Etikettenschwindel

Ströbele siegt gegen die Milchmarke „Mark Brandenburg“

Eine Großmolkerei vertreibt ihre Milch unter dem Namen „Mark Brandenburg“, obwohl diese eigentlich aus Köln stammt. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele zog vor Gericht und bekam nun Recht.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Eigentlich dürfte sich die Molkereibranche darüber freuen, dass Hans-Christian Ströbele viel Milch trinkt. Wenn der 74 Jahre alte Grünen-Politiker mal wieder eine Demo in seinem Kreuzberger Kiez besucht und nach einer Rede vom Lautsprecherwagen springt, dann wirkt das recht jugendlich. Es würde passen in die Kampagne „Die Milch macht’s“. Aber weil Ströbele ein kritischer Konsument ist, schon von Berufs wegen, hat ihm einer der weltgrößten Molkereibetriebe nun einen beträchtlichen Imageschaden zu verdanken.

Eine Milch, von der Ströbele nach eigenen Angaben bis zu zwei Liter am Tag getrunken hat, trägt den Namen „Mark Brandenburg.“ Er habe diese etwas teurere Milch gern gekauft, weil er frische Produkte aus der Region schätze, sagte Ströbele der Morgenpost.

Die Verpackung zeigt Kühe auf einer Wiese – und Berge. Die gibt es in Brandenburg bekanntlich nicht. Unten auf der Packung steht in kleiner Schrift: „Milch von Deutschen Bauernhöfen. Abgefüllt in Köln.“ Das war schon anderen aufgefallen, aber Ströbele blieb hartnäckig. Er schrieb einen Beschwerdebrief an die Firma „Friesland Campina“ und setzte sich dafür ein, dass der Verein „Verband Sozialer Wettbewerb“ vor dem Oberlandesgericht Stuttgart klagte. Der hat nun Recht bekommen. Die Bezeichnung auf der Milchpackung ist laut Urteil „irreführend“. Die Firma, eine Genossenschaft mit weltweit 19.000 Mitarbeitern, muss die Verpackung bis zum Jahresende neu gestalten und – so offen ist es im Urteil formuliert – deutlicher machen, dass die Milch nicht aus Brandenburg kommt.

„Ökologisches Gewissen in die Irre geführt“

Ströbele kritisiert, dass die Firma das ökologische Gewissen der Verbraucher in die Irre führe, um seiner Meinung nach „Berlin als großen Absatzmarkt gefangenzunehmen“.

Wer die Firma Campina anruft, hört von einer Sprecherin, dass die Milchproduktion vor Jahren aus „technischen Gründen“ nach Köln verlegt worden sei. Tatsächlich stammt die Milch nicht mehr von Brandenburger Kühen. Man werde die Verpackungen anpassen, hieß es. Die Marke „Mark Brandenburg“ sei aber davon nicht berührt. Die Milch für andere Produkte, etwa für Kräuterquark, stamme nämlich aus Partnerbetrieben in Brandenburg, versichert die Sprecherin.

Bekannt ist, dass die regionale Herkunft vieler Produkte geschützt ist. Champagner ist das prominenteste Beispiel, er muss aus der Champagne in Frankreich stammen. So eindeutig ist die Lage aber nicht immer für Verbraucher. Das kritisiert auch Ströbele. Manchmal reicht es, dass Produktionsschritte in einer Region stattfinden. Auch heißt eine holländische Brauerei „Bavaria“, also Bayern. Sie hieß schon so, bevor es Schutzbestimmungen gab.

„Mark kennen nicht nur Bildungsbürger“

Aber was gilt für die Mark Brandenburg? Eigentlich gibt es die Markgrafschaft seit 200 Jahren nicht mehr. Auch damit beschäftigt sich das Urteil: Der Begriff „Mark“ werde nicht nur von Bildungsbürgern verstanden, „die von einem der Hauptwerke Theodor Fontanes schon gehört oder gar gelesen haben“, so die Juristen, die ihrerseits offensichtlich das fünfbändige Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ kennen. Der Verbraucher denke an landwirtschaftliche Regionen in Brandenburg und gehe nicht davon aus, dass die Milch aus dem 450 Kilometer entfernten Köln herangefahren werde.

Ob es für die Firma „Friesland Campina“ (Friesland liegt übrigens im Norden Deutschlands und Hollands) dann reichen wird, den Hinweis „Abgefüllt in Köln“ größer auf die Packungen zu drucken? Man kann spekulieren, dass noch weiter gestritten wird. Mindestens einen Kläger dürfte es geben.

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