Straßenumbenennung

Maueropfer Peter Fechter bekommt keine eigene Straße

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I. Jürgens und R. Köhler

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Die Zimmerstraße wird nicht in Peter-Fechter-Straße umbenannt. Der Bezirk Mitte will stattdessen die Umgebung um die bestehende Gedenk-Stele aufwerten. Viele Politiker und Anwohner sind empört.

Die Zimmerstraße wird nicht nach Peter Fechter benannt. Die Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) Mitte hat am Donnerstag stattdessen beschlossen, einen kleinen gepflasterten Platz zur Ehrung des Maueropfers zu schaffen. Dieser soll rings um die bereits bestehende Fechter-Gedenk-Stele in der Zimmerstraße in der Nähe des Checkpoint Charlie entstehen. Eine Einigung, die für Kritik sorgt. CDU-Generalsekretär Kai Wegner, der sich im vergangenen Sommer für die Umbenennung der Zimmerstraße stark gemacht hatte, bezeichnete den Beschluss der Bezirkspolitiker von Mitte als „kleine Lösung“. Er sagte: „Die Umbenennung der Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße ist der richtige Weg, der Maueropfer angemessen zu gedenken.“ Es gehe dabei nicht nur um Peter Fechter. Dieser stehe für alle Menschen, die an der Berliner Mauer gestorben seien.

Senat in der Pflicht

Es sei zwar durchaus begrüßenswert, dass der Bezirk Mitte den Platz rund um die Gedenk-Stele in der Zimmerstraße neu gestalten wolle. „Die Stele steht sehr isoliert dort“, so Wegner. Falsch sei es hingegen, die Straße nicht umbenennen zu wollen.

Wegner forderte deshalb den Senat auf, sich des Themas anzunehmen. „Das ist keine kommunalpolitische, sondern eine Berliner Aufgabe“, sagte er. „Das Land sollte die Zimmerstraße umbenennen und zwar rechtzeitig zum Gedenken an die Errichtung der Berliner Mauer am 13. August.“ Wegner kündigte an, dass er am Montag einen Brief an den Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), schreiben werde. „Ich werde darum bitten, dass der Senat sich der Sache annimmt“, sagte er. Schließlich hätte sich auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im vergangenen Sommer dafür ausgesprochen, die Zimmerstraße an der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg nach dem Maueropfer zu benennen.

Alexandra Hildebrandt, die das Museum „Haus am Checkpoint Charlie“ ganz in der Nähe der Fechter-Stele leitet, kann ihren Unmut über die „unwürdige und lächerliche“ Entscheidung des Bezirks nicht verhehlen. „Über dieses kümmerliche Gedenken hätte man nicht jahrelang diskutieren müssen“, so die Witwe des 2004 verstorbenen des Museumsgründers Rainer Hildebrandt. Hildebrandt hatte das Museum im Juni 1963 direkt an der Mauer eröffnet, am Donnerstag wurde mit 250 geladenen Gästen das 50-jährige Bestehen des Privatmuseums gefeiert. „Der junge Mann hat sein Streben nach Freiheit mit dem Tod bezahlt, wir sollten in der Lage sein, ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren“, forderte die Museumschefin.

Hubertus Knabe ist unzufrieden

Auch der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, ist mit dem Bezirksbeschluss unzufrieden. „Der Beschluss ist sehr zu bedauern, schließlich gibt es so gut wie keine Straßen in Berlin, die an die Opfer der kommunistischen Diktatur erinnern“, so der Leiter der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis an der Genslerstraße.

Peter Fechter starb 1962 bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer. Er wurde am 17. August 1962 im Todesstreifen an der Zimmerstraße in Mitte von Grenzsoldaten angeschossen. Der damals 18-jährige Bauarbeiter hatte zusammen mit einem Freud versucht, die Mauer zu überwinden und in den Westen zu flüchten. Fechter brach zusammen. Weil ihm die Grenzer nicht halfen und er erst 50 Minuten später von der Polizei geborgen wurde, starb er an den Folgen seiner Schussverletzung.

Für eine Peter-Fechter-Straße hatten sich im vergangenen Sommer neben dem Senat auch viele Prominente ausgesprochen. Dazu gehörten Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Erzbischof Rainer Woelki, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zukunft Berlin, Volker Hassemer, der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, Regisseurin Freya Klier und Schauspielerin Katrin Sass. In anderen Gemeinden Deutschlands bestehen bereits Peter-Fechter-Straßen – nicht jedoch in Berlin. So haben Trittau in Schleswig-Holstein, Püttlingen im Saarland, das bayerische Sulzbach-Rosenberg oder Warstein in Nordrhein-Westfalen bereits Straßen nach dem Maueropfer benannt. In Hannover besteht seit 1983 ein Peter-Fechter-Ufer. In Berlin wurde vor drei Jahren lediglich ein Teil der Britzer Allee nach dem letzten durch Schusswaffen getöteten Flüchtling, Chris Gueffroy, benannt.

Platz des Volksaufstandes kommt

Immerhin: Zwar nicht für die Maueropfer, dafür jedoch die des Volksaufstandes am 17. Juni vor 60 Jahren soll es ab Sonntag einen authentischen Erinnerungsort geben. Nach jahrelanger Debatte soll das bislang namenlose Areal vor dem Finanzministerium als „Platz des Volksaufstandes 1953“ umbenannt werden. Der Regierende Bürgermeister erklärte in einer Mitteilung am Sonnabend, ein Straßenschild sei immer ein Anlass zu fragen, was damals geschehen sei. Die Geste, diesen markanten Ort nach dem Volksaufstand umzubenennen, wende sich gerade auch an die Menschen, die damals beteiligt gewesen seien. Die Namensgebung sei auch „Zeichen des Respekts für ihren Mut und ihren Einsatz im Kampf für Freiheit und Demokratie in der DDR“, sagte Wowereit. „Die Benennung ist eine großartige Geste für die Zeitzeugen und hilft, die Erinnerung auch an die zweite Diktatur in Deutschland lebendig zu halten“, ergänzte CDU-Generalsekretär Wegner.