Zwei Frauen sind am Mittwoch Berlin-Neukölln vor einer Baustelle an der Hermannstraße von herabstürzenden Bauteilen getroffen worden. Dabei wurden die 67- und die 55-Jährige so schwer verletzt, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten.
Die Polizei hat inzwischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Unklar ist nach Angaben eines Sprechers bislang allerdings noch, wer für den dramatischen Zwischenfall die Verantwortung trägt.
Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, waren die beiden Frauen am Mittwochmittag zu Fuß an der Hermannstraße unterwegs. Gegen 12.45 Uhr passierten sie an der Ecke Herfurthstraße ein Mehrfamilienhaus, dass gerade renoviert wird. Genau zu diesem Zeitpunkt waren Bauarbeiter damit beschäftigt, Bauschutt mit einem Flaschenzug aus der vierten Etage herunterzulassen.
Aus bislang noch ungeklärten Gründen löste sich plötzlich der Flaschenzug mit dem mit Bauschutt gefüllten Eimer und stürzte auf den Gehweg. Dabei wurden die Frauen von Schuttteilen am Kopf und an der Schulter getroffen. Eine Mitarbeiterin eines Zeitungsladens hatte die Feuerwehr alarmiert.
Lebensgefahr besteht nicht
Sofort alarmierte Rettungskräfte übernahmen noch vor Ort die Erstversorgung der Schwerverletzten und brachten sie dann in ein Krankenhaus. Aufgrund der Schwere der Verletzungen mussten die Fußgängerinnen dort stationär aufgenommen werden, Lebensgefahr besteht nach Auskunft der Polizei allerdings nicht.
Ein Beamter sprach allerdings von „unverschämtem Glück“, dass die beiden Frauen gehabt hätten. Der Großteil des herunter stürzenden Schutts hätte beide Opfer nur knapp verfehlt, sagte der Beamte.
Laut Polizei wird zunächst gegen die mit der Schuttentsorgung befassten Bauarbeiter ermittelt. Dabei geht es nicht nur um die Frage, in welchem Zustand sich der benutzte Flaschenzug befand. Entscheidend ist zudem, wer den Auftrag gab, den Schutt auf diese Weise zu entsorgen. „Es muss geklärt werden, ob ein Bauleiter, Vorarbeiter oder sonstiger Verantwortlicher die Anweisung zur Nutzung eines Flaschenzuges gegeben hat, oder ob die Bauarbeiter selbst auf die Idee gekommen sind“, sagte ein Ermittler.
Es komme häufiger vor, dass Bauarbeiter entgegen anderslautenden Weisungen einen bequemeren Weg zur Erledigung ihrer Arbeiten suchen, so der Beamte. Unter Umständen drohen den Verantwortlichen für den schweren Zwischenfall in Neukölln weitere Ermittlungen wegen Baugefährdung, einem Delikt, für das der Gesetzgeber Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vorsieht.
Zum Schutz sowohl von Arbeitern wie auch Passanten gibt es für die Sicherung von Baustellen strenge Vorschriften. Deren Einhaltung kontrollieren das Landesamt für Arbeitsschutz und die Bauaufsicht der Bezirksämter. Eine umfassende Überwachung aller Baustellen ist angesichts der regen Bautätigkeit in Berlin kaum möglich, sagte ein Beamter. Am sichersten für Passanten sei es immer noch, um gefährlich erscheinende Baustellen einen Bogen zumachen.
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