Elektroautos

Rennserie Formel E präsentiert sich auf Berlins Straßen

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Paul Hertzberg

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Ein Rennwagen der Formel E hat sich am Donnerstag mit Eskorte in den Berliner Verkehr eingefädelt. Er warb für das Rennen der Serie 2015 in Berlin. An diesem wird nun auch Kritik laut.

Er sieht dann doch aus wie ein normaler Rennwagen. Der Showwagen der Formel E. Geduckt und silbergrau kommt er um die Ecke, flankiert von zwei Polizeiautos. Dabei ist er Aushängeschild einer „stillen Revolution“, wie Alejandro Agag am Donnerstag sagte. Ein Rennbolide ohne Benzin. Der erste der Wagen, die 2015 auf dem Tempelhofer Feld zu sehen sein werden, wenn in Berlin das Rennen der Elektroautos stattfindet.

„Still“ ist ein Wort, das man im Zusammenhang mit diesem Rennen wohl nicht zum letzten Mal hören wird. Der Wagen ist im normalen Straßenverkehr auffällig still. Bis der Fahrer Gas gibt, dann springt die Maschine mit lautem Sirren nach vorne. Bei einem Rennen wird so ein Bolide wohl bis zu 80 Dezibel laut werden. Immer noch mehr als ein normaler Wagen – doch praktisch stumm im Vergleich mit herkömmlichen Formel-1-Maschinen.

Die Formel E ist in Berlin offiziell angekommen. Vor dem Brandenburger Tor posierte ein Fahrer im feuerfesten Anzug, Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hielt eine Rede, und Formel-E-Geschäftsführer Alejandro Agag erklärte Berlin zu einer der Hauptstädte der Elektromobilisierung. Sogar die Fahrzeuge der Polizei stammten aus deren benzinlosem Fuhrpark.

„Berlin wird wieder Rennsportstadt“, verkündete die Senatorin. Sie sprach von der stillgelegten Avus, von der Geschichte des Autos, die auch hier geschrieben wurde. In der Hauptstadt existierten so viele E-Autos wie nirgendswo sonst im Land, betonte sie. Ein Muss, dass mit dem Rennen der nächste Schritt in dieser Entwicklung hier begangen wurde. „Neben Bangkok, L.A. und London war klar, dass Berlin Austragungsort der Formel E sein wird“, sagte Alejandro Agag. „Die Stadt ist hip, sie ist cool, jung und grün!“ Er beschwört die Vorstellung einer Stadt ohne Benzin, ohne Lärm oder Gestank.

Berliner Pioniergeist hochgelobt

Agag verneigte sich vor dem Pioniergeist der Stadt. Die Formel 1 sei ein Wettbewerb der Chassis und der Reifen, so Agag. Die Formel E werde Jahr für Jahr zu Fortschritten in der Entwicklung langlebigerer Batterien führen. Noch muss aber jeder Fahrer mit zwei Autos antreten, denn nach 25 Minuten geht ihnen der Saft aus. Zumindest bei einer Höchstgeschwindigkeit von 225 Kilometern pro Stunde. Das häufigste Problem bei herkömmlichen Rennen: der Reifenwechsel. Nun wird es immer mehr um Stromspeicherung gehen. Doch Agag ist nicht nur ein Visionär. „Natürlich sind wir kein Wohltätigkeitsverein“, sagte er. „Wir behalten uns sämtliche Rechte an dem Event vor. Von denen am Fernsehen bis hin zum Catering.“

Es wird nicht für alle ein Großereignis, wenn in eineinhalb Jahren vor dem Flughafen Tempelhof der Startschuss fällt. Wie immer gibt es auch eine andere Seite. Die, die vor dem alten Flughafen keine Rennen sehen will. Die, die einer Berliner Formel E nicht nur begeistert entgegensieht. Auf dieser Seite steht Melanie Henneberger. Die Fachreferentin der Grünen im Bereich Umwelt, Verkehr und Stadtentwicklung sorgt sich um die Zukunft des Flugfelds. „So ein Rennen sei hinderlich, wenn man auf der Suche nach langfristigen Konzepten ist, sagte sie. Michael Schneidewind von der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ sagte: „Das Feld ist ein Erholungsort.“ Es gehe ums Ausruhen, um Stille, nicht um rasende Maschinen.

Doch dem Rennen steht zumindest von offizieller Seite nichts mehr im Wege. Der ehemalige Flughafen Tempelhof war schon immer ein Ort der Superlative. Der Terminal ist eines der größten Gebäude der Welt, das Feld ist die weltgrößte innerstädtische Freifläche. Nun soll es als Austragungsort der Formel E Geburtsort einer Begeisterung fürs Elektroauto sein.

( dpa/ap )