Zum Obama-Besuch rollt eine Hitzewelle durch Deutschland. Dieser Mittwoch ist in Berlin mit Temperaturen bis zu 35 Grad der bisher heißeste Tag des Jahres. Am Donnerstag soll diese Jahresbestmarke sogar noch übersprungen werden: Meteorologen erwarten dann 37 Grad.

Trotz Sommerhitze bleibt es am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor beim Flaschenverbot während der Rede von US-Präsident Barack Obama. Das Protokoll wies am Dienstag nochmals darauf hin, dass die rund 6000 geladenen Gäste weder Glas- noch Plastikflaschen mitbringen dürfen.

Auf dem Pariser Platz wurden aber Wasserspender aufgestellt, damit trotz stundenlangen Wartens niemand ohnmächtig wird. Aus Sicherheitsgründen müssen die Gäste schon lange vor Beginn der Rede auf ihren Plätzen sein. Empfohlen wird auch, zum Schutz gegen die Sonne eine Kopfbedeckung mitzunehmen.

Berliner Hitze „im Bereich der Extreme“

Am Mittwochmittag wurden an den Berliner Wetterstationen bereits Werte zwischen 31,7 Grad in Schönefeld und 32,1 Grad in Dahlem gemessen. Am Nachmittag können sie noch weiter steigen. „Die heute erreichten Temperaturen liegen im Bereich der bisherigen Extreme“, kommentiert Jürgen Schmidt von Wetterkontor. Denn die Rekordwerte für einen 19. Juni betragen im Berliner Raum etwa 33/34 Grad. Die bisherigen Höchsttemperaturen stammen fast alle aus dem Jahre 2000. So waren es am 19. Juni 2000 in Dahlem 33,2 Grad und in Tempelhof 32,5 Grad. Einen Tag später, am 20. Juni 2000, wurden in Dahlem schon 36,1 Grad gemessen. „Der Wert könnte am Donnerstag tatsächlich wieder erreicht werden“, prophezeit Schmidt.

Der Donnerstag bringt mit 36 Grad den Höhepunkt der Hitze

Örtlich sind 36 Grad möglich. „Nachmittags und abends und in der Nacht zum Freitag gibt es dann aber zum Teil heftige Gewitter, örtlich mit Hagel, Sturm und Platzregen“, kündigt Schmidt von Wetterkontor an. Am Freitag gebe es zunächst noch Regen und Gewitter, später werde es langsam freundlicher und mit maximal 28 Grad kühler. Am Wochenende gingen die Temperaturen weiter zurück, örtlich gebe es Regenschauer. „Auch Anfang der kommenden Woche kommt der Sommer dann erst mal nicht wieder zu uns zurück“, sagt Schmidt.

Historische Rekorde: 40,3 Grad im Saarland, 48,5 Grad auf Sizilien

Doch im Moment fühlt sich Berlin noch sehr heiß an. Und es geht noch heißer, nur eben woanders. Laut Wetterkontor-Angaben betragen die Temperaturen in Kairo 34 Grad Celsius, in Peking 36 Grad und Kuwait sogar 43 Grad. Kühler war es dagegen down under mit nur 13 Grad in Melbourne und mit 15 Grad in Sydney.

Den deutschen Hitzerekord hat der Wetterdienst Meteomedia am 8. August 2003 mit 40,3 Grad im saarländischen Perl-Nennig gemessen. Der Deutsche Wetterdienst wiederum gibt als Höchstwert – seit Beginn der Wettermessungen vor gut 130 Jahren – „nur“ 40,2 Grad an. Die Temperatur wurde an drei verschiedenen Orten zu drei verschiedenen Daten gemessen: am 27. Juli 1983 in Gärmersdorf (Oberpfalz), am 9. August 2003 in Karlsruhe und am 13. August 2003 in Karlsruhe und Freiburg/Breisgau.

Europas Hitzerekord hält seit 1999 mit 48,5 Grad das italienische Catenanuova auf Sizilien.

Der Weltrekord sind 56,7 Grad Celsius im Death Valley

Der angebliche „Weltrekord“ von 1922 im libyschen Wüstenort Al-Asisia mit 58 Grad wurde nach 90 Jahren für ungültig erklärt. Die Weltwetterorganisation WMO kürte 2012 stattdessen Greenland Ranch im kalifornischen Death Valley zum Rekordhalter. Dort waren am 1913 immerhin 56,7 Grad Celsius gemessen worden. In Libyen habe ein unerfahrener Beobachter mit alten Geräten gemessen.

