Mit einer großen Straßenparade durch Berlin wollen Schwule und Lesben an diesem Sonnabend für mehr Toleranz in der Gesellschaft werben. Zum traditionellen Christopher Street Day werden wieder rund eine halbe Million Zuschauer erwartet.

Das Motto des Umzugs lautet diesmal „Schluss mit Sonntagsreden“. Zu den CSD-Forderungen gehören eine rechtliche Gleichstellung von Regenbogenfamilien, eine Trennung von Kirche und Staat sowie ein Ende jeglicher gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Das bunte Spektakel bewegt sich zum 35. Mal durch die Hauptstadt - und war lange nicht mehr so politisch. Die CDU, im Land Berlin Regierungspartei, darf in diesem Jahr mit keinem eigenen Wagen mitfahren. Wegen ihres Kurses bei der Gleichstellung von Schwulen und Lesben waren die Christdemokraten im Vorfeld von den Veranstaltern vom Umzug ausgeschlossen worden.

Die Entscheidung hatte parteiübergreifend Kritik ausgelöst, auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) distanzierte sich.

Keine Menschen, sondern eine Partei ausgeschlossen

Allerdings wird die LSU, die Untergruppe der Schwulen und Lesben in der Union, beim Umzug mit einem Wagen dabei sein. So hätten auch Unions-Anhänger die Möglichkeit, an der Parade teilzunehmen, sagte Robert Kastl, Geschäftsführer des Berliner CSD e.V. „Wir haben keine Menschen, sondern eine Partei ausgeschlossen.“ Der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel wird allerdings nicht an der Parade teilnehmen, wie eine Parteisprecherin auf Anfrage erklärte. 2012 hatte Henkel am CSD teilgenommen.

Eröffnet wird die Berliner CSD-Parade am Kranzler-Eck auf dem Kurfürstendamm. Um 12.30 Uhr will der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dort das regenbogenfarbene Startband zerschneiden. Fast 50 Wagen und dutzende Fußgruppen werden anschließend über Wittenbergplatz, Nollendorfplatz, Großer Stern und Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor ziehen. Dort findet am frühen Abend die Abschlusskundgebung mit politischen Reden und einem Bühnen- und Musikprogramm statt.

Der CSD-Umzug erinnert an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeirazzien 1969 in der Christopher Street in New York. Seitdem gehen Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle jedes Jahr weltweit für ihre Rechte auf die Straße.

In Deutschland gibt es die größten Paraden in Berlin und Köln. 2012 waren zum Berliner CSD rund 700.000 Menschen gekommen.

dpa/sei