Treptow

Fünf Meter hohes Baugerüst stürzt auf fahrenden BVG-Bus

Ein fünf Meter hoher Turm ist bei der Demontage umgekippt und auf die Elsenstraße gestürzt. Bei dem Unglück wurden fünf Personen verletzt.

Foto: Steffen Pletl

In den Sekundenbruchteilen, als das Baugerüst zur Seite auf einen Bus kippte, waren an der Elsenstraße offenbar gleich mehrere Schutzegel unterwegs. Ein Gerüstbauer fiel in die Tiefe, landete auf einem geparkten Auto und kam mit leichten Blessuren davon. Das Gerüst streifte eine Passantin mit Einkaufstrolley, ohne die Frau schwer zu verletzen.

Und in dem Linienbus mit rund 20 Fahrgästen kamen Fahrerin und Passagiere buchstäblich mit dem Schrecken davon, obwohl die stählerne Konstruktion zwei Seitenscheiben des Fahrzeugs krachend zersplittern ließ. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr waren sich am Freitagvormittag darüber einig, dass sämtliche Beteiligten eine gehörige Portion Glück hatten. Fünf Personen mit Schocksymptomen, niemand ernsthaft verletzt – so lautete die unglaubliche Bilanz des Rettungsdienstes.

Kurz nach 10 Uhr an der Fassade des Einkaufszentrums Park Center Treptow. Arbeiter sind damit beschäftigt, ein Baugerüst zu demontieren. Zwei Etagen hoch steht die Konstruktion noch auf dem Gehweg der Elsenstraße, als das Gerüst plötzlich in Schieflage gerät und sich in Richtung Fahrbahn neigt. Ein Gerüstbauarbeiter kann sich auf dem stürzenden Stahlgerüst nicht mehr halten und verliert das Gleichgewicht. Der Mann fällt in die Tiefe auf einen schwarzen Kombi, der auf der Busspur geparkt steht.

Das fünf Meter hohe und etwa ebenso lange Baugerüst stürzt direkt auf einen schon abbremsenden Bus der Linie 167, kurz bevor das Fahrzeug die nahe Haltestelle erreicht. Die Stahlkonstruktion trifft die Karosserie des Gelenkbusses kurz hinter dessen Mitte, zwei große Seitenfenster zerbrechen. Die Busfahrerin bringt im Nu das Fahrzeug zum Stehen, Glassplitter fliegen durch den Fahrgastraum. Zwei Passagiere erleiden einen Schock, wie auch die Busfahrerin. Glücklicherweise bleiben sämtliche anderen Fahrgäste unversehrt.

Um 10.13 Uhr trifft der Alarm bei der Feuerwehrleitstelle ein, wenige Minuten später sind die Rettungswagen vor Ort. Die Polizei sperrt die Elsenstraße von der Kreuzung Kiefholzstraße stadteinwärts bis zur Brücke über die Spree ab. Der Gerüstbauer ist laut Feuerwehr äußerlich nahezu unversehrt geblieben, wird aber vorsorglich ins Neuköllner Krankenhaus gebracht. Zwei der unter Schock stehenden Betroffenen werden ins Urban-Krankenhaus nach Kreuzberg gefahren, die beiden anderen können vor Ort versorgt werden. Darunter auch die Passantin, die zu Fuß das Gerüst passieren wollte, als es umstürzte.

Gerüst wird auf Mängel untersucht

Warum das Baugerüst umkippte, wird jetzt das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit (Lagetsi) untersuchen. Sowohl der Auf- als auch der Abbau eines Baugerüstes seien heikle Phasen, bei denen Unfälle drohen, sagt Harald Henzel, Sprecher beim Lagetsi, am Freitag. Für eine Angabe der möglichen Ursache war es nach einer ersten Begutachtung der Unfallstelle noch zu früh. Baugerüste würden in der Regel von Fachfirmen strikt nach einer Montageanleitung errichtet.

Die Gerüstbaufirma händigt dem Nutzer der Konstruktion dann ein Übergabeprotokoll aus. Die Standsicherheit hängt vom Untergrund der Konstruktion ab, die, falls nötig, durch Bretterbohlen geebnet wird, zusätzlich sorgen sogenannte Gerüstanker für mehr Stabilität, die zum Beispiel an der Fassade befestigt werden, erläutert Henzel. Gefahren drohten für Arbeiter auch, wenn an der Gerüstkonstruktion Veränderungen vorgenommen werden. Dies geschieht häufig, wenn Baumaterial transportiert wird und dafür Quer- und Haltestangen vorübergehend beseitigt werden. Ein Sicherungsgeschirr kann Stürze von Arbeitern verhindern – sofern es angelegt wird.

In Kreuzberg kam im Februar ein Arbeiter bei einem Sturz vom Gerüst ums Leben. Das Tragen eines Geschirrs hätte den tödlichen Verlauf verhindern können, so Lagetsi-Sprecher Henzel.