Extremes Wetter

Unwetter zieht über Berlin hinweg – S-Bahn entgleist

Der Donnerstag war mit Höchstwerten von 36 Grad der bislang heißeste Tag des Jahres in Berlin. Dann zog ein Unwetter über Berlin hinweg. Bäume stürzten um, eine S-Bahn entgleiste.

Der Donnerstag war der bisher heißeste Tag des Jahres in Berlin. Spitzenwerte von 36 Grad wurden gemessen. Am Abend schlug das Wetter dann aber um. In Berlin verdunkelte sich der Himmel. Ein Unwetter zog von Süden her über die Stadt und sorgte für Dauereinsatz der Feuerwehr.

Eine S-Bahn der Linie 1 entgleiste gegen 22 Uhr nahe dem Bahnhof Sundgauer Straße in Zehlendorf. Ein Baum war zuvor auf die Gleise gestürzt, diesen rammte die Bahn. Der erste Wagen sprang mit einem Drehgestell aus dem Gleis.

Feuerwehr und Polizei waren im Großeinsatz. Nach ersten Angaben eines Bahnsprechers gab es keine Verletzten. Ein Feuerwehrsprecher berichtete hingegen von einem Verletzten, der wegen Kreislaufbeschwerden behandelt werden musste und in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Die rund 250 Fahrgäste saßen rund eine Stunde in dem Zug fest, bevor sie die Waggons verlassen konnten. „Es bestand keine Gefahr mehr für die Passagiere“, sagte ein Sprecher. Auch ein Notfallmanager der Bahn war vor Ort. Die Bundespolizei evakuierte die Bahn schließlich.

Die S-Bahn war von Potsdam aus auf dem Weg in Richtung Berlin. Zwischen den Bahnhöfen Botanischer Garten und Zehlendorf musste die Strecke wegen des Unfalls in beide Richtungen gesperrt werden. Wann die S-Bahn-Strecke wieder freigegeben werden kann, konnte eine Bahnsprecherin um 23.40 Uhr noch nicht sagen. Zu erwarten ist, dass die Sperrung mindestens die gesamte Nacht hindurch dauern wird. Ein Ersatzverkehr wurde eingesetzt. Die Sprecherin verwies auf den Bus M48, der die ganze Nacht durchfährt.

Kurz nach 0 Uhr wies die S-Bahn auf ihrer Website daraufhin, dass es „wegen mehrerer Feuerwehreinsätze (Unwetterschäden)“ im gesamten S-Bahn Netz zu Zugausfällen und erheblichen Verspätungen komme. Aktuelle Informationen zu Verkehrseinschränkungen der S-Bahn gibt es ab freitagfrüh auch via Twitter (siehe auch unten).

Die BVG verzeichnet mehrere beschädigte Oberleitungen durch umgefallener Bäume.

Video von Leser Max Liebig

Sämtliche Freiwillige Feuerwehren im Einsatz

Nach einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes hatte die Berliner Feuerwehr über ihren Katastrophenwarndienst Katwarn gewarnt. Gegen 21.51 Uhr erreichte die Leitstelle der erste wetterbedingte Notruf, wie die Feuerwehr mitteilte. Um 21.56 wurde der „Ausnahmezustand Wetter“ ausgerufen.

Die Feuerwehr war mit 900 Kräften im Einsatz, normalerweise sind es 600. Es wurden sämtliche Freiwillige Feuerwehren wegen des Ausnahmezustands alarmiert. Bis 0 Uhr wurden rund 250 wetterbedingte Einsätze gemeldet, es handelte sich vor allem um umgestürzte Bäume und Einsätze wegen Sturmschäden, aber auch um 19 Brände. Mehrere Bäume und Kabel brannten, vermutlich nach Blitzeinschlag.

In Karow geriet in der Straße 44 infolge eines Blitzeinschlags das Dach eines Hauses in Brand. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Lkw-Anhänger kippt auf A114 um

Über Friedenau entluden sich alle paar Sekunden Blitze. Es regnete stark, Blitze zuckten über den Himmel, der Wind blies in starken Böen. Der Donner wurde zu einem dauernden Hintergrundgeräusch, die Temperatur fiel innerhalb weniger Minuten um fünf Grad. Die Gullys konnten das Wasser kaum noch aufnehmen, die Straße verwandelte sich in einen flachen Strom.

In Mitte stürmte, regnete, blitzte und donnerte es. Das neue Autokino Audi Urban Cinema am Spreeufer Stralauer Allee wurde kurz vor 22 Uhr sicherheitshalber geräumt. Dort hatte am Abend eine Kinovorstellung mit zahlreichen prominenten Gästen stattgefunden.

An der Müggellandstraße stürzten zwei Bäume auf ein Haus, Menschen kamen nach ersten Angaben nicht zu Schaden. Das Lager der Jugendfeuerwehr in Müggelheim wurde noch rechtzeitig geräumt, alle Kinder sind nach Angaben der Feuerwehr in Sicherheit.

Auf der A114 Richtung Pankow kippte ein Lkw-Anhänger um und blockierte die Fahrbahn. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr musste den Anhänger mit einem Kran bergen.

Der Berliner CDU-Abgeordnete Burkard Dregger teilte via Facebook mit, er sitze in einem Flugzeug, dürfe wegen Sturms und Blitzen aber nicht aussteigen. „An Bord sind alle gelassen und entspannt“, schrieb er weiter.

An den Berliner Flughäfen gab es laut Online-Flugauskunft bislang keine großen Veränderungen im Flugplan, drei Maschinen auf dem Weg nach Schönefeld wurden umgeleitet.

Hagel und Starkregen in Brandenburg

In Brandenburg tobte das Gewitter mit starkem Regen und heftigen Sturmböen ebenfalls. Betroffen waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem die Märkische-Schweiz, die Niederlausitz und das Havelland. Es wurden demnach schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 100 Kilometern pro Stunde verzeichnet sowie Hagel und Starkregen mit Mengen zwischen 30 und 40 Litern pro Quadratmeter. Angaben über Sachschäden oder Verletzte gab es noch nicht.

Unwetterwarnung für Berlin aufgehoben

Die Unwetterwarnung für Berlin, Süd-, West- und Ostbrandenburg wurde gegen Mitternacht wieder aufgehoben, wie vorhergesagt war das Unwetter Richtung Norden über Berlin hinweggezogen. Die Feuerwehr verzeichnete ab 0 Uhr eine deutlich abnehmende Zahl Notrufe.

Von den Unwettern waren Teile fast aller Bundesländer betroffen. Im münsterländischen Dülmen starb ein 80-Jähriger im Kampf gegen eindringendes Wasser in einem Keller. Im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel hielt ein Supermarkt-Dach den Wassermassen nicht stand und brach ein.

Schon am Freitag dürfte es wieder bis zu 27 Grad warm werden. Das Wochenende werde dann wechselhaft bei 22 bis 26 Grad, heißt es vom Wetterdienst. In der kommenden Woche würden die Temperaturen dann sogar unter die 20-Grad-Marke fallen. Sonne, Wolken und kurze Schauer könnten sich immer wieder abwechseln, sagte der DWD-Experte.

Feuerwehr schon am Mittwoch im Dauereinsatz

Bereits am Mittwoch war die Berliner Feuerwehr zu mehr als 100 wetterbedingten Einsätzen ausgerückt – allerdings wegen der Hitze. Es seien zahlreiche Menschen einfach umgekippt, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstag. Viele hätten einen Schwächeanfall erlitten. Die leichten Fälle wurden von Rettungssanitätern betreut. Ohnmächtige Menschen mussten von Notärzten behandelt werden.

Die Hitze machte die Hauptstädter auch durstiger als sonst: In Berlin war der Wasserverbrauch bereits am Dienstag um 30 Prozent höher als an einem durchschnittlichen Tag, wie die Wasserbetriebe mitteilten.

Informationen der S-Bahn via Twitter