Senat warnt vor hohen Ozonwerten in Berlin und Brandenburg

Für Mittwoch und Donnerstag rechnet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wegen der Hitze mit erhöhten Ozonwerte. Da auch Abgase die Bildung von Ozon befördern, bitten die Behörden darum, das Auto stehen zu lassen, kein Motorboot zu fahren und lieber an einem kühleren Tag den Rasen zu mähen. Wer draußen Sport machen wolle, solle das am besten morgens oder am späten Abend tun. Sich ganz normal im Freien aufzuhalten, beispielsweise für einen Spaziergang, sei aber kein Problem, hieß es.

Ärztetipp: Die Schleimhäute feuchthalten

Frank Fechteler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Charlottenburg rät ganz grundsätzlich dazu, Aufenthalte in der prallen Sonne zu meiden und keine körperlichen Anstrengungen aufzunehmen – und wenn es sich nicht vermeiden lässt, wenigstens viele Pausen einzulegen. Ältere Leute sollten zusätzlich die Wechselwirkung zwischen Klima und Medikamenten beachten und nur das nötigste unternehmen, so lange die Temperaturen hoch seien. Für alle ist eine hohe Flüssigkeitsaufnahme zu empfehlen. Wegen der oxidativen, reizenden Wirkung von Ozon sollten die Schleimhäute feucht gehalten werden. „Lassen sie ruhig mal einen Schluck Wasser länger im Mund“, rät Fechteler.

Erfrischungsgetränke für Mitarbeiter der BSR und BVG

Getränke sind das Zauberwort für die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) und der Verkehrsbetriebe (BVG). „Den Fahrern werden an den Stützpunkten Getränke zur Verfügung gestellt“, sagt Klaus Wazlak von der BVG. Es folgt der Hinweis, dass alle Fahrzeuge und Züge voll klimatisiert seien und U-Bahn-Fahrer das Privileg hätten, 95 Prozent ihrer Arbeitszeit unter der Erde zu arbeiten. Die Technik selbst leide nicht: durch das warme Wetter würden nicht mehr Busse oder Züge ausfallen als sonst. Anders ist das mit Mobiltelefonen. Das Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) rät dazu, Handy- und Smartphones vor der Sonne schützen. Touchscreens reagieren dann unter Umständen nicht mehr oder nur noch träge auf Berührungen. Außerdem kann durch zu viel Hitze ein störendes Flimmern im Display entstehen. Auch der Handyakku leidet unter hohen Temperaturen und entlädt sich deutlich schneller. Eventuell verliert der Energiespender dadurch sogar dauerhaft an Lebensdauer.

Doch zurück zum Menschen selbst, zu jenen, die im Freien arbeiten müssen. Bei der Stadtreinigung (BSR) stehen auf den Betriebsgeländen kalter Tee sowie weitere Erfrischungsgetränke kostenlos zur Verfügung, diese könnten auch mitgenommen werden, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Die Mitarbeiter würden auch angehalten, möglichst viel zu trinken. Wenn mit großer Mittagshitze zu rechnen ist, beginnt die Schicht der Müllabfuhr so viel früher, dass sie schon um sechs Uhr vor Ort die Mülltonnen leeren können. Früher ginge wegen Lärmbelästigung nicht. Ziel ist, weniger am Mittag arbeiten zu müssen. Die Mülltonnen werden mindestens einmal die Woche geleert und stehen in der Regel im Schatten. Doch weil warmes Wetter biologische Prozesse fördert, beginnt Müll ab 18/19 Grad Celsius schlecht zu riechen. „Bei den aktuellen Temperaturen laufen die mikrobiellen Prozesse verstärkt und wesentlich schneller ab, dementsprechend riecht es auch“, sagt BSR-Sprecherin Tümler. Ihr Kommentar: „Wir sind halt keine Parfümerie. Wir machen die Stadt sauber.“

Großer Andrang im Prinzenbad: Besucher stehen bis zu 20 Minuten Schlange

Am ersten Ferientag strömen die Berliner in Scharen zum Strandbad Wannsee. „Am Mittwochnachmittag waren es mehr als 8000 Gäste. Wir rechnen damit, bis zum Abend die 10.000er-Marke zu knacken – erstmals in diesem Jahr“, sagte Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe (BBB). Im Prinzenbad waren es mehr als 6000, in allen Bädern am Nachmittag mehr als 60.000 Besucher. „Das wird der bislang am besten besuchte Tag des Jahres.“

Geduld ist gefragt. „Bei den großen Bädern Wannsee und Prinzenbad betragen die Wartezeiten 15 bis 20 Minuten, vor allem am Nachmittag. Die zweite große Welle folgt zum Feierabend für den Abendtarif, der zwei Stunden vor der Schließung beginnt.“ Zwar verkaufe Hilfspersonal zusätzlich Einzelkarten, doch Oloew hat einen Tipp: auf dem Weg ins Freibad ein Hallenbad passieren und sich dort mit Eintrittskarte oder Mehrfachkarten eindecken, die im Frei- oder Strandbad gelöst werden können – ohne Warteschlange.

„Als Faustregel gilt: Am Wochenende ist das Strandbad Wannsee vorne, unter der Woche ist es das Prinzenbad in Kreuzberg“, sagt Oloew.

Wasserverbrauch steigt um 30 Prozent

Doch egal ob im Freibad oder daheim – der Wasserverbrauch nimmt deutlich zu. Nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe stieg der Verbrauch schon am Dienstag auf 700 300 Kubikmeter. Das sind rund 30 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Für Mittwoch rechnet das Unternehmen mit einem noch höheren Absatz, die Schätzung liegt bei 750 000 Kubikmetern. Dennoch werde das Wasser nicht knapp, sagte Stephan Natz von den Wasserbetrieben. Die Wasserwerke könnten bis zu eine Million Kubikmeter Wasser am Tag abgeben. Das Berliner Wasser wird aus Grundwasser in der Nähe von Spree und Havel durch sogenannte Uferfiltration gewonnen.

Berlins Eisbären planschen im Wasser

Auf die Bären im Berliner Zoo und im Tierpark wirkt das Wetter unterschiedlich. Den Eisbären gefalle das Wetter, sie lägen in der Sonne und planschten vergnügt im Wasser, sagt Ragnar Kühne vom Zoo Berlin. „Ihr weißes Fell reflektiert das Licht und die Wärme.“ Den Schwarzbären und Braunbären ginge es schlechter, ihr dunkles Fell absorbiere die Wärme, weshalb sie sich in den Schatten zurückzögen. Die einzigen Tiere die wirklich Probleme hätten, seien die jungen Rentiere. Denn frei lebende Muttertiere würden sich vor der Geburt in die höheren Gebirge Skandinaviens zurückziehen. Die Jungen, die somit auf kühle Temperaturen eingestellt seien, können ihre Körpertemperatur zunächst nicht runterkühlen. Sie verziehen sich deshalb in die kühlen Tierhäuser.

Klimaanlagen der Bahn wieder ausgefallen

Bahnfahrer sollten bei dem Wetter checken, ob ihr Zug auch fahrplanmäßig fährt. Bereits am Dienstag stoppte die Deutsche Bahn mehrere Fernzüge mit ausgefallenen Klimaanlagen. Insgesamt seien sechs ICE und EC-Züge ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Die Fahrgäste mussten in andere Züge umsteigen. Wegen der hohen Temperaturen schließt die Bahn nicht aus, dass es auch in den nächsten Tagen zu vereinzelten Ausfällen von Klimaanlagen kommen kann.

Gewitter bringen Abkühlung zum Wochenende

Doch Abkühlung ist schon in Sicht. „Absehbar wird es erst einmal nicht mehr so heiß“, sagte DWD-Meteorologe Marcus Beyer in Offenbach. Schon am Donnerstag ziehen laut DWD von Westen Schauer und Gewitter auf. Die Wetterexperten rechnen dann bereits im Westen und Süden Deutschlands mit Sturmböen, Starkregen und Hagel.

Nur im Osten bleibe es zunächst freundlich. Doch zum Freitag sollen Gewitter auch in Berlin Abkühlung bringen. Die Temperaturen sinken zunächst auf 28 Grad, am Wochenende soll es noch kühler und wolkig werden.

mit dpa