Die Kriminelle Rockerszene in Berlin ist personell im Wandel. „Die kriminellen Rockergangs in Berlin rekrutieren heute alles, was sie kriegen können“, sagte Sebastian Laudan, Leitender Kriminaldirektor und Abteilungsleiter für die Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt. „Darunter sind auch ungefestigte Gewaltstraftäter, die ganz schnell viel Geld verdienen wollen, aber nichts mit der Tradition der Gangs gemeinsam haben“, sagte Laudan. Zu den Geboten zählt etwa, niemals mit der Polizei zu sprechen, auch wenn man Opfer einer Straftat wurde.

„Der heutige Nachwuchs in Berlin will führen, ohne zu dienen. Man geht heute in einen Club, um morgen wieder auszutreten“, sagte Laudan. Durch die intensive Präsenz der Polizei im Rockermilieu wandern ihm zufolge die nachkommenden Leute außerdem schnell wieder aus der Szene ab. Das Resultat: Die alte hierarchische Clubstruktur greift nicht mehr. „Die Rockerszene in Berlin zerfasert.“

1000 Rocker polizeilich relevant

Polizeilich relevant seien derzeit 1000 Rocker in Berlin. „Der harte Kern umfasst 500 Personen und rund 100 Personen stehen im besonderen Fokus des Landeskriminalamtes“, sagte Laudan. Diese Rocker seien der Polizei durch eine intensive Beobachtung und Ermittlung in den vergangenen zehn Jahren bestens bekannt. „Da ist Berlin mit führend, weil wir eher als andere Bundesländer diese kriminellen Clubs beobachtet haben“, sagte der Kriminaldirektor.

Nach gewalttätigen Eskalationen in der Rockerszene im vergangenen Jahr in der Öffentlichkeit haben die Ermittler den Druck auf die Szene weiter erhöht. Die Präsenz der Ermittler eröffne dabei neue Wege in der Prävention. Denn auch bei eingeschworenen Mitgliedern der Gangs verzeichnet der Kriminaldirektor eine tiefgreifende Veränderung. „Jetzt fangen Leute auch aus dem harten Kern an, mit der Polizei zu reden; früher eine absolute Unmöglichkeit.“ Das seien Menschen, die nun Familie hätten und deshalb „haftempfindlich“ seien. „Der harte Kern kommt in die Jahre“, sagte Laudan.

„Zero Tolerance“ für Gangs

Besonders hilfreich gegen die kriminellen Rockergangs sei auch die im vergangenen Jahr nach einem Mordanschlag in der Szene eingerichtete Rocker Task Force. Dabei arbeiten alle Bereiche der Polizei sehr eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um weiter Druck aufzubauen. „Wir setzen dabei auf 'Zero Tolerance'“, sagte Laudan. Jedes kleinste Vergehen, etwa Verkehrsdelikte, werde dabei gebündelt an einem Ort erfasst und geahndet. „Auch dadurch haben wir über das Verhalten der Gangmitglieder einen sehr guten Überblick.“

dpa/anni