Klaus Schütz (1926–2012) soll mit einer Gedenktafel vor seinem Wohnhaus an der Konstanzer Straße 9 in Wilmersdorf geehrt werden, wo der SPD-Politiker mit seiner Familie von 1994 bis zu seinem Tode lebte. Das hat die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung bereits vor Monaten beantragt. Doch der Antrag wurde auch in der vergangenen Sitzung zum Ärger der CDU vertagt. „Klaus Schütz hat die Stadt in schwierigen Zeiten sicher und verantwortungsvoll regiert. Wie erkennen die Leistung unabhängig von der Parteizugehörigkeit an“, sagte CDU-Bezirksverordnete Marion-Ise Halten Bartels. Sie hat den Eindruck, dass sich die SPD-Fraktion schwer tut, den früheren Regierenden Bürgermeister von Berlin und späteren Botschafter in Israel zu ehren.

Vertagt wurde der Antrag bereits mehrmals, weil die SPD formale Einwände hatte, die zu Änderungen führten. Erst ging es um die Straße, in der die Tafel angebracht werden sollte, dann sollte der zweite in dem Antrag zu Ehrende, Heinz Galinski, einen Extra-Antrag erhalten. Und schließlich ging es auch noch um den Zusatz, wann denn die Gedenktafel überhaupt angebracht werden sollte. Der Eindruck allerdings, die SPD wolle Klaus Schütz nicht ehren, sei falsch, hieß es. „Es ist zwar ungewöhnlich, dass der Antrag so schnell nach dem Tod und zudem von der CDU gestellt wurde, aber natürlich sind wir nicht gegen eine Gedenktafel für Schütz“, sagte die SPD-Bezirksverordnete Christiane Timper.

Ein strittiger Punkt war auch noch, ob die Ehrung überhaupt jetzt bereits möglich ist. Die Historische Kommission zu Berlin, die über die KPM-Gedenktafeln entscheidet, hat in ihren Richtlinien eine Fünf-Jahres-Frist. Allerdings kann von dieser Regel auf Antrag auch abgewichen werden. „Wenn das Lebenswerk des Geehrten als abgeschlossen angesehen werden kann, können wir darüber entscheiden, ob er früher geehrt werden kann“, sagte Rosemarie Bandisch, Geschäftsführerin der Historischen Kommission. Die weißen KPM-Porzellantafeln mit blauer Inschrift ehren in Berlin inzwischen mehr als 400 Menschen.

bsm