Hochwasserschäden

Auf der ICE-Strecke Berlin-Hannover ist Geduld gefragt

Wegen der Hochwasserschäden wird das Ost-West-Nadelöhr der Deutschen Bahn, die Elbbrücke bei Stendal, erst ab Dezember wieder freigegeben. Die Fahrt verlängert sich dadurch um bis zu 70 Minuten.

Foto: Christian Charisius / dpa

Bahnkunden, die zwischen den Ballungsräumen Berlin und Hannover pendeln, müssen sich bis Ende des Jahres auf deutlich längere Reisezeiten einstellen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost bleiben die ICE-Hauptverbindungen von Frankfurt/Main nach Berlin und von Hannover Richtung Hauptstadt voraussichtlich bis Ende des Jahres 2013 voll gesperrt. Grund sind die erwarteten Schäden an der Eisenbahnbrücke, die in Schönhausen (Sachsen-Anhalt) über die Elbe führt.

Nach einem Dammbruch südlich der Brücke beim jüngsten Hochwasser war das Bauwerk Anfang Juni von den Behörden gesperrt worden. Seither werden alle Züge der Deutschen Bahn und anderer Schienenunternehmen, die durch dieses Ost-West-Nadelöhr müssen, umgeleitet. Die ICE-Züge zwischen Berlin und Hannover und weiter ins Ruhrgebiet fahren seit dem Hochwasser Anfang Juni über Magdeburg und Braunschweig. Reisende müssen mit einer längeren Fahrzeit von 60 bis 70 Minuten rechnen.

Wasser muss abfließen

Über den genauen Zeitplan für die Arbeiten und die Freigabe der Elbbrücke will die Deutsche Bahn an diesem Dienstag informieren. Doch nach Angaben der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG), steht bereits fest, dass die Strecke bis Dezember nicht mehr befahrbar ist. „Wir wurden von der Deutschen Bahn darüber informiert, dass die Sperrung dieses Abschnitts voraussichtlich bis zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember andauert“, sagte ODEG-Chef Arnulf Schuchmann der Berliner Morgenpost. Die ODEG nutzt zwischen Stendal und Rathenow dieselbe Strecke wie die Fernverkehrszüge der Bahn von Berlin nach Westdeutschland.

Grund für die Sperrung sind die aufwendigen Prüfarbeiten an der Brücke. Derzeit steht das Ausmaß möglicher Schäden noch nicht fest, sie können erst nach Einsatz von Radarmessungen ermittelt werden. Damit kann jedoch erst dann begonnen werden, wenn sich das Wasser völlig vom Gleiskörper und dem Bahndamm entfernt hat – und das ist derzeit noch nicht der Fall. Eine Bahn-Sprecherin bestätigte, dass das Elbwasser momentan an manchen Stellen immer noch an den Gleisen stehe. Erst wenn alles abgeflossen ist, können mögliche Hohlräume und daraus entstandene Schäden erkannt werden. „Wir gehen davon aus, dass das Bauwerk in Mitleidenschaft gezogen wurde“, sagte ein Bahnmanager. Zum Wiederaufbau gebe es keine Alternative, doch das nehme Zeit in Anspruch. Die betroffene Strecke ist eine sogenannte Schnellfahrtrasse, die Züge fahren dort auf einer festen Fahrbahn. In diesem Fall könnte es dazu kommen, dass die gesamte feste Fahrbahn auf und im Umfeld der Brücke komplett ersetzt werden muss.

Bis zum Ende der Arbeiten sollen die betroffenen Züge nun über drei Umleitungen dirigiert werden. Die Bahn hatte bereits mit einem Notfahrplan auf die Sperrung reagiert und den Zügen neue Strecken zugewiesen. Klar ist bereits jetzt, dass der ursprünglich bis 19. Juli eingesetzte Interimsfahrplan bis zum 28. Juli verlängert wird.

Keine Preisermäßigung

Bis Jahresende sollen Ost-West-Züge die fragliche Brücke nun auf den Strecken über Wittenberge umfahren, ab 28. Juli steht außerdem die Strecke Halle-Bitterfeld für eine Umfahrung zur Verfügung. Als dritte Variante wird geprüft, ob Züge auf die Verbindung umgeleitet werden können, die derzeit die EC- und IC-Züge Berlin-Amsterdam nutzen. Endgültig entschieden ist noch nichts. Die Bahn wird aber mit dem neuen bzw. verlängerten Interimsfahrplan versuchen, mehr Züge auf der Verbindung einzusetzen. Denn auf der bisherigen Umfahrung können weniger Bahnen als auf der direkten Verbindung Hannover-Berlin pendeln. Die gilt als besonders stark ausgelastet. Dass sich durch Maßnahmen wie diese die längeren Fahrzeiten spürbar reduzieren lassen, ist fraglich.

Günstiger wird Bahnfahren auf der betroffenen Strecke aufgrund der Einschränkungen übrigens nicht. Die Probleme seien auf höhere Gewalt zurückzuführen, heißt es intern bei der Bahn. Tatsächlich können Kunden wohl noch froh sein, nicht zusätzlich zur Kasse gebeten zu werden. Denn in anderen Fällen galt bei der Bahn auch schon: Längere Strecke, höherer Preis.

Offiziell verweist die DB zurzeit auf die bisherigen Kulanzregelungen. Wer bereits ein Ticket auf der fraglichen Strecke hat, kann es kostenfrei umtauschen oder zurückgeben. Und wer ein Sparpreis-Ticket mit Zugbindungen hat, kann damit auch frühere und folgende Züge nutzen.