen seien.

Grund für die zusätzlichen Stockwerke am Hotel ist der Kompromiss, der für die East Side Gallery gefunden wurde. Um eine große Lücke in dem denkmalgeschützten Bauwerk zu vermeiden, sollen das Hotel "Waterfront Living" und der benachbarte Wohnturm Living Levels eines anderen Investors eine gemeinsame Zufahrt haben: über das Grundstück der israelischen Eigentümer.

Das hatten Ende März Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Investoren Maik Uwe Hinkel und Alon Mekel sowie Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) erörtert. Die israelische Unternehmensgruppe um Mekel hatte daraufhin mehrere Bauanträge an das Bezirksamt gestellt, die jedoch abgelehnt wurden – auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg.

Der 120 Meter lange Gebäuderiegel mit Hotel und Tiefgarage an der Mühlenstraße 61-63 sollte demnach künftig neun statt der bisher geplanten sieben Stockwerke haben. Außerdem sollen im Gebäude wesentlich mehr Wohnungen entstehen als bisher vorgesehen. Ihr Anteil soll von 20 auf 50 Prozent steigen. Ob nun der Senat diesen Anträgen zustimmen wird, wollte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski am Donnerstag nicht bestätigen. Man sei im Gespräch mit beiden Investoren, sagte er. Zu Einzelheiten werde er sich nicht äußern. "Wir sind auf einem guten Weg."

Gutachten zur Statik nötig

Auch die Pläne für den Wohnturm Living Levels auf dem Nachbargrundstück Mühlenstraße 60 sollen voraussichtlich geändert werden. Doch dafür sei noch kein Bauantrag gestellt worden, sagte Bezirksbürgermeister Schulz. Was im Detail anders geplant werden muss, werde derzeit untersucht. Drei Gutachten seien in Auftrag gegeben, sagte Jürgen Scheunemann, Sprecher des Bauherrn von Living Levels. Sachverständige untersuchen, welche Auswirkungen die gemeinsame Zufahrt auf die Statik des Gebäudes haben wird, auf den Brandschutz und auf das Verkehrsaufkommen.

Der Bau des 63 Meter hohen Turmes hat bereits begonnen. 36 Eigentumswohnungen sind geplant. Der Rohbau des Untergeschosses sei nahezu fertig, sagte Scheunemann. Dort werden Autostellplätze eingerichtet. Dann sollen die Arbeiten am Erdgeschoss beginnen. Der Neubau soll 2015 fertig werden. Dann könne auch die Lücke in der East Side Gallery wieder geschlossen werden, die derzeit als Baustellen zufahrt diene, sagte der Sprecher. Die Mauer-Segmente seien auf dem Gelände aufgestellt. Unterdessen seien weitere Wohnungen im Hochhaus verkauft worden. "Wir sind mit der Vermarktung zufrieden", so Scheunemann.

Am Mittwoch hatten sich Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und des Bezirksamtes mit den beiden Investoren von Hotel und Turm getroffen. Es sei ein Arbeitsgespräch gewesen, sagte Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) im Anschluss und bestätigte, dass das Verkehrsaufkommen, das sich durch die gemeinsame Zufahrt ergibt, berechnet werden müsse und Details zu klären seien. "Ein Ergebnis liegt noch nicht vor." Ein nächstes Treffen sei angesetzt.

Unterdessen fordert das Bündnis "East Side Gallery retten", dass der Senat die Baugenehmigungen für die zwei Projekte an der Mühlenstraße hinsichtlich des Denkmalschutzes überprüft und keine weiteren Genehmigungen erteilt.

Bündnis will Sichtachsen erhalten

Aus Sicht des Bündnisses, in dem sich Künstler, Klubs und Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben, werden Sichtachsen an der East Side Gallery und zum anderen Ufer zerstört, wenn das Hotel und der Wohnturm errichtet sind. Dies verstoße gegen einen Paragrafen des Berliner Denkmalschutzgesetzes.

Vor fünf Jahren hatte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg die Baugenehmigung für den Wohnturm erteilt. Im März 2013 begann der Investor mit den Arbeiten. Er hatte vom Amt die Genehmigung, eine Zufahrt zu seinem Grundstück an der Mühlenstraße zu schaffen und dafür Teile aus der East Side Gallery herauszulösen. Doch als das geschah, kam es kam zu Protesten und einer Großdemonstration. Hinkel sicherte zu, dass die Segmente hinter der Gallery aufbewahrt und wieder zusammengefügt würden.

Als Folge der Proteste lud der Regierende Bürgermeister beide Investoren zu einem Gespräch ein und schlug vor, eine gemeinsamen Zufahrt für beide Bauvorhaben anzulegen. Bezirksbürgermeister Schulz und die Mehrheit der Bezirksverordneten in Friedrichshain-Kreuzberg forderten, das Gelände hinter der East Side Gallery nicht zu bebauen und den Investoren Ersatzgrundstücke anzubieten. Die Suche nach geeigneten alternativen Flächen blieb jedoch erfolglos.

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