Eine im Internet kursierende „Berliner Liste“ der linksextremen Szene beunruhigt die Polizei in der Bundeshauptstadt.

Unter dem Slogan „MieterInnen stressen zurück“ werden auf der Liste rund 100 Bauprojekte, Investorenadressen und zuständige Ämter aufgeführt, die nach Meinung der Verfasser für die massive Verdrängung auf dem Berliner Wohnungsmarkt verantwortlich sind. Geworben wird für „kreative Aktionen“ gegen die fortschreitende Gentrifizierung der Berliner Innenstadtviertel, indem beispielsweise Fassaden von Luxusbauten „kreativ umgestaltet werden“, wie es heißt.

Wer sich als Teil der antisozialen Stadtumstrukturierung hervortue, komme auf die Liste, heißt es weiter. „Alles und Alle auf dieser Liste müssen mit einem Besuch rechnen.“ Unter dem Stichwort „Sicherheit“ wird eine detaillierte Anleitung mitgeliefert, wie solche Anschläge vorbereitet und durchgeführt werden müssen.

Die Berliner Polizei nimmt die Sache sehr ernst und hat eine sechsköpfige Ermittlergruppe eingerichtet. Seit ihrem Erscheinen hat die Polizei 17 Straftaten gegen verschiedene Objekte registriert, die mit der Liste in Zusammenhang gebracht werden.

Internet-Liste kann nicht abgeschaltet werden

Ermittelt wird gegen die unbekannten Seiten-Betreiber wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten. „Wir haben bereits beim Erscheinen der Liste im Frühjahr deren Ernsthaftigkeit erkannt“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Berlin. Alle betroffenen Institutionen, Firmen und Personen seien gewarnt worden, dass sie auf der „Berliner Liste“ aufgeführt werden.

Zudem sei versucht worden, die Liste im Internet abzuschalten. Das gestaltete sich aber schwierig, weil der Server im Ausland stehe, sagte der Sprecher.

Jüngstes Anschlagsziel waren die Choriner Höfe in Berlin-Mitte. In der Nacht zu Dienstag wurde die Fassade des großen Neubaukomplexes von Eigentumswohnungen mit Farbbeuteln beworfen und Fensterscheiben zerstört. Zudem wurde die Frontscheibe eines geparkten Porsche eingeschlagen.

In einem auf der „Berliner Liste“ veröffentlichten Bekennerschreiben einer Autonomen Gruppe heißt es dazu, die Liste müsse vollendet werden: „Wir haben kein Bock mehr auf eure Luxusghettos, eure Luxusautos, eure Luxusläden. Dieses Schlaraffenland voller Bio-Märkte und Nobelkarossen verdirbt uns und allen anderen ohne pralle Brieftasche schon seit langem den Appetit!“.

EPD/sei