In einer groß angelegten Aktion sind die Sicherheitsbehörden am Mittwoch in mehreren Bundesländern gegen zwei berüchtigte Rockergruppen vorgegangen. Allein in Berlin und Brandenburg durchsuchten mehr als 650 Polizeibeamte 60 Wohnungen, Klubhäuser und Geschäftsräume. Auch in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gab es Durchsuchungen.

Insgesamt durchsuchten 1000 Beamte mehr als 100 Objekte. Gleichzeitig sprachen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrichs (CSU) und Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) Verbote gegen regionale Gruppen der Rockergruppen aus, die vornehmlich in Berlin, Brandenburg und Sachsen aktiv sind. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) begrüßte die Razzien und drohte den Rockern auch in Berlin mit Verboten.

Hells Angels im Visier

Die Aktion am Mittwoch richtete sich gegen den vor allem im Osten Brandenburgs aktiven Verein Hells Angels Motorcycle Club Oder City und seinen Ableger Oder City Kurmark sowie gegen den in Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Süden Brandenburgs ansässigen Rockerklub Gremium MC Sachsen.

Zeitgleich um 6 Uhr klingelten Polizeibeamte des Bundes sowie aus Berlin und Brandenburg an den Wohnungen von Rockern in Frankfurt (Oder), Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt, Beskow, Storkow und Berlin. Beteiligt an dem Einsatz waren auch Spezialkräfte der GSG 9. Den betroffenen Rockern werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, neben Drogen- und Waffenhandel auch Geiselnahme, Erpressung und Betrug.

Von den Gruppen und ihren kriminellen Aktivitäten gehe eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus, begründeten die Minister am Mittwochnachmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ihr Vorgehen. Mit Verkündung der Verbote wurden gleichzeitig das Vermögen der Rockergruppen, Bargeld in Höhe von rund 14.000 Euro, Kontovermögen sowie acht Motorräder beschlagnahmt und eingezogen.

Keine Festnahmen

Bei den stundenlangen Durchsuchungen beschlagnahmten die Beamten umfangreiches Beweismaterial, das jetzt ausgewertet wird. Festnahmen gab es nicht. „Es geht darum, Strukturen zu zerstören“, sagte Friedrich.

Für die Behörden sind vor allem die erbitterten Konkurrenzkämpfe der rivalisierenden Rockergruppen eine große Gefahr. In Berlin stehen sich seit Jahren Hells Angels und Bandidos unversöhnlich gegenüber, in Brandenburg mischt auch die dritte große Rockergruppierung MC Gremium noch mit. Bei ihren Auseinandersetzungen gehen die Gruppen mit äußerster Brutalität vor und schrecken auch vor Mord oder Mordversuchen nicht zurück.

In Berlin gab es in der Vergangenheit mehrfach Schießereien auf der Straße, in Brandenburg verzeichnete die Polizei in den vergangenen Jahren drei Mordanschläge, die dem Rockermilieu zugerechnet werden.

Verbot nur teilweise erfolgreich

Ein solcher Mordversuch war einer der Auslöser für das am Mittwoch verhängte Verbot der ostbrandenburgischen Hells Angels. Bei einem Racheakt für die vermeintliche Beleidigung ihres Chefs sollen Mitglieder der Gruppe im Dezember 2011 in Königs Wusterhausen einen unbeteiligten 16-Jährigen brutal niedergestochen haben. Der Jugendliche überlebte schwer verletzt. Mit der Tat beschäftigen sich noch die Gerichte in Potsdam und Cottbus.

In Berlin hatte das Verbot eines Ablegers der Hells Angels im Mai vergangenen Jahres nur teilweise Erfolg. Die Information von einer bevorstehenden Razzia war zuvor durchgesickert, die Rocker konnten ihre Sachen vor dem Polizeieinsatz wegbringen.

Innensenator Henkel will an der konsequenten Linie im Kampf gegen die Rockergruppen festhalten. „Wenn wir genügend Material über eine Gruppe gesammelt haben, werden wir auch in Berlin weitere Verbote aussprechen“, kündigte der CDU-Politiker am Mittwoch an.