In einer ehemaligen Kaserne und in Wohnwagen will die Stadt Wolfsburg jetzt Bahnpendler einquartieren, die unter der Sperrung der ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin leiden. Nach dem Hochwasser an der Elbe müssen sich Bahnfahrer dort noch monatelang auf längere Fahrzeiten einstellen, weil ein Teilstück der Strecke bis auf weiteres nicht befahren werden kann. Vom 29. Juli an wird „bis auf weiteres“ ein neuer Übergangsfahrplan für vier ICE-Linien gelten, die vor allem das Ruhrgebiet und Frankfurt am Main mit Berlin verbinden. Darunter leiden auch viele Pendler, die täglich aus Berlin zur Arbeit nach Wolfsburg fahren.

Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) erklärte am Dienstag, die Stadt könne nicht über Monate vom ICE-Netz abgekoppelt bleiben. Er forderte Übergangslösungen für die Hunderte Berliner, die zur Arbeit in die VW-Stadt pendeln. Die Stadt überlegt nun, ein Notquartier für etwa 100 Pendler in einer ehemaligen Kaserne am Stadtrand einzurichten. Außerhalb der Ferien werden auch Wohnwagen zur Unterbringung der Betroffenen in Erwägung gezogen.

Bahn bietet Rückgabe und Umtausch an

Wegen der Umleitungen verlängert sich die Fahrzeit von Hannover nach Berlin um eine Stunde. Auf dieser Strecke sind nach Bahn-Angaben täglich etwa 10.000 Fahrgäste unterwegs. Insgesamt seien etwa ein Viertel aller Fernverkehrskunden von den Verzögerungen betroffen, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Das sind rund 90.000 Menschen täglich. Ein Teil der ICE ab Frankfurt wird über Erfurt nach Berlin geführt. Der neue Fahrplan steht ab 19. Juli im Buchungssystem der Bahn. Kunden, die wegen der Fahrplanänderungen Fahrkarten zurückgeben oder umtauschen möchten, können dies kostenlos tun. Homburg hält es für möglich, dass die Bahn wegen der längeren Fahrzeiten Kunden verliert.

Untersuchung erst in vier Wochen

Ursache für die Sperrung ist die Überflutung an der Brücke bei Schönhausen durch einen Deichbruch im Juni. Der Untergrund des fünf Kilometer langen Abschnitts zwischen Stendal und Rathenow und die Brücke müssen nach der Überflutung untersucht werden, sagte Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer. Damit könne die Bahn erst in etwa vier Wochen beginnen, wenn das restliche Wasser entlang der Strecke abgelaufen und der Boden abgetrocknet sei. Der Bahnwall wird dann mit Hilfe von Hochfrequenz-Schallwellen untersucht. Zu befürchten seien Hohlräume unter dem Gleisbett. Erst nach dem Befund werde man einschätzen können, wie lange die Reparatur dauern werde.

dpa/ap