Der Druck auf die Deutsche Bahn wächst. Nach dem Deutschen Bahnkundenverband und dem Berliner Fahrgastverband Igeb setzen sich nun auch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Stadt Potsdam dafür ein, die wegen der Hochwasserschäden in Sachsen-Anhalt umgeleiteten Fernverkehrszüge auch in Potsdam und am Bahnhof Zoologischer Garten halten zu lassen.

Die Bahn lehnt das bisher ab. Sie argumentiert, die zusätzlichen Stopps würden zu einem unzumutbaren Zeitverlust für durchfahrende Fahrgäste führen. Zudem sei die Berliner Ost-West-Trasse ohnehin schon zu dicht befahren, sagte ein Bahnsprecher. Haltende Züge am Bahnhof Zoo, so die Befürchtung, könnten den gesamten Fahrplan auf der Stadtbahn durcheinander bringen.

Potsdam ist über Absage enttäuscht

Für Marc Schulte, SPD-Wirtschaftsstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf ist das nicht nachvollziehbar. „Wir unterstützen die Forderung der Fahrgastverbände ausdrücklich“, sagte er am Donnerstag. Schulte geht davon aus, dass viele Fahrgäste in der jetzigen Situation von einem zusätzlichen Stopp am Zoo profitieren würden. Und, so hofft der Stadtrat, möglicherweise wäre das nur ein erster Schritt. Der Bezirk fordert seit langem, den 2006 eingestellten Fernverkehrshalt in der City West zu reaktivieren. „Jetzt ließe sich das Argument der Bahn, die Kundenströme hätten sich längst zum Hauptbahnhof verlagert, eindrucksvoll entkräften“, sagte Schulte der Berliner Morgenpost.

Auch im Potsdamer Rathaus ist man enttäuscht von der Absage der Bahn. „Es wäre aus unserer Sicht eine Erleichterung für viele Bahn-Kundinnen und -Kunden aus dem südwestlichen Berliner Raum und Umland, wenn sie nicht erst zum Berliner Hauptbahnhof fahren müssten, um dann in den ICE, der durch Potsdam fährt, einzusteigen“, so ein Sprecher von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). „Die fünf Minuten Zeitgewinn für die Bahn, sind für zahlreiche Kunden eher ein Zeitverlust.“ Jakobs setzt sich seit 2006 dafür ein, dass Fernzüge, die durch Potsdam fahren, auch dort halten.

Seit dem Elbehochwasser ist die Haupt-Bahnverbindung zwischen Berlin und den westlichen Ballungsräumen um Hannover, Frankfurt (Main), dem Ruhrgebiet, Köln und Düsseldorf unterbrochen. Viele Züge werden über Magdeburg und Potsdam umgeleitet und sind etwa eine Stunde länger unterwegs. Die Einschränkungen sollen noch monatelang anhalten